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Caterings zum Schulanfang ausgebucht

Dresdner Gastronomen leiden unter Umsatzeinbußen. Weshalb sie trotzdem Aufträge für Caterings ablehnen müssen.

Der Samstag der Schuleinführung ist einer der wenigen Tage, an denen die Dresdner Caterer ausgebucht sind.
Der Samstag der Schuleinführung ist einer der wenigen Tage, an denen die Dresdner Caterer ausgebucht sind. © 123.rf

Dresden. Ein 70. Geburtstag steht an.  Die Jubilarin möchte ihre Gäste am 29. August mit einem Catering überraschen. Doch bei welcher Dresdner Firma sie auch Anfang August anruft, sie bekommt nur Absagen. "Mir wurde sogar gesagt, dass sich ein Catering für 15 bis 20 Personen nicht rechnet. Das kann doch nicht sein angesichts der finanziellen Probleme, über die Gastronomen in Ihrer Zeitung immer wieder berichten", schreibt die SZ-Leserin, die namentlich nicht genannt sein will. "Soviel dazu, dass es den Restaurants in Dresden schlecht geht", schreibt sie verärgert. 

Jens Budde von Bellan Catering kann sich noch gut an den Anruf der Dame erinnern, er saß neben seiner Mitarbeiterin, die das Gespräch führte. "Am 29. August finden in Dresden Schuleinführungen statt und es ist der einzige Termin, für den wir schon seit Monaten ausgebucht sind", sagt der Geschäftsführer. Die meisten Kunden hätten ihr Catering schon im vorigen Jahr bestellt. "Ich habe versucht, der Dame noch andere Kontakte zu vermitteln, aber sie war äußert verärgert und aufgebracht", erinnert er sich.

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Auch bei Bellan Catering ist es vor der Corona-Pandemie so gewesen, dass die Mindestbestellgröße bei 20 Personen lag. Derzeit fängt Budde schon bei 15 Personen an. "Damit mache ich wirtschaftlich zwar kaum Gewinn, aber ich will einfach bei meinen Kunden im Gespräch bleiben und auch wieder größere Aufträge erhalten, um meine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen zu können."

Am Samstag der Schuleinführung hat er acht Aufträge. "Mehr schaffe ich nicht. Zur Auslieferung sind meine beiden Transporter unterwegs und ich miete noch ein Fahrzeug. Bellan bedauert die Absage für die Dame, an jedem anderen Tag wäre sie beliefert worden.

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Genau an diesem 29. August ist auch Olaf Kranz, der Geschäftsführer der Palastecke und Schmidts Restaurant, mit seiner Cateringleistung komplett ausgebucht. "Es gibt wirklich nur wenige Daten, auf die das zutrifft", sagt er. Aber für den Schuleinführungsamstag ist nichts mehr zu machen. "Da muss man sich vorher aber schon mal informieren, was das für ein Wochenende ist", gibt er zu bedenken. Er nimmt erst Bestellungen ab 30 Personen an, da er Personal bezahlen muss, das an 15 Portionen ähnlich lange arbeitet wie an 30. "Wir müssen einfach wirtschaftlich denken und nicht nur bei Plus-Minus-Null rauskommen", sagt er.   

Jens Budde, der rund 70 Prozent seines Umsatzes mit Caterings für Geschäftsveranstaltungen macht, hofft auf eine Lockerung der Bedingungen dafür. "Private Feiern dürfen bis zu 100 Teilnehmer haben, Firmenevents nur die Hälfte. Das versteht doch keiner", sagt er. Damit würde auch der Wirtschaft das wichtige Netzwerken entzogen. Er selbst wollte diesen Mai eigentlich sein 5-jähriges Jubiläum als Unternehmer feiern. Das fiel komplett aus. "Wir brauchen dringend Unterstützung aus der Politik", sagt er. 

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