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So rollert es sich wirklich durch Dresden

Der Anbieter Lime verleiht in Dresden die ersten 200 E-Scooter. Nicht überall ist die Fahrt ein Vergnügen, wie unsere Tests und ein Video zeigen.

Die SZ-Redakteure Julia Vollmer und Sandro Rahrisch testen die neuen E-Roller von Lime. Start ist am Hauptbahnhof.
Die SZ-Redakteure Julia Vollmer und Sandro Rahrisch testen die neuen E-Roller von Lime. Start ist am Hauptbahnhof. © Sven Ellger

Der Härtetest: Mit dem Roller die Bergstraße hinauf

Von Julia Vollmer

Unser Startpunkt an diesem Morgen ist der Hauptbahnhof. Einmal umschauen und schon finden wir zwei Roller. Also Handy aus der Tasche ziehen und die Lime-App herunterladen. Zügig leuchtet die Limette, das Logo des Verleihers, auf meinem Display. Ich hinterlege ein Zahlungsmittel, Paypal und Kreditkarte stehen zur Wahl, und lade 20 Euro auf. Jetzt kann es losgehen, mit Helm natürlich.

Kaum drücke ich auf den Gasknopf, startet der E-Roller durch. Das habe ich so nicht erwartet, und beinahe wäre ich gegen eine Laterne geprallt. Doch nach dem ersten Versuch weiß ich, was mich erwartet. Mein Ziel jetzt: Ich will schauen, wie sich der Roller am Berg schlägt. Wird er es schaffen, mich die steile Bergstraße hinauf zu chauffieren?

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Schnell wird mir klar, dass man auf den Fahrzeugen jeden Stein merkt, der im Weg liegt. Auf dem holprigen Pflaster rattert es so stark, dass meine Zähne beinahe aufeinanderschlagen. Und eine Frage, die ich vorher oft gestellt bekommen habe, löst sich von selbst. Wohin soll ich eigentlich meine Tasche packen, wenn ich fahre? Umhängen stellt sich als die einzige Option heraus, wie mir schnell klar wird. Am Lenker baumelt sie zu doll hin und her, und über der Schulter stört sie nur.

Jetzt liegt sie vor mir, die Bergstraße. Der „Aufstieg“ kann beginnen. Aus voller Fahrt heraus ist das für den Lime-Roller kein Problem. Zwar ist er nicht mehr ganz so schnell und flüssig unterwegs wie auf gerader Strecke, aber den Weg heraus aus dem Elbtal meistert der Scooter ohne zu stocken oder gar zu kapitulieren. Dafür fällt mir der Start schwer, als ich in halber Höhe des Berges aus dem Stand anfahren will, nachdem ich an der Ampel gewartet habe. Beim Antreten komme ich ganz schön ins Schwitzen, und auch der Roller kommt nur schwer in die Gänge.

Die Jacke, die ich mir an diesem kühlen Morgen angezogen habe, kann ich jetzt getrost ausziehen – aber wohin damit? Ein Körbchen, wie am Fahrrad, wäre jetzt praktisch. Soll ich sie über den Lenker hängen? Dort hält sie nicht lange. Also hilft es nur, sie in die große Tasche zu stopfen. Oben an der Nöthnitzer Straße angekommen, stelle ich den Roller ab. Das Abmelden funktioniert über die App reibungslos. Nur der Preis für eine Stunde Fahren ist nicht ohne. 14,90 Euro muss ich zahlen, wird mir angezeigt. 

Der Altstadt-Test: Verbotene Straßen und Pflastersteine

Von Sandro Rahrisch

Der direkte Weg ist verboten. Vom Hauptbahnhof will ich an diesem Morgen zum Haus der Presse fahren. Was würde sich da mehr anbieten, als über die Prager Straße zu düsen? Doch wenn es um Fußgängerzonen geht, wird mein grüner E-Scooter wie ein Auto behandelt. Zu suchen hat er dort nichts, sofern es ein Schild nicht ausdrücklich erlaubt. Und tatsächlich ist die Einkaufsmeile nur für Fahrräder freigegeben. Das sollte man wissen, bevor man aufsteigt. Ich suche deshalb eine „Umleitung“.

