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Fiel wird 40 - was Minge jetzt über sein Trainer-Projekt sagt

Seit seinen Aus bei Dynamo hat sich der ehemalige Chefcoach nicht mehr geäußert, auch jetzt gibt er kein Interview. Dafür ordnet der Sportchef seine Leistung ein.

Cristian Fiel feiert heute seinen 40. Geburtstag. Und Ralf Minge blickt auf dessen Zeit als Cheftrainer von Dynamo.
Cristian Fiel feiert heute seinen 40. Geburtstag. Und Ralf Minge blickt auf dessen Zeit als Cheftrainer von Dynamo. © Ronald Bonß

Dresden. Wie er seinen 40. Geburtstag am heutigen Donnerstag feiert, was er für seine Zukunft plant und überhaupt, wie es ihm geht, gut drei Monate nach seiner Entlassung bei Dynamo Dresden - das wird in diesem Text nicht stehen. Cristian Fiel gibt derzeit keine Interviews. Er ist nicht etwa abgetaucht, sondern als Zuschauer dabei, wenn sein Sohn Fußball steht. Warum sollte er sich auch verstecken? Was hätte er sich vorzuwerfen?

Seine erste Aufgabe als Cheftrainer hat er aus Verantwortung für den Verein übernommen, den er als Spieler ins Herz geschlossen hat - direkt nach der bestandenen Prüfung zum Fußball-Lehrer. Als Dynamo im Februar 2018 nicht nur sportlich in einer tiefen Krise steckte, sondern vor allem die Stimmung im Keller war, hat er mit seiner Energie und Leidenschaft den Umschwung und letztlich den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft. Ein beachtlicher Erfolg, erst recht für einen Berufseinsteiger.

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Auch deshalb hatte Fiel bis zum Schluss die Verantwortlichen, die Fans und - das ist das Außergewöhnliche - die Mannschaft hinter sich. Sein Konzept ist letztlich jedoch nicht aufgegangen, das muss  er sich selbst eingestehen, in der Selbstanalyse seine Fehler erkennen. Früher, als sein Karriereende als Profi näher rückte, hat er über Alternativen zum Fußball nachgedacht, von einem Café oder einer Boutique war die Rede. Doch diese Pläne hat er beiseite geschoben, weil ihn das Spiel nicht loslässt.

Deshalb erscheint es unwahrscheinlich, dass er jetzt einen anderen Weg einschlägt. Sein Vertrag bei Dynamo gilt offiziell bis 30. Juni 2021. Die Frage, ob Fiel nach wie vor Angestellter des Vereins ist, lässt Ralf Minge unbeantwortet. Direkt nach der Trennung hatte der Sportgeschäftsführer von Regelungen in den modernen Verträgen gesprochen, die automatisch greifen. Die Abfindungsmodalitäten sind demnach vor der Unterschrift geregelt. 

Sportgeschäftsführer Ralf Minge hat Cristian Fiel als Trainer-Projekt für Dynamo aufgebaut und ihn im Februar 2019 zum Chefcoach befördert. Doch nach dem ersten Erfolg mit dem Klassenerhalt hat es in dieser Saison nicht mehr funktioniert.
Sportgeschäftsführer Ralf Minge hat Cristian Fiel als Trainer-Projekt für Dynamo aufgebaut und ihn im Februar 2019 zum Chefcoach befördert. Doch nach dem ersten Erfolg mit dem Klassenerhalt hat es in dieser Saison nicht mehr funktioniert. © Ronald Bonß

Was Minge jetzt über sein Trainer-Projekt Cristian Fiel und dessen Zukunft denkt, hat er auf Anfrage der SZ schriftlich erklärt.

Herr Minge, ist es für Sie denkbar, dass Cristian Fiel im Nachwuchs wieder bei Dynamo eingebunden wird - zum Beispiel auf der derzeit interimsmäßig besetzten Stelle des A-Jugend-Cheftrainers?

Ich hatte und habe eine besondere Beziehung zu ihm, die weiter absolut intakt ist. Für Cristian Fiel steht bei Dynamo Dresden immer eine Tür offen. ‚Fielo‘ hat hier in den vergangenen zehn Jahren in unterschiedlichen Funktionen einiges für den Verein geleistet. Er wird immer ein Teil der Dynamo-Familie bleiben, egal, wohin ihn sein beruflicher Weg in Zukunft auch führen wird.

Nach seinem letzten Spiel für Dynamo geht Cristian Fiel mit seiner Frau Diana über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion, bedankt sich emotional bei den Fans, die ihn als einen "Fußballgott" verehren. Er lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Dresden
Nach seinem letzten Spiel für Dynamo geht Cristian Fiel mit seiner Frau Diana über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion, bedankt sich emotional bei den Fans, die ihn als einen "Fußballgott" verehren. Er lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Dresden © Robert Michael

Das heißt, Sie sehen ihn eher als Cheftrainer bei einem anderen Verein?

Cristian ist eines der großen Trainertalente in Deutschland und besitzt alle Eigenschaften, um in diesem Beruf erfolgreich arbeiten zu können. Der Klassenerhalt 2019 war sein Verdienst, weil er die Mannschaft damals in einer unglaublich schwierigen Situation übernommen hat. Auch durch seine Leidenschaft ist im Frühjahr des vergangenen Jahres neues Leben in eine Mannschaft gekommen, die physisch und psychisch am Boden lag.

Wie bewerten Sie im Rückblick aus persönlicher Sicht Ihr Trainer-Projekt Cristian Fiel und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für sich daraus?

Wir alle hätten uns gewünscht, dass es direkt bei seiner ersten Station im Profi-Fußball über viele Jahre gut funktioniert. Aber für Erfolg und Siege gibt es in diesem Geschäft eben kein Ersatz. Unser gemeinsamer Plan ist am Ende nicht so aufgegangen, wie wir es uns gewünscht haben. Aber nicht alles im Leben kann so verlaufen, wie man es sich erhofft.

Zum Ende war auch er ratlos. Nach der 1:2-Niederlage zu Hause gegen Holstein Kiel hat sich Dynamo am 2. Dezember 2019 von Cristian Fiel als Cheftrainer getrennt.
Zum Ende war auch er ratlos. Nach der 1:2-Niederlage zu Hause gegen Holstein Kiel hat sich Dynamo am 2. Dezember 2019 von Cristian Fiel als Cheftrainer getrennt. ©  dpa/Robert Michael

Wurde Cristian Fiel zu früh die Verantwortung für die Zweitliga-Mannschaft übertragen, wurde er also „verheizt“?

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Erfolg, Anerkennung und die Achtung der Öffentlichkeit sind im Fußball ein süßes Gift, weil all das ganz schnell vergänglich ist. Wer im Profigeschäft Fußball arbeitet, steht nicht immer im Sonnenschein des Lebens. Rückschläge, Niederlagen und Scheitern gehören insbesondere in unserem Sport immer auch dazu. Ohne diese schmerzvollen Erfahrungen würde sich niemand von uns im Leben weiterentwickeln können. Ich selbst bin in meiner Laufbahn oft gescheitert und habe in den meisten Fällen daraus etwas gelernt und für mich mitgenommen. Das wird auch bei Cristian nicht anders sein. Er wird seinen Weg gehen und als Trainer erfolgreich arbeiten. Davon bin ich absolut überzeugt.

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