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Der Dampfer als schwimmender Hörsaal

Wie Karl-Heinz Kloppisch einst ganze Schiffe charterte, um wissbegierige Dresdner auf besondere Bildungsreisen einzuladen.

Karl-Heinz Kloppisch machte die Elbgespräche zum Erfolgsmodell.
Karl-Heinz Kloppisch machte die Elbgespräche zum Erfolgsmodell. © Sven Ellger

Dresden. Alles begann mit dem Arzt von Sigmund Jähn. Das Gespräch mit Prof. Heinz Fritze führte Karl-Heinz Kloppisch 1983 zur Abwechslung mal nicht an Land - sondern auf einem Dampfer, der währenddessen die Elbe entlang schipperte. Hinter dem Ausflug stand Urania, das Vortragszentrum, das einst jährlich rund 150 Veranstaltungen bot.

Schon seit 1954 existierte in der DDR die Gesellschaft zur populärwissenschaftlichen Vermittlung. Kloppisch leitete die Dresdner Urania seit 1982. Nach der Wende wurde sie als Verein fortgeführt - bis zur Auflösung 2016 mit Kloppisch als Geschäftsführer.

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 "Ich wollte mal etwas anderes machen", erinnert sich Karl-Heinz Kloppisch an die frühen 80er-Jahre. Damals konnte er noch nicht ahnen, welch großer Erfolg die Gesprächsrunden auf dem Dampfer werden sollten. Der "schwimmende Hörsaal der besonderen Art" wurde zum Hit - lange, bevor der MDR sein "Riverboat" aus dem Hut zauberte.

Zu DDR-Zeiten mietete Kloppisch als Veranstalter verschiedene Schiffe der Sächsischen Dampfschiffahrt - und musste dafür jedes Mal eine polizeiliche Genehmigung einholen.

Auch der Regisseur Lothar Warneke (l.) gehörte 1989 zu den Gesprächspartnern von Karl-Heinz Kloppisch.
Auch der Regisseur Lothar Warneke (l.) gehörte 1989 zu den Gesprächspartnern von Karl-Heinz Kloppisch. © privat

Ende der 80er standen jährlich bis zu sieben Fahrten im Kalender. "Die waren meist schon im Januar kurz nach Veröffentlichung der Termine ausverkauft", sagt der 67-Jährige.

Die Veranstaltungen waren als Ganztagesprogramme konzipiert, mit bis zu sechs verschiedenen Themen von Astronomie über Philosophie bis Politik und Wirtschaft, Verköstigung durch die Mitropa und geführten Langgängen. Ziele waren entweder Rathen oder Bad Schandau in der einen Richtung oder Meißen und Diesbar in der anderen.

Nach der Wende wurden die Dinge ein wenig komplizierter - und die Charterkosten explodierten. Von nun an reservierte Kloppisch für seine Elbgespräche nur noch Teilbereiche auf einem der großen Salonschiffe. "Das war schon ein Unterschied zu früher, als ich selbst auf den großen, von mir komplett gemieteten, Dampfern wie 'Weltfrieden' oder 'Stadt Wehlen' die Gesprächsrunden jeweils in die anderen Salons übertragen ließ."

Die ersten und einzigen "Hafengespräche" gab es im Mai 1989. Damals hinderte ein defektes Flammrohr im Kessel den Dampfer "Stadt Wehlen" kurzfristig am Auslaufen. Nur zwei Gäste hätten damals ihre Karten zurückgegeben. Den meisten seien die Inhalte wichtiger gewesen als die Fahrt selbst.

Das Urania-Schiff durfte einst auch bei der Flottenparade nicht fehlen.
Das Urania-Schiff durfte einst auch bei der Flottenparade nicht fehlen. © privat

"Wenn man so will, lebt die Idee der Elbgespräche bis heute weiter", sagt Kloppisch. Auf dem Theaterkahn am Terrassenufer wird seit 2017 zu jeweils vier Folgen pro Jahr eingeladen. Der für Juni geplante Vortrag "Fürstliche Lustschiffe in der Festkultur der Wettiner" mit Prof. Fritz Heinrich musste allerdings coronabedingt auf den 7. Februar 2021 verlegt werden.

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