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Ein Leben für das Eishockey

Der Dresdner Lars Stohmann besucht Spiele in der ganzen Welt. Bei den Eislöwen ist er Fanbeauftragter und Schatzmeister im Präsidium. Ein Porträt.

Lars Stohmann freut sich schon auf das Ende der Sommerpause. 2.000 Spiele hat der 39-Jährige in 22 Jahren besucht.
Lars Stohmann freut sich schon auf das Ende der Sommerpause. 2.000 Spiele hat der 39-Jährige in 22 Jahren besucht. © Ronald Bonß

Ein Pinguin mit Schlittschuhen und einem Schläger auf dem Basecap von Lars Stohmann sind ein dezenter Hinweis auf seine große Leidenschaft: Eishockey. Der gebürtige Dresdner richtet sein Leben danach aus. Er reist um die ganze Welt, um Spiele zu sehen.

Groundhopping nennt sich dieses Hobby. „Es kommt ursprünglich aus dem Fußball“, sagt der 39-Jährige. „Fans haben damit angefangen, Stadien und Plätze zu sammeln. Ich habe mir gedacht, das kann ich mit Eishockey auch machen.“ 407 Grounds, so die eigentliche Bezeichnung, in 26 Ländern hat Stohmann bereits gesammelt, rund 2.000 Spiele in 22 Jahren besucht.

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Besonders gern reist er in die USA. Denn in der nordamerikanischen Profiliga NHL spielen die besten Profis der Welt. „Bisher war ich viermal in den Staaten, nur wegen der NHL“, berichtet Stohmann. „Ich habe zum Beispiel eine Runde um den Eriesee im Norden der USA gedreht: Detroit, Toronto, Buffalo – alles, was es so an NHL-Mannschaften gab.“

Sein Lieblingsteam sind aber die Pittsburgh Pinguins, deshalb auch das Basecap. „Es fing eigentlich mal mit den New York Rangers an. Dann gab es einen Hype um die Pinguins, die mehrere Jahre hintereinander den Titel gewonnen haben“, erzählt er. Aber auch in Europa hat Stohmann einige Groundhopping-Reisen unternommen. „Man glaubt es kaum, aber auch in Griechenland gibt es eine Eisfläche – zumindest temporär.“

"Fußball ist mir eindeutig zu langsam"

Die Leidenschaft für den Puck-Sport hat bei dem gelernten Kaufmann, der derzeit steuerberatend tätig ist, 1998 begonnen. „Ein Kumpel von mir war nach den Wochenenden immer heiser und hatte manchmal gar keine Stimme mehr“, erzählt er. Schließlich nahm der Freund ihn zu einem Spiel des Eissportclubs (ESC) Dresden mit, die Eislöwen gab es damals noch nicht. „Der Verein war in der fünften Liga unterwegs“, sagt Stohmann, der damals 16 Jahre alt war.

Während sein Freund das Interesse am Eishockey verloren hat, ist Stohmann bis heute treuer Fan der Eislöwen geblieben und hat seitdem drei Aufstiege feiern können. Er schätzt, in den 22 Jahren vielleicht 40 Spiele verpasst zu haben. Was ihn am meisten an diesem Sport begeistert? „Dynamik und Geschwindigkeit“, so seine kurze Antwort. „Fußball ist mir eindeutig zu langsam.“ Aber auch das Fandasein gefalle ihm. „Wir sind eine kleine Familie, nicht so groß wie beispielsweise die bei Dynamo“, vergleicht er. 

Vor sieben Jahren gründeten die Eislöwen-Anhänger einen Fanrat zur besseren Organisation und Koordination. Stohmann ist von Beginn an dabei, wird später zum Fanbeauftragten ernannt – und ist das bis heute. Er organisiert Auswärtsfahrten, bastelt an Choreografien, hält Kontakt zur Geschäftsführung sowie an Spieltagen zu Polizei und Sicherheitsdienst. „Wir sind ein Ansprechpartner in alle Richtungen“, beschreibt er die Arbeit und betont, dass es neben ihm mit Thomas Feige noch einen zweiten Fanbeauftragten gibt.

"Die Play-offs sind die fünfte Jahreszeit"

Seit Anfang Juni ist Stohmann zudem noch Sprecher der Fanbeauftragten der DEL 2. „In der Liga beschäftige ich mich mit den großen, strategischen und politischen Dingen“, sagt er. Aktuelles Beispiel sei die Corona-Pandemie. Als die Liga Anfang März abgebrochen wurde, „war es für die Fans eine Katastrophe. Für uns sind die Play-offs die fünfte Jahreszeit. Urlaub wird genommen, Schichten getauscht. Wir schlafen ein absolutes Minimum“, sagt der Fanbeauftragte, der auch noch als Schatzmeister im Präsidium des Stammvereins ESC sitzt.

Die Seiten hat Stohmann dadurch aber nicht gewechselt. „Wir im Präsidium kümmern uns hauptsächlich um die Nachwuchsarbeit und nicht um Fanbelange. Meine beiden Funktionen überschneiden sich also nicht.“ 

Bis zu 20 Stunden in der Woche bringt er für die Eislöwen und die DEL 2 auf. „Ich arbeite als Freiberufler und bin dadurch mein eigner Chef. Das gibt mir die Möglichkeit, zeitlich flexibel zu sein“, sagt Stohmann. Die Lust habe er über all die Jahre nie verloren. „Es gab sicherlich mal Motivationslöcher, aber darüber habe ich mit vertrauten Personen gesprochen.“

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Auch seine Familie habe sich mittlerweile an das zeitaufwendige Hobby gewöhnt. „Früher war ich ein introvertierter Computer-Nerd. Ich bin fast nie rausgegangen.“ Seine Eltern hätten ihn nach draußen zwingen müssen, „weil ich käseweiß war“. Mittlerweile würden sie ihn gar nicht mehr anders kennen. Eine eigene Familie ist für Stohmann derzeit kein Thema. „Meine Partnerin müsste sehr viel Verständnis für mein Engagement im Eishockey haben“, sagt er. „Das ist meine Leidenschaft.“ Das Basecap mit dem Pinguin zeigt das.

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