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Einspruch abgelehnt - Gericht entscheidet gegen Dynamo

Der aberkannte Treffer durch den Videobeweis ist korrekt, sagt der Richter - obwohl der Schiedsrichter einen Fehler gesteht. Wie reagiert jetzt Dynamo?

In der Zweitligapartie Dynamo gegen Darmstadt hatte Dresdens Stürmer Patrick Schmidt zum 3:3 für getroffen, doch der Schiedsrichter gab das Tor nicht, sondern entschied nach Ansicht der Zeitlupe auf Abseits.
In der Zweitligapartie Dynamo gegen Darmstadt hatte Dresdens Stürmer Patrick Schmidt zum 3:3 für getroffen, doch der Schiedsrichter gab das Tor nicht, sondern entschied nach Ansicht der Zeitlupe auf Abseits. ©  dpa/Robert Michael

Frankfurt/Main. Das Ergebnis der Zweitliga-Partie von Dynamo Dresden gegen den SV Darmstadt 98 bleibt bestehen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat am Montagnachmittag in Frankfurt/Main den Einspruch gegen die Wertung der 2:3-Niederlage zurückgewiesen - obwohl Schiedsrichter Michael Bacher eine Fehlentscheidung einräumte. Dynamo hatte nach der Partie am 7. Februar argumentiert, dass der Videoschiedsrichter beim nicht gegebenen Tor zum 3:3 unberechtigterweise eingegriffen habe.

„Die Entscheidung in Frankfurt hat uns nicht überrascht, weil wir mit der Argumentation des Sportgerichtes rechnen mussten", erklärte Dynamos Sportchef Ralf Minge danach in einer ersten Stellungnahme des Vereins. Als Geschäftsführer sei er grundsätzlich dazu verpflichtet, Schaden von Dynamo fernzuhalten. "Daher mussten wir diesen Vorgang rund um das Eingreifen des ‚Video Assistant Referees‘ auch im Sinne des Fußballs vom DFB-Sportgericht überprüfen lassen, weil er unserer Meinung nach nicht hätte eingreifen dürfen, da zu keinem Zeitpunkt eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorlag."

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Aus einer richtigen Entscheidung, hatte Minge im Vorfeld mehrfach gesagt, sei vielmehr eine falsche gemacht worden. Und zwar, als  Dynamos Stürmer Patrick Schmidt gegen Darmstadt in der 72. Minute den vermeintlichen Ausgleich erzielte, das Tor danach aber nach Intervention des Video-Assistenten Florian Badstübner von Schiedsrichter Bacher wegen Abseits wieder aberkannt wurde. 

Der 29 Jahre alte Unparteiische hatte im Gegensatz zum Video-Assistenten  nicht gesehen, dass Jannis Nikolaou in abseitsverdächtiger Position stand. Er schaute sich auf dem Kontrollschirm die Szene noch einmal an, entschied auf Abseits, nahm das Tor zurück - lag damit nach eigener Aussage aber daneben. "Im Nachhinein muss ich anerkennen, dass es die bessere Entscheidung gewesen wäre, das Tor anzuerkennen", räumte er nach der umstrittenen Abseitsentscheidung ein. Denn Nikolaou hatte mit der Szene, die letztlich zum Treffer führte, nicht direkt zu tun.

Gericht: Video-Schiedsrichter handelte korrekt

In der mündlichen Verhandlung bestätigte das Gericht unter Vorsitz von Hans E. Lorenz das Urteil aus der Einzelrichter-Entscheidung. Es berief sich ebenso wie der DFB-Kontrollausschuss auf die Tatsachenentscheidung des Referees und sah auch keinen Regelverstoß durch das Eingreifen des Video-Schiedsrichters in Köln.

„Wir finden es aus Gründen der Transparenz und des partnerschaftlichen Miteinanders im Fußball sehr bedauerlich, dass der Deutsche Fußball-Bund uns keine Möglichkeit eingeräumt hat, den Funkverkehr zwischen dem Schiedsrichter-Team und dem Videoschiedsrichter in Köln abzuhören. Schiedsrichter Michael Bacher hat seine Entscheidung, die zur Aberkennung des vermeintlichen Ausgleichtreffers geführt hat, vor Gericht ausdrücklich bedauert. Diese Aussage stärkt im Nachhinein nochmals den Grund unserer Einspruchseinlegung vor dem DFB-Sportgericht“, erklärte Rechtsanwalt Christian Quirling, der Dynamo neben Minge vor dem Gericht vertrat und im Vorfeld im Gespräch mit Sächsische.de betont hatte: "Die Verantwortlichen und ich sind nicht blauäugig. Wir kennen die bisherigen Entscheidungen, die waren abschlägig."

Auch Dynamos Cheftrainer begrüßte den Einspruch vor Gericht. "Ich finde es wichtig, dass man drüber spricht und die Mittel ausschöpft", sagte Markus Kauczinski, auch wenn er nicht an einen Erfolg glaubte - und damit nun Recht behielt. Das Ergebnis hat weiter Bestand, die Partie gegen Darmstadt bleibt mit 2:3 verloren.

Das Sportgericht bestätigte damit erneut eine Entscheidung, die auf einem Videobeweis beruhte. Im Dezember war Dynamos Liga-Konkurrent SV Wehen Wiesbaden mit seinem Einspruch gegen die Niederlage in Dresden vor dem DFB-Sportgericht gescheitert.

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Dynamos Berufungsfrist beträgt nun sieben Tage, um gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Die nächste Instanz ist das DFB-Bundesgericht Berufung. Eine Entscheidung über das weitere juristische Vorgehen, so erklärte es der Verein in seiner Pressemitteilung,  werden die Verantwortliche in den kommenden Tagen treffen, wenn der neuerliche interne Abwägungsprozess abgeschlossen ist. Das erinnert an das Spiel selbst, als Minge zunächst einen Protest ausschloss - um nach interner Rücksprache dann doch anders zu entscheiden. (dpa, SZ)

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