merken
PLUS Feuilleton

Die Fantastischen Vier kommen ins Kino

Auch die Hip-Hop-Combo  hat jetzt einen eigenen Film. Der ist ganz gut – doch braucht ihn niemand jemand?

Im Sommer noch live bei den Dresdner Filmnächten, jetzt im Kino: Thomas D. (l.) und Michi Beck von den Fantastischen Vier.
Im Sommer noch live bei den Dresdner Filmnächten, jetzt im Kino: Thomas D. (l.) und Michi Beck von den Fantastischen Vier. © Ronald Bonß

Von Maximilian Helm

Seit 30 Jahren stehen die Fantastischen Vier nun gemeinsam auf der Bühne. Nach der Gründung in Stuttgart waren sie mit ihrem Rap auf Deutsch zwar keine Pioniere, doch die Ersten, die mit ironischen Texten und poppigen Beats massenhaft über die Ultrakurzwellen der Republik surften. „Die da“ oder „MfG“ sind zeitlose Hits, ein Erfolg, mit dem die jungen Männer damals selbst kaum gerechnet hatten.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Da sollte es viel zu erzählen geben. Thomas Schwendemann hat die Band bei der Produktion ihres aktuellen Albums „Captain Fantastic“ begleitet und den Film „Wer 4 sind“ produziert. Doch erst einmal sieht man hauptsächlich müde Rapper: Die Freundschaft ist einer Arbeitsbeziehung gewichen, Beats werden teilweise extern produziert und selbst für die Texte holt man sich die Hilfe der Rapper Samy Deluxe und Curse. „Es kommt der Punkt, da fällt einem einfach nichts mehr ein“, gibt Smudo fast erschreckend offen zu. Einzig der Schnaps darf auch heute nicht fehlen. Ein bisschen edler als früher dürfte der Tropfen allerdings sein.

Anschließend begleitet der Film die vier Rapper in ihr jeweiliges Zuhause. Smudo, der in Hamburg wohnt, leistet sich einen waschechten Popstar-Lebensstil – er fliegt Flugzeug und dreht im Rennwagen seine Runden bei verschiedensten Autorennen. Michi, Wahlberliner, schraubt an seiner Karriere als DJ. Und Produzent Andi führt ein Leben als Dozent und Tontüftler in Stuttgart. Diese Geschichten sind sehr kurz und in sich stimmig, aber auch schnell vorbei und vergessen. Einzig das Privatleben von Thomas D. bekommt noch einmal viel Platz am Ende des Films.

Schnitt, Hamburg, die Fantas haben die Idee für den Titel „Zusammen“. Der Beat stammt von Curse, der Text ist geschrieben, nur ein Sänger für den Refrain fehlt noch. Die Wahl fällt auf niemand Geringeren als Clueso. Der Zuschauer ist zwanzig Minuten dabei, wie der Erfurter in einem zum Tonstudio umfunktionierten Wohnzimmer seinen Gesang aufnimmt. Das Experiment glückt, der Song wird später ein Dauerbrenner im Radio. Weiter geht es zum Album-Releasekonzert, Michi vergisst bei der Probe seinen Text und flachst: „Wenn du deine eigenen Lyrics googeln kannst, hast du es geschafft.“ Trotz Pannen-Probe wird die Show natürlich ein Erfolg.

Zum Schluss gibt es noch ein Geheimnis zu lüften: Was ist denn nun mit Thomas D.? Der vermeintlich Extrovertierteste der Gruppe hat sich für ein ganz anderes Leben entschieden. Sein Privatleben verbringt er auf einem Hof in der Eifel, mitten auf dem Land. Er fährt Quad, ist viel in der Natur und hat einen kleinen Skatepark hinter dem Haus. Es ist der interessanteste Moment des Films. Mit der Band, ihrer Musik und ihrer Geschichte hat das aber leider nicht viel zu tun.

Treue Fans der Band sollten den Film nicht verpassen, schließlich gibt es in knapp 100 Minuten sehr viel Fantastisches zu sehen. Ansonsten kann der Film weder inhaltlich noch handwerklich mit großen Künstlerporträts der letzten Jahre mithalten. Nicht jede Bandgeschichte eignet sich für ein packendes Drama.

Der Dokumentarfilm „Wer 4 sind“ läuft ab Sonntag unter anderem in den Dresdner Kinos Schauburg, Rundkino und im Kino im Dach.

Mehr zum Thema Feuilleton