Am Kugelhaus vorbei soll es über die Reitbahnstraße vor zur Centrum-Galerie und über die Wallstraße weiter zum Postplatz gehen. Aber Vorsicht an alle, die noch nie auf einem Elektroroller standen. Zwar muss ich ein, zwei Mal antreten, bevor der Scooter elektrisch weiterfährt. Allerdings bin ich einigermaßen überrascht, wie sachte ich den „Gas“-Knopf nach unten drücken muss, um keinen Schnellstart hinzulegen, der mich wiederum hinlegt. Aber dafür bekomme ich relativ schnell das richtige Gefühl.

Meine erste Piste ist die Radspur an der Reitbahnstraße, die ich ganz für mich allein habe. Auf fast 20 Kilometer pro Stunde beschleunige ich – mehr ist nicht erlaubt, mehr will mir der Roller auch nicht geben. Mit nur ein, zwei Metern Abstand fahren Lkw und Autos an mir vorbei. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich nur wenige Zentimeter über dem Asphalt stehe. So richtig sicher fühle ich mich dabei jedoch nicht.

Um Lkw muss ich mir auf dem Fuß- und Radweg an der Wallstraße zwar keine Sorgen machen. Dafür stellt sich das Kopfsteinpflaster als eine echte Herausforderung dar. Nicht nur das Schutzblech meines E-Scooters klappert, auch mein Kinn. Länger als eine Minute halte ich das Geholper nicht aus und mache erst einmal eine kurze Pause. Bessere Stoßdämpfer würden dem Roller definitiv guttun.

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Umso entspannter ist die Fahrt auf dem glatten Asphalt der Ostra-Allee. Beeindruckt bin ich von der Akkuleistung. Als ich den E-Scooter vorm Haus der Presse über die App abmelde, hat die Batterie lediglich ein Prozent eingebüßt. Auch der Preis überrascht mich: Ein Euro Entsperrgebühr und 20 Cent pro Fahrminute klingen nicht viel. Am Ende zahle ich für etwa eineinhalb Stunden Fahrt jedoch 19 Euro.

Fazit: Kein günstiger Spaß

Der Fahrkomfort: Die Lime-Roller sind leicht zu bedienen, robust und bringen einen zügig von A nach B. Super. Mit dem „Gas“-Knopf sollte man vor allem am Anfang vorsichtig umgehen, um ein Gefühl zu bekommen, wie stark der Roller beschleunigt. Die Handbremse am Lenker ließ sich im Test etwas schwer ziehen. Die Bremsleistung war allerdings völlig in Ordnung. Bequem ließen sich die Roller auf ebenem Untergrund fahren. Auf Pflastersteinen zu fahren, ist ein Erlebnis, für die Gelenke auf Dauer aber sicherlich nicht zu empfehlen. 

Die Sicherheit: An den Leihrollern von Lime ist alles dran, was der Gesetzgeber fordert – Licht, Reflektoren, Klingel. Eine Helmpflicht besteht zwar nicht. Aber wie auch beim Fahrradfahren empfiehlt es sich, einen aufzusetzen. Auf Radschutzstreifen fahren Autos und Laster dicht an einem vorbei und auf gemeinsamen Rad- und Gehwegen muss man immer damit rechnen, abrupt bremsen oder ausweichen zu müssen. Sicher ist sicher!

Die Akku-Ausdauer: Bereits vor der Fahrt zeigt die Lime-App an, wie stark der Akku geladen ist, und wie viele Kilometer man damit noch fahren kann. Im eineinhalbstündigen Test im Dresdner Zentrum verlor der Akku nur ein Prozent seiner Ladung.

Der Preis: Günstiger als mit dem Fahrrad kann man nicht unterwegs sein. Aber auch Bus und Bahn haben die Nase vorm E-Scooter, wenn es um den Preis geht. Schon ab einer Fahrzeit von sieben Minuten ist der Roller genauso teuer wie ein Stundenticket der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Der Support: Der Roller-Test klappte mit zwei verschiedenen Samsung-Handys nicht auf Anhieb, da die App die Scooter nicht entsperrte. Der Support, den man per E-Mail erreicht, gab den Tipp, das Handy aus- und wieder anzuschalten, die App zu löschen und anschließend wieder zu installieren. Auch das funktionierte trotz mehrmaliger Versuche nicht. Eine Woche später trat das Problem plötzlich nicht mehr auf. Woran es lag, konnten wir auch mithilfe des Supports nicht herausfinden. (SZ/sr)

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