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Fernsehturm: Zweifel und Kritik an Seilbahn-Idee

Der Fernsehturm-Verein will Bewegung in die Diskussion zur Wiedereröffnung des Turms bringen. Warum sein Vorschlag die Meinungen der Politiker spaltet.

Diese Vision von einer Seilbahn zum Fernsehturm ist veraltet, sie stammt aus dem Jahr 2015. Im Oktober will der Fernsehturmverein mit der Firma Leitner ein neues 3-D-Modell präsentieren.
Diese Vision von einer Seilbahn zum Fernsehturm ist veraltet, sie stammt aus dem Jahr 2015. Im Oktober will der Fernsehturmverein mit der Firma Leitner ein neues 3-D-Modell präsentieren. © Visualisierung: Fernsehturmverein

Dresden. Die Aussicht eines wiedereröffneten Fernsehturmes lässt die Herzen vieler Dresdner höher schlagen. Zumal die Chancen dafür nie besser waren. Bund und Land wollen neben der Stadt Geld dazugeben. Parallel dazu wird intensiv nach einem Betreiber gesucht. Doch es gibt auch die Anwohner, die mit dem Betrieb des Turmes ihre Probleme haben. Sie befürchten einen Verkehrskollaps, sollte die Infrastruktur nicht pünktlich zur Eröffnung fertiggestellt sein.

In dieser Situation hat sich der Fernsehturm-Verein erneut mit einer Idee eingebracht, die eigentlich nicht neu ist: Mit einer Seilbahn zum Turm könnten die Verkehrsprobleme gelöst werden, sagt er. Drei Varianten hat er durch die bekannte Seilbahnfirma Leitner in Südtirol erstellen lassen. Ihre Kosten liegen zwischen 3,7 bis 12,3 Millionen Euro. Die teuerste Strecke, 1,5 Kilometer lang,  führt mit einer sogenannten Winkelstation über ein Waldgebiet und damit nicht über bewohnte Grundstücke. Sie würde damit die Angst der Anwohner nehmen, ständig beobachtet zu werden. "Wir wollen wieder Bewegung in die Verkehrs-Diskussion bringen", sagt Barbara Lässig vom Verein. "Es kann nicht sein, dass  wir so kurz vor dem Ziel, den Turm eröffnen zu können, jetzt aufgeben." Doch wie reagieren Dresdens Stadträte auf diese Vorschläge?

Late Night Shopping Dresden
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Realistische Lösungen statt Visionen

Einer der größten Verfechter der Fernsehturm-Wiederöffnung hält die Seilbahn-Idee derzeit nicht für hilfreich. "Ich empfehle dringend, dass wir uns auf das Verkehrskonzept konzentrieren und das so schnell wie möglich umsetzen", sagt Holger Zastrow, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Stadtrat, der auch in der Lenkungsgruppe zum Turm mitarbeitet. Der Fernsehturm soll der Motor für die Infrastruktur am Elbhang und im Hochland sein. "So schön eine Seilbahn-Vision klingt, so realistisch sollte man sein, dass die das Turm-Projekt nur verzögert", sagt er. Später könnte man darüber immer noch nachdenken. 

Auch bei der CDU ist man nur verhalten begeistert. "Ich kenne die Ideen des Fernsehturmvereins nur aus den Medien und habe keine Unterlagen. Deshalb konnten wir uns in der Fraktion dazu noch nicht verständigen", sagt Steffen Kaden, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Für ihn und seine Partei ist die Wiedereröffnung des Turm durchaus realistisch. Zur nächsten Haushaltsverhandlung werde das Thema eine Rolle spielen, denn auch Dresden muss sich mit 6,4 Millionen Euro an der Wiederbelebung beteiligen. 

Insgesamt sollen 25,6 Millionen Euro für die Revitalisierung des Wachwitzer Sendeturms zur Verfügung gestellt werden. Davon trägt der Bund den großen Teil mit 12,8 Millionen Euro. Das Land Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden wollen jeweils 6,4 Millionen Euro übernehmen.

Technische Fragen klären

Grundsätzlich sei eine Seilbahn auch eine Attraktion für Dresden, schätzt Tilo Wirtz ein, der baupolitische Sprecher der Linken. Doch er weiß, dass Fachleute Seilbahnen skeptisch sehen, denn im Havariefall muss immer gewährleistet sein, dass die Kabinen oder Gondeln zugänglich sein müssen. "Das kann ich mir am bewaldeten Elbhang mit seinen Tälern nur schwer vorstellen", sagt Wirtz, der Bauingenieur ist. Auch die Überquerung der Elbe sei aus diesem Blickwinkel schwierig. Eine Diskussion über eine Seilbahn käme für ihn auch nur infrage, wenn diese technischen Fragen geklärt sind. 

Umweltbedenken ausräumen

Verwundert über die neuerlichen Seilbahnpläne ist Wolfgang Deppe von den Grünen, der ebenfalls in der Lenkungsgruppe zum Fernsehturm sitzt. "Das Hauptproblem ist, dass jede Variante der Seilbahn über das Landschaftschutzgebiet führt