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Wie geht es mit Dresdens E-Rollern weiter?

Ein Jahr gibt es die sogenannten E-Scooter jetzt schon in der Stadt. Eine Bilanz zu Strecken, Trunkenheitsfahrten und Vandalismus.

Etwa 700.000 Kilometer haben Dresdner und Besucher der Stadt bisher auf solchen Rollern zurückgelegt, sagt Lime.
Etwa 700.000 Kilometer haben Dresdner und Besucher der Stadt bisher auf solchen Rollern zurückgelegt, sagt Lime. © Sven Ellger

Dresden. Der Fall von Denni M. hat Schlagzeilen gemacht. Als erster Rollerfahrer stand er in Dresden vor Gericht, weil er betrunken mit einem Elektroscooter gefahren war. Gut 1,3 Promille hatte er intus, als ihn die Polizei am 24. August 2019 auf dem Heimweg von der Neustadt nach Striesen erwischte. Denni M. bekam einen Strafbefehl über 1.050 Euro und sieben Monate Fahrerlaubnisentzug.

Als Denni M. erwischt wurde, war Dresden gerade mal seit knapp zwei Monaten E-Roller-Stadt. Im Juni 2019 ist Lime gestartet, später kam die Firma Tier dazu. Der damals 29-jährige Informatiker war wie die meisten Dresdner ein Roller-Anfänger, als er betrunken erwischt wurde. Er wollte sich den Strafbefehl nicht gefallen lassen, legte Einspruch ein und begründete seine Alkoholfahrt mit Unwissenheit. Im Dezember wurde sein Einspruch verhandelt. Am Ende blieb es bei der Strafe.

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Zu dieser Zeit war Denni M. schon längst kein Einzeltäter mehr. Die Zahl der Alkoholfahrten hatte sich in Dresden seit August bis dahin verdoppelt. Die betroffenen Alkoholsünder fühlten sich im Vergleich zu Radlern ungleich behandelt. Nach Angaben von Verteidigern schwankten die Führerscheinmaßnahmen zwischen Fahrverboten von drei Monaten bis hin zu mehr als sechsmonatigem Einzug der Fahrerlaubnis, wie es bei Kraftfahrern üblich ist, die mit mehr als 1,1 Promille erwischt wurden.

Im Januar teilte das Rathaus auf Anfrage von Stadträtin Caroline Lentz (Linke) mit, bis dahin seien 225 Ordnungswidrigkeiten mit "Elektro-Kleinstfahrzeugen" registriert worden. Damit sind die Roller gemeint. Dazu gehört, dass 14-mal mehrere Personen auf einem Roller erwischt wurden. 158 Mal hatten Scooter-Piloten zuvor getrunken oder Drogen zu sich genommen.

Inzwischen ist etwas Ruhe eingekehrt. Ein Jahr nach dem Start von Lime gibt es aktuell keine neue Untersuchung, wie die Roller in Dresden ankommen und welche Probleme es damit gibt. Zwar hatte die Stadt eine solche Untersuchung geplant, sie musste wegen Corona aber verschoben werden. Laut Lime-Deutschland-Chef Jashar Seyfi haben Dresdner Roller-Fahrer inzwischen knapp 700.000 Kilometer mit den grün-weißen Lime-Rollern zurückgelegt. Das entspreche 17,5 Fahrten um die Erde, rechnet er vor. 

Wie viele Roller das Unternehmen aktuell in Dresden aufgestellt hat, will er "aus Wettbewerbsgründen" nicht sagen. Mittlerweile sei Lime aber in der Innenstadt und der sogenannten Kernstadt an der Obergrenze angekommen. Die hat die Stadtverwaltung in einer "Kooperationsvereinbarung" mit der Firma festgelegt. Demnach dürfen in der Innenstadt, die laut Rathaus-Definition vom Hauptbahnhof bis zur Neustadt reicht, 300 Lime-Roller stehen. In der Kernstadt, die bis nach Plauen und Pieschen reicht und zu der auch die Johannstadt und der Große Garten gehören, dürfen weitere 700 Roller pro Anbieter stehen. "In der Innenstadt ist die Nachfrage so groß, dass wir uns dort eine Verdopplung der Obergrenze wünschen", sagt Seyfi.

Vandalismus bleibt ein Problem

Die Stadt macht derzeit aber keine Anstalten, das zuzulassen. "Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Lime ist konstruktiv und erfolgt im Rahmen der Kooperationsvereinbarung", teilt das Rathaus mit. Zu dieser Vereinbarung gehören auch die maximalen Rollerzahlen.

Ebenso ein Thema seit Anfang an: Vandalismus. Roller werden umgeworfen, an ungewöhnliche Standorte umgeparkt oder beschädigt. "Erst kürzlich wurden Personen beim Diebstahl von Batterien geschnappt", berichtet Jashar Seyfi. Sachbeschädigungen und Vandalismus träfen vor allem diejenigen, "die sich tagtäglich auf E-Scooter verlassen, um in der aktuellen Situation sicher, flexibel und an der frischen Luft unterwegs zu sein". Statistikzahlen zu Sachbeschädigungen oder Diebstahl von Rollern in Dresden nennt er nicht. Bei jeder Gelegenheit betont Seyfi aber, das Thema Sachbeschädigung werde sehr ernst genommen und jeder Fall angezeigt. "Generell gehen die Dresdner aber sehr sorgsam mit den E-Scootern um."

Solche Bilder sieht man in Dresden immer wieder. Hier haben Unbekannte einen Lime-Roller auf einer Telefonzelle an der Königsbrücker Straße abgestellt.
Solche Bilder sieht man in Dresden immer wieder. Hier haben Unbekannte einen Lime-Roller auf einer Telefonzelle an der Königsbrücker Straße abgestellt. © Archiv/Christoph Springer

Der Deutschland-Chef des US-Rollervermieters lobt nicht nur die Dresdner. Auch der Stadtverwaltung stellt er ein gutes Zeugnis aus. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt Dresden ist sehr gut und die Beschwerdelage ist sehr gering", stellt er fest. Wie gering die "Beschwerdelage" tatsächlich ist, wird die geplante städtische Untersuchung zeigen. 

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Einen Wunsch hat Jashar Seyfi zum Schluss aber noch. "Die von der Stadt eingerichtete Ausbringungszone am Goldenen Reiter/Neustädter Markt ist ein voller Erfolg", stellt er fest. Lime wünsche sich mehr solche Abstellflächen für die Roller. Das würde für ein "aufgeräumteres Stadtbild sorgen", ist Seyfi überzeugt. Dass es auch Menschen gibt, die die Rollerparkplätze und insbesondere nach Fahrten irgendwo geparkte Scooter als Verschandelung des Stadtbildes handeln, weiß Seyfi. Er sagt es nicht, aber das ist auch nicht seine Aufgabe.

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