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Elaskon in der Corona-Krise

Das Dresdner Traditionsunternehmen lebt vom Export. Warum der noch nicht einbricht und Elaskon trotzdem auf andere Produkte setzt.

Elaskon-Mitarbeiter Lars Hinzer hatte auch in den vergangenen Wochen immer gut zu tun. Noch spürt das Unternehmen keine Auswirkungen der Corona-Krise. Die könnte es aber noch geben.
Elaskon-Mitarbeiter Lars Hinzer hatte auch in den vergangenen Wochen immer gut zu tun. Noch spürt das Unternehmen keine Auswirkungen der Corona-Krise. Die könnte es aber noch geben. © Sven Ellger

Dresden. Die Maschinen in Dresden-Reick stehen nicht still. Auch in den vergangenen Wochen wurden in den Hallen an der Lohrmannstraße ohne Pause Schmierstoffe, Korrosionsschutz und Trennmittel produziert und abgefüllt. "Wir mussten keinen unserer 94 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken", sagt Elaskon-Geschäftsführer Tobias Schwald. 

Kerngeschäft des Dresdner Traditionsbetriebes ist die Herstellung von Drahtseilschmierstoffen, die in 67 Länder weltweit exportiert werden. Weil dort seit Monaten Skilifte und Bergbahnen stillstehen, rechnet Schwald damit, dass geplante Wartungsarbeiten verschoben und neue Seile später bestellt werden. Das würde sich dann auch auf das Geschäft von Elaskon auswirken.

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Noch ist das aber nicht der Fall. Zwar haben die Seilereien in Indien während des Lockdowns ihre Produktion komplett eingestellt. Dafür hatten die Chinesen schon vor dem Stillstand des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auf Vorrat gekauft - auch Produkte von Elaskon. Dadurch verzeichnete das Unternehmen dort sogar ein Absatzplus von 15 Prozent, sagt Schwald. 

Neues Standbein: Reinigungs- und Pflegemittel

Weil derzeit nicht abzusehen ist, wie sich das Geschäft mit den Drahtseilschmierstoffen in diesem Jahr weiter entwickelt, will Schwald zunehmend auf mehrere Standbeine setzen. Auch, um auf derartige Krisensituationen künftig gut vorbereitet zu sein. Neben dem Elaskon-Klassiker, dem Korrosionsschutzmittel "K60", werden in Reick nun auch Reinigungs- und Pflegemittel produziert. Jetzt, in Zeiten des Frühjahrsputzes, sind solche Produkte gefragt, nicht nur am Auto, auch in Hof und Garten. 

Kurz vor der Corona-Krise ist Elaskon mit einem neuen Reiniger an den Markt gegangen. Mithilfe von Schaum sollen Polster, Teppiche, Gartenmöbel, Grillroste und Rasenmäher wieder sauber werden. Mit diesen Mitteln geht Schwald nun auch in die Baumärkte, ein neues Standbein, das weiter ausgebaut werden soll. Im vergangenen Jahr hat Elaskon rund 750.000 Liter dieser 30 verschiedenen Pflegeprodukte hergestellt, sie machen gut 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Schwalds Ziel: eine Million Liter jährlich. 

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Zu Beginn der Corona-Krise gab es auch die Überlegung, Desinfektionsmittel zu produzieren. "Das haben wir dann aber verworfen, weil einfach zu viele Hersteller am Markt sind", erzählt Schwald. Dafür habe er für sein Unternehmen aber auch wichtige Erkenntnisse aus der Krisenzeit gewinnen können. Etwa, wie wichtig die digitale Vernetzung heute ist und wie einfach sie zu nutzen ist. "Wenn man auf die Videokonferenz zurückgreifen muss, geht es eben doch", sagt Schwald und lacht. Auch habe er die Zeit genutzt, den Onlineshop auszubauen. Ein BA-Student hat dafür Anwendervideos gedreht. In kurzen Clips wird erklärt, wie und wofür ein bestimmtes Mittel benutzt wird. 

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Bekannt ist Elaskon vor allem durch das Kult-Rostschutzmittel "K60". Zu DDR-Zeiten wurden jährlich eine Million Flaschen davon abgefüllt, denn das Mittelchen war bei Autofahrern sehr gefragt. Wer lange etwas von seinem Wartburg oder Trabant haben wollte, musste ihn gut pflegen. Ganze Generationen von Männern lagen am Wochenende regelmäßig unter ihren Autos und schmierten den Unterboden mit "K60" ein. 

Erfunden wurde es vom heute 92 Jahre alten Dresdner Günther Gedecke, der auch dabei war, als kürzlich eine Flasche des Rostschutzes in die Ausstellung des DDR-Museums aufgenommen wurde. Gedecke erfand übrigens auch den Namen Elaskon: ein Wortspiel aus elastisch und konservierend.

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