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Dynamo siegt gegen Aue dank Kampf und Moral

Die Dresdner liegen im Sachsenderby früh zurück, zeigen aber eine starke Reaktion und drehen das Spiel zum 2:1. Die erste Analyse - und die Stimmen der Trainer.

Dynamos Spieler bejubeln das Tor zum 2:1 - es ist der Siegtreffer im Sachsenderby gegen Aue.
Dynamos Spieler bejubeln das Tor zum 2:1 - es ist der Siegtreffer im Sachsenderby gegen Aue. ©  dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden hat einen neuen Fußballgott. Als Patrick Schmidt am Sonntagnachmittag im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue zum zweiten Mal trifft, heben ihn die Dynamo-Fans sozusagen in den Himmel. Der 26 Jahre alte Stürmer, in der Winterpause und bis zum Sommer ausgeliehen vom Liga-Konkurrenten Heidenheim, hat mit seinen Toren den 2:1-Sieg der Schwarz-Gelben vor 30.753 Zuschauern im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion besiegelt. Er ist jedoch das Ergebnis einer starken Mannschaftsleistung, die geprägt ist von Kampf, Moral und Emotionalität. 

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(Lesen Sie hier das ganze Spiel in unserem Liveticker nach. (SZ+))

Wie kam der Sieg im Derby zustande?

Mit dem Ausgleich kurz vor der Pause beginnt die Partie de facto von vorn. Niklas Kreuzer kommt für Linus Wahlqvist und führt sich mit einer guten Flanke ein: Simon Makienok versucht’s mit der Hacke, aber Aue-Torwart Martin Männel lässt sich nicht überraschen (52.), was auf der Tribüne auch der zu Schalke abgewanderte Ex-Dynamo-Keeper Markus Schubert sieht. Dynamo hat nicht nur mehr vom Spiel, sondern auch die besseren Chancen.

Godsway Donyoh macht beim Abschluss eigentlich alles richtig, aber Männel reagiert stark (57.). Und kurz darauf noch stärker, aber diesmal muss Donyoh eigentlich treffen. Wenn es sie gibt, die hundertprozentige Möglichkeit, war die bei 98 Prozent.

Egal, warum einfach, es geht doch auch schöner. Schmidt bewirbt sich mit seinem Fallrückzieher schon mal fürs Tor des Jahres. Nach 59 Minuten führt Dynamo 2:1 und das ist längst verdient. Mit der Stimmgewalt von den Rängen im Rücken und verteidigen die Dresdner den knappen Vorsprung. Aues Rizzuto fliegt in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz.

Das sagen die Trainer - die Stimmen nach dem Derby:

Markus Kauczinski, Dynamo Dresden: "Ich glaube, dass wir unter dem Strich verdient gewonnen haben. Dass uns Aue am Anfang ein paar Probleme gemacht hat, wir nicht den Zugriff hatten - das kann passieren. Aber wir haben danach wiederholt Comeback-Qualitäten gezeigt. Wir hatten zuletzt einige Nackenschläge zu verkraften, sind aber immer wieder zurückgekommen. Das ist es, was man in dieser Situation braucht. Wir haben schon in der ersten Halbzeit nicht nur das Tor gemacht, vorher hatte Simon (Makienok/d. Red) schon die Chance, als er vier Meter vor dem Tor zum Abschluss kommt, aber Männel (Aue-Torwart Martin Männel/d. Red.) zum ersten Mal stark reagiert. Das hat er noch zwei-, dreimal getan. Der Lattentreffer - das Tor vor der Halbzeit wäre natürlich optimal gewesen, aber auch danach hatten wir weitere Möglichkeiten, sind immer wieder gefährlich geworden. Dann haben wir den schwersten aller Bälle, nachdem wir vorher vier, fünf leichtere Möglichkeiten hatten, verwertet durch Patrick Schmidt. Das hat er überragend gemacht. Ich freue mich für die Mannschaft, aber auch für das Umfeld, den Tag und diesen Moment genießen zu können. Das tun wir auch, aber ab morgen geht es schon weiter mit der Vorbereitung auf das Spiel in Hannover. Wir haben noch etwas vor."

Dirk Schuster, Erzgebirge Aue: "Wir haben ein sehr, intensives, kampfbetontes Spiel gesehen. Wir wussten, dass Dynamo - wenn man sie lässt - einen guten Kombinationsfußball spielt mit wenig Kontakten und vielen Doppelpässen. Dem wollten wir einen Riegel vorschieben und sie zu langen Schlägen und Fehlpässen zwingen. Das ist uns am Anfang gut gelungen, wir sind in Führung gegangen. Dann haben wir in der eigenen Vorwärtsbewegung zu hektisch und unruhig agiert, Dynamo ein bisschen aufgebaut. Dresden hatte die besseren Großchancen. Wir müssen nach dem Eckball das 1:2 bekommen, sind glücklicherweise mit dem 1:1 in die Pause gegangen. Nach dem Rückstand haben wir noch mal alles versucht, aber es nicht geschafft, den Ball aus kurzer Distanz über die Linie zu drücken. In der Schlussminute war es ein etwas hitziges Derby, was mit einer sehr guten Stimmung versehen war und in dem so ziemlich alles vorhanden war, was man zu einem gelungenen Fußballnachmittag braucht - außer aus unserer Sicht das Ergebnis."

