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Dresden: Fast alle neuen Corona-Fälle sind Urlauber

Die Infektionszahlen steigen schneller als in den vergangenen Wochen. Woher die Reisenden kamen und wie alt sie sind.

Seit zwei Wochen wird am Dresdner Flughafen auf das Coronavirus getestet. Inzwischen gibt es die ersten nachgewiesenen Fälle bei Reiserückkehrern.
Seit zwei Wochen wird am Dresdner Flughafen auf das Coronavirus getestet. Inzwischen gibt es die ersten nachgewiesenen Fälle bei Reiserückkehrern. © Matthias Rietschel (Archiv)

Dresden. Die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle ist groß. Auch in Dresden steigen die Zahlen. Meldete das Gesundheitsamt zwischen Anfang Juni und Mitte August im Schnitt zwischen zwei und drei Infektionen pro Woche, so wurde das Virus in dieser Woche schon bei acht Dresdnern nachgewiesen. Damit haben sich bisher mindestens 649 Menschen in der Stadt angesteckt.

Handelt es sich ausschließlich um Reiserückkehrer?

Von den 15 nachgewiesenen Infektionen in den vergangenen drei Wochen kamen elf aus dem Ausland. Das waren Spanien, Frankreich, Tschechien, Bulgarien, Rumänien, Irak, Ägypten und Albanien, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit. Das heißt, fast Dreiviertel der Neu-Infizierten steckte sich nicht in Deutschland an.

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"Bitte lassen Sie sich nicht täuschen, das unsichtbare Virus ist nach wie präsent, lassen Sie nicht nach und schützen Sie ihre eigene und damit die Gesundheit ihrer Mitmenschen", sagt Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). Mit der AHA-Formel, das steht für Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, sei das Wesentliche auf den Punkt gebracht. "Diese Dinge haben auch in der schönen Urlaubszeit nach wie vor ihre volle Berechtigung."

Wie alt sind die Neu-Infizierten?

Tatsächlich handelt es sich bei den neuinfizierten Dresdnern überwiegend um jüngere Leute. Von den in dieser Woche gemeldeten Fällen fünf vier Infizierte, also mehr als die Hälfte, zwischen 15 und 34 Jahre alt. Nur eine Person gehört altersmäßig zur Risikogruppe und ist über 60, wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Kinder und Teenager sind seit vielen Wochen nicht mehr positiv getestet worden.

Haben die Neu-Infizierten denn Symptome?

In den vergangenen drei Wochen hat das RKI sechs infizierte Dresdner gemeldet, die Krankheitszeichen wie trockenen Husten, Fieber oder Atemnot verspüren. Bei den restlichen Infizierten gibt es noch keine weiteren Informationen, ihr Erkrankungsbeginn ist unbekannt oder sie verspüren schlichtweg keine Symptome.

Im Krankenhaus muss laut Gesundheitsamt derzeit aber kein Dresdner stationär behandelt werden. Im Städtischen Klinikum meldete sich in der vergangenen Woche ein Infizierter mit Nierenschmerzen in der Notaufnahme. Die Mediziner führten auch einen Abstrich durch. Er fiel positiv aus. Von der Niere wissen Ärzte inzwischen, dass sie von Sars-Cov-2 ebenso geschädigt werden kann wie die Lunge. Im Dresdner Universitätsklinikum stellten sich am Donnerstag zwei Personen mit dem Verdacht einer Infektion in der internistischen Notaufnahme vor.

Konnten durch mehr Tests am Flughafen schon mehr Infektionen aufgedeckt werden?

