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Dresden

So hoch darf der neue Rathausturm werden

Um die Höhe des geplanten Verwaltungszentrum in Dresden wurde zuletzt heftig gestritten Jetzt steht fest, wie hoch das Gebäude werden darf. 

So wie auf dieser Visualisierung wird das Verwaltungszentrum wohl nicht aussehen.
So wie auf dieser Visualisierung wird das Verwaltungszentrum wohl nicht aussehen. © Barcode Architects

Die Meldung aus dem Rathaus war kurz und bündig. Dabei waren wohl lange und zähe Verhandlungen nötig, um die richtige Höhe für das neue Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz zu finden. Die Lösung ist durchaus überraschend.

Der Stadtrat hatte bereits im Winter beschlossen, dass der Turm maximal 43 Meter hoch werden darf. Zu viel, fand das Landesamt für Denkmalpflege und äußerte nun Einwände. Zunächst hieß es, der Turm solle nicht höher werden als das Dach des benachbarten Rathauses, das weniger als 40 Meter misst. Aber auch das war offenbar noch zu viel. In Verhandlungen einigten sich die Denkmalpfleger und die Stadtverwaltung jetzt auf 34 Meter. Einvernehmlich, wie es in einer Presseerklärung des Rathauses heißt, die am Dienstagnachmittag veröffentlicht wurde.

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Den Entwurf des Bebauungsplans für das Verwaltungszentrum habe die Stadt bereits geändert. Der Bauausschuss müsse jetzt eine erneute Offenlegung beschließen, sagte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Die geänderte Höhe fließe ebenfalls in den wettbewerblichen Dialog ein, der demnächst stattfinden soll. Darin sucht die Stadt einen Generalunternehmer für die Planung und den Bau des neuen Verwaltungszentrums. Neu begonnen werden müsse das Verfahren durch die Änderung aber nicht, so der Baubürgermeister.

Nicht nur die Denkmalpfleger hatten den 43-Meter-Turm kritisiert. Auch Linken-Stadtrat Tilo Wirtz mahnte, ein solcher Turm würde die Frauenkirche und das Rathaus verdecken, wenn man von der Südhöhe ins Zentrum blickt. Wirtz zeigte sich am Dienstag zufrieden mit der ausgehandelten Lösung. Er vermutet, dass die Denkmalpfleger unter der Rathausdach-Höhe bleiben wollten, damit das Rathaus nicht seine herausragende Stellung in der Stadt verliert.

Kritik übt der Bauexperte aber weiterhin an der Informationspolitik der Stadtverwaltung. Diese hatte ihre Presseinformation am Dienstag überschrieben mit „Höhe des neuen Verwaltungszentrums steht fest“. Dies sei unverschämt gewesen. Die Höhe stehe erst fest, wenn der Stadtrat sie demokratisch beschlossen habe, und nicht, wenn die Verwaltung einen Vorschlag dazu mache, so Wirtz. Man wolle sich nun das Kleingedruckte im neuen Bebauungsplan durchlesen. Außerdem müsse man schauen, wie ein bis zu 34 Meter hoher Turm wirke. Der Rest des Gebäudes soll bis zu 30 Meter hoch werden. Damit bestehe die Gefahr, dass sich der Hochpunkt kaum vom Rest abhebe. Dabei habe ein Turm auf dem Gebäude durchaus seine Berechtigung, findet Wirtz. Er hatte die Höhe des benachbarten Rathausdaches vorgeschlagen, die laut Stadtverwaltung bei rund 36 Metern liegt.

Kommen alle Mitarbeiter unter?

Froh darüber, dass der Stillstand am Ferdinandplatz nun endet, ist die architekturkritische Initiative Stadtbildd. „Grundsätzlich ist es gut, eine Lösung gefunden zu haben, die nicht in die Silhouette eingreift“, sagte Sprecher Robert Berger am Dienstag. Doch maßgeblich komme es auf die Gestaltung des neuen Rathauses an. „Die bisherige Studie wirkt wie ein Fremdkörper in der Innenstadt“, sagt Berger. „Wir brauchen ein Verwaltungszentrum, was die Ästhetik der Stadt erhöht, keinen riesigen Glaskasten.“ Die Bürger sollten unbedingt in die Gestaltung einbezogen werden.

Ob die Höhenänderung den Zeitplan für das neue Verwaltungszentrum gefährdet, ist unklar. Das könne man erst am Ende sagen, so die Stadt. Dabei brennt ihr gerade beim Projekt Ferdinandplatz die Zeit unter den Nägeln. Geplant ist, das neue Rathaus 2025 zu eröffnen. In ihm sollen über 1.300 städtische Mitarbeiter neue Arbeitsplätze bekommen, die derzeit in Gebäuden überall in der Stadt untergebracht sind, deren Mietverträge 2025 auslaufen. Obwohl der Turm abgesenkt wird und dadurch Fläche verloren geht, sollen alle Mitarbeiter unterkommen, so Schmidt-Lamontain. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung ließen sich die Arbeitsplätze im Verwaltungszentrum unterbringen.

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Und wie geht es weiter? Einerseits wird mit dem überarbeiteten Bebauungsplan Baurecht geschaffen. Das letzte Wort hat der Stadtrat. Parallel dazu werden Planer aufgerufen, konkretere Ideen für das neue Verwaltungszentrum zu erarbeiten. Bisher gibt es lediglich eine Untersuchung über die städtebaulichen Potenziale auf dem Platz. Sie stammt vom Rotterdamer Büro „Barcode Architects“. Eine Jury und mehrere Fachberater werden die Wettbewerbsbeiträge bewerten und am Ende dem Stadtrat einen Vorschlag unterbreiten. „Unser Augenmerk liegt auf Flexibilität, Innovation und Kosten-Nutzen-Faktoren“, sagt der Baubürgermeister. 2021 soll der ausgesuchte Generalübernehmer beauftragt werden.

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