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Wie reagierte Dynamo auf den frühen Rückstand?

Wütend. Schließlich gibt Schiedsrichter Manuel Gräfe den Treffer von Jan Hochscheidt zunächst nicht. Doch die Abseitsentscheidung, die er mit seinem Assistenten getroffen hatte, wird per Videobeweis überprüft. Anderthalb Minuten später jubeln die Gäste, Linus Wahlqvist hatte das Abseits aufgehoben. Zentimeterentscheidung. Für einen solchen Rückschlag erwartet Trainer Markus Kauczinski von seiner Mannschaft eine klare Reaktion: „Weitermachen und wieder in den Kampf kommen. Wir dürfen uns nicht verunsichern lassen.“

Genauso setzen sie es um und Aue unter Druck. Makienok hat nach Eingabe von Godsway Donyoh die erste Chance, Männel hält reflexartig (10.). Makienok kommt zum Schuss – verfehlt das Ziel aber klar (11.). Bei einem Konter verunglückt Donyoh die Eingabe (17.). Danach beruhigt sich das Spiel etwas, gibt es viele Zweikämpfe vor allem im Mittelfeld.

Doch kurz vor der Pause spielt Dzenis Burnic einen langen Ball auf Donyoh – und diesmal sitzt der Konter, weil der Ghanaer die Flanke bringt und Patrick Schmidt vollendet. Der Ausgleich (44.). Und beinahe die Führung. Wieder Konter über den schnellen Donyoh, nach seiner Eingabe spitzelt Makienok den Ball aufs Tor – Männel mit dem Fuß zur Ecke. Danach kracht’s: Makienok trifft per Kopf die Unterlatte. Pech. Pause. Durchatmen.

Wie hat der Trainer die Mannschaft auf- und eingestellt?

Den einzigen Wechsel in der Startelf hatte Kauczinski quasi bereits eine Woche zuvor in Regensburg vorgenommen: Ondrej Petrak kommt zur zweiten Halbzeit für René Klingenburg, der im Spielaufbau einige Ballverluste hatte. Danach gewann Dynamo mit 2:1 – und ein erfolgreiches Team sollte man sowieso nicht verändern. „Die Jungs haben es dort gut gemacht. Diese Energie wollen wir mitnehmen und nutzen“, erklärte der Chefcoach bei Sky. Zudem fehlte Klingenburg ohnehin wegen eines Infekts.

Von einem Spiel auf Augenhöhe hatten beide Trainer vorher gesprochen. „Wir wissen, wo es krachen wird. Da sind wir in der Pflicht, dagegenzuhalten in diesen individuellen Duellen“, meinte Kauczinski, bremste allerdings die Erwartungen an ein spektakuläres Derby: „Ich glaube nicht, dass es 90 Minuten rauf und runter gehen kann, es wird für uns genau wie für Aue wichtig sein, die Balance zu finden.“ Doch dieses Derby braucht keine Phase des Abtastens, die Emotionen sind sofort drin. Diesbezüglich sollte Kauczinski recht behalten. „Es wird ein Kampf um jeden Zentimeter“, hatte er angekündigt.

Was bedeutet das Ergebnis nun für den Abstiegskampf?

Es ist tatsächlich ein Befreiungsschlag, auch wenn Dynamo zunächst weiter auf dem letzten Tabellenplatz bleibt. Doch nach Punkten haben die Dresdner mit dem Karlsruher SC gleichgezogen, zu Wiesbaden auf dem Relegationsrang ist es nur ein Zähler. Das ist das Nahziel, aber auch der direkte Klassenerhalt wieder in Reichweite. Vier Punkte fehlen, um über den ominösen Strich zu springen. Die Hoffnung lebt – durch das Ergebnis, vor allem aber wegen des selbstbewussten, kampfstarken Auftritts im Derby.

Wie sind die Proteste der Fans nach Anpfiff zu erklären?

Die Dynamo-Fans im K-Block zeigen zu Beginn auf Transparenten, was sie vom Deutschen Fußball-Bund und seinen Entscheidungen halten, zeigen – mal wieder – das durchgestrichene Logo des Verbandes.

Ihre Wut richtet sich nicht nur gegen den Videoassistenten, nachdem der Protest zum 2:3 gegen Darmstadt Anfang der Woche abgeschmettert worden war. Es geht vor allem um die Kollektivstrafen. Auslöser: Dortmund-Fans dürfen wegen ihrer wiederholten Anfeindungen gegen Mäzen Dietmar Hopp drei Saisons nicht zu den Spielen des BVB in Hoffenheim. Weil der DFB jedoch zugesichert hatte, auf solche Ausschlüsse zu verzichten, plakatierten die Dynamo-Ultras nun unter anderem: „Let`s Dance Sieger der Kategorie 2 Schritte vor... 2 Schritte zurück: Fritz Keller und das DFB-Vorstandsballett.“

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Außer einer üblen Beschimpfung gegen Ex-Nationalspieler Mario Basler, der die Macht der Ultras kritisiert hatte, fielen die Sprüche unter Meinungsäußerungen, sodass der gelassene und souveräne Schiedsrichter Gräfe keinen Grund sah, die Partie zu unterbrechen.

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