Ja, tatsächlich ist das Coronavirus schon bei neun Personen entdeckt worden, die sich am Dresdner Flughafen kostenlos testen ließen. Alle positiven Abstriche wurden in dieser Woche genommen. Allein am Mittwoch kamen zwei neue Fälle dazu, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit. Bisher ließen sich in Klotzsche 3.345 Reiserückkehrer testen. Wie viele aus ausländischen Risikogebieten kamen und wie viele Dresdner unter den Infizierten sind, konnte die KVS am Donnerstag nicht sagen.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Jeder Sachse, der aus dem Ausland wieder einreist, kann sich am Flughafen innerhalb von 72 Stunden kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Seit dem vergangenen Wochenende sind die Tests für Einreisende aus Risikogebieten sogar verpflichtend. Am Flughafen Leipzig/Halle gibt es ein zweites Testzentrum. An den Grenzübergängen zwischen Sachsen und Tschechien beziehungsweise Polen lässt die KVS ab Freitag ebenfalls Urlauber testen. Die Stationen werden an der A4 und der A17 eingerichtet. 

Darüber hinaus werden weiterhin viele Proben im Institut für Mikrobiologie und Virologie an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden untersucht. Zwischen dem 3. und 9. August waren es rund 1.189 Proben, so Sprecher Holger Ostermeyer. Das Institut untersuche nicht nur Proben der Corona-Ambulanz am Uniklinikum, sondern auch von anderen Einsendern. (siehe Korrekturhinweis unten)

Welche Länder gehören zu den Risikogebieten?

Als Risikogebiet festgelegt werden Regionen, in denen in den vergangenen sieben Tagen mindestens 50 Neu-Infektionen auf 100.000 Einwohner gekommen sind. Am Samstag (15. August) waren das zum Beispiel das spanische Festland und die Balearen, der bulgarische Badeort Varna, die komplette Türkei sowie ganz Ägypten. Die Liste wird vom RKI täglich geprüft.

Kann man schon von einer zweiten Welle sprechen?

Die Infektionszahlen sind in den vergangenen beiden Wochen zwar wieder angestiegen, haben aber noch lange nicht das Niveau der ersten Welle erreicht. Wie erwähnt, haben sich zwischen Anfang und Juni und Mitte August durchschnittlich zwei, drei Dresdner pro Woche infiziert. Zum Vergleich: Zwischen Anfang März, als das Virus erstmals in der sächsischen Landeshauptstadt nachgewiesen wurde, und Ende Mai, als die erste Welle abgeklungen war, meldete das Gesundheitsamt im Schnitt 52 Fälle jede Woche.

Wie will man sichergehen, eine mögliche zweite Welle nicht zu spät zu bekämpfen?

Dafür haben Stadt und Land eine Art Frühwarnsystem eingerichtet. So gilt auf Landesebene zum Beispiel, dass spätestens dann gehandelt werden muss, wenn sich innerhalb von sieben Tagen 35 Menschen oder mehr je 100.000 Einwohner einer Kommune infiziert haben. Dresden hat für sich noch einmal schärfere Regeln auferlegt und ein Ampelsystem eingeführt. Dieses hat fünf Farben und schlägt bereits ab zehn Infektionen Alarm. Mit jeder neuen Farbstufe sind weitere Einschnitte im öffentlichen Leben verbunden, bis hin zur Schließung von Gaststätten oder Geschäften. Mit Stand vom Donnerstag haben sich umgerechnet 1,8 Menschen je 100.000 Einwohner in Dresden infiziert, sodass die Corona-Ampel weiterhin Grün zeigt.

Das Uniklinikum ist gut vorbereitet und hat nichts heruntergefahren, sondern ist schnell wieder einsatzbereit, so Vorstand Michael Albrecht im SZ-Interview. Die Ambulanz ist nach wie vor 24 Stunden am Tag besetzt und auch die Leitstelle ist voll funktionsfähig.

Update, 14. August, 9.32 Uhr: In einer früheren Version dieses Beitrages haben wir fälschlicherweise berichtet, dass sich in der Corona-Ambulanz des Dresdner Uniklinikums letzte Woche 1.189 Patienten vorgestellt hätten. Tatsächlich wurden zwischen dem 3. und 9. August insgesamt 1.189 Proben am Institut für Mikrobiologie und Virologie untersucht. Die Proben stammen aber von unterschiedlichen Einsendern, nicht nur aus der Corona-Ambulanz. Das haben wir korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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