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Die nächsten Schritte bei Marina Garden

Der Name für das einst umstrittene Wohngebiet an der Dresdner Elbe ist geblieben, der Investor hat aber gewechselt. Wann er losbauen möchte.

Auf dieser Fläche soll das Wohngebiet Marina Garden entstehen. Die Abbrucharbeiten sind abgeschlossen und das Gebiet wurde beräumt.
Auf dieser Fläche soll das Wohngebiet Marina Garden entstehen. Die Abbrucharbeiten sind abgeschlossen und das Gebiet wurde beräumt. © CTR Group

Dresden. Die Elbe sollte das erste sein, was sie am Morgen sehen, die Bewohner von Marina Garden. Wenn es nach der Architektin Regine Töberich gegangen wäre, würde das Wohnquartier am Dresdner Elberadweg längst stehen. Streit mit der Stadtverwaltung um Hochwasserschutz, um einen Kompromiss und letztendlich um Schadenersatz ließen das Projekt allerdings scheitern. 

Inzwischen hat Töberich die Geschäftsführung ihrer Marina-Garden-Projektgesellschaft abgegeben, ihr Grundstück an der Leipziger Straße verkauft und sich aus dem Unternehmen zurückgezogen. Der neue Investor erklärt, wie es mit der Immobilie direkt neben der neuen Hafencity jetzt weitergehen soll.

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Wer ist der neue Investor und was hat er vor?

Ins Marina-Garden-Projekt ist der tschechische Investor CTR im vergangenen Jahr eingestiegen. Wie viel dieser an Töberich zahlte, um das Grundstück zu bekommen, darüber ist Stillschweigen vereinbart worden. Zwar hat CTR den ursprünglichen Projektnamen übernommen, aber nicht Töberichs Vorhaben. Die ehemalige Eigentümerin plante mit etwa 180 Wohnungen. Doch schon die Richter des Oberlandesgerichts stellten fest, die bis zu 21 Meter hohen Gebäude hätten das in dieser Gegend übliche Maß gesprengt. Hinzu kam der aus Sicht der Stadt unzureichende Hochwasserschutz.

Die Landeshauptstadt stellte für Marina Garden schließlich einen neuen Bebauungsplan auf - ohne Töberichs Mitwirken. Dieser gilt bis heute und erlaubt auf dem Grundstück Wohnungen sowie Ateliers und Büros für die Kreativwirtschaft. Der Entwurf sieht vier Häuser vor, die weniger dicht an die Elbe heranreichen, als Töberich es vorhatte. Die freie Fläche zum Fluss hin soll dem Hochwasserschutz dienen und könnte für Freizeitsport genutzt werden. Die Grumbt'sche Villa an der Leipziger Straße soll erhalten bleiben.

So soll das Neubaugebiet Marina Garden am Pieschener Elbufer künftig aussehen. Der Schornstein existiert inzwischen jedoch nicht mehr.
So soll das Neubaugebiet Marina Garden am Pieschener Elbufer künftig aussehen. Der Schornstein existiert inzwischen jedoch nicht mehr. © Barcode/LolaLandscape

CTR sprach bislang von Wohnungen auf einer Gesamtfläche von 13.000 Quadratmetern. Projektleiter Petr Albl hat im Gespräch mit der SZ nun konkretisiert, man wolle mehr als 200 Anderthalb- bis Vierraumwohnungen errichten. Auf der Internetseite des Unternehmens ist von 14.700 Quadratmetern die Rede. Unter dem Areal soll eine Tiefgarage gebaut werden. Auf seiner Internetseite wirbt das Unternehmen mit dem Siegerentwurf eines niederländischen Architekturbüros, der Grundlage für den aktuellen Bebauungsplan war.

Wann soll der Bau beginnen?

Im September letzten Jahres hatte CTR angefangen, alte Mauern abzureißen, Gestrüpp zu entfernen und Baracken zu beseitigen. Auch ein altes Gründerzeithaus verschwand. Den Erhalt des Gebäudes hatte auch die Stadt nicht vorgesehen. "Der Abbruch ist fertig", sagt Projektleiter Albl vom Investor CTR. Die Fläche sei komplett beräumt worden. Das Unternehmen habe zudem den Bauantrag fertiggestellt, der eingereicht werden soll. Albl hofft, dass die Bauarbeiten im Oktober oder November dieses Jahres beginnen können. Geplant sei, den Bau bis Ende 2022 fertigzustellen.

So sieht das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs für Marina Garden aus. Der neue Investor wird sich offenbar an diesem Entwurf orientieren.
So sieht das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs für Marina Garden aus. Der neue Investor wird sich offenbar an diesem Entwurf orientieren. © Barcode/LolaLandscape

Gab es schon Reaktionen auf die Pläne?

Ja, im Frühjahr hatte sich der Grüne-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Thomas Löser zu den CTR-Plänen geäußert. Er erwartet, dass die CTR-Gruppe den Siegerentwurf wirklich zur Grundlage der weiteren Planungen mache, sagte er damals. "Die Entwurfsidee ist innovativ, großstädtisch und hat ein interessantes städtebauliches Konzept, welches auch genügend grünen Freiraum für die Anwohner lässt." Nicht einverstanden war Löser, dass die Gründerzeit-Villa abgerissen wurde, auch wenn damit gegen keinerlei Auflagen verstoßen wurde. "Als Eingang in das neue Stadtquartier und als Abschluss zur Leipziger Straße wäre das sanierte historische Gebäude aber sicherlich erhaltenswert gewesen", so Löser

Soll Marina Garden mit der Hafencity zusammenwachsen?

Beide Projekte werden das Gesicht der Leipziger Vorstadt zwar sehr verändern, aber getrennt voneinander entwickelt. Investor der benachbarten Hafencity oberhalb des Neustädter Hafens ist das Unternehmen Unser Schönes Dresden (USD). Der Bau ist bereits weit vorangeschritten, die Pläne entstanden in einem Werkstattverfahren in Kooperation mit der Stadt. Die Melkus-Villa wurde schon saniert, das Kreativzentrum am Arzneimittelwerk ist fertiggestellt, das Hotel am Citybeach soll dieses Jahr eröffnen. Außerdem entstehen derzeit zwei Wohnriegel an der Leipziger Straße. Im März hatte der Stadtrat schließlich sein Okay für neun weitere Gebäude gegeben. Möglich, dass beide Projekte - Hafencity und Marina Garden - etwa zur selben Zeit fertiggestellt werden.

Besitzt der Investor denn Bau-Erfahrungen?

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Die tschechische CTR Immo hat schon mehrere Großprojekte in Dresden umgesetzt. 2016 hatte sie die Residenz am Zwinger an der Ostra-Allee fertiggestellt. Gemeinsam mit der Dresdner Baywobau errichtete das Unternehmen zudem das Haus Merkur am Antonsplatz, das 2017 übergeben wurde, sowie daneben an der Wallstraße die Neubauten Boulevard Am Wall I und Am Wall II. Insgesamt sind in den drei Komplexen 351 Wohnungen entstanden. Doch CTR plant noch mehr. "Unser Ziel ist es, ein Grundstück für Neubauten bis zu 1.000 Wohnungen zu kaufen", sagt Geschäftsführer Jan Horvath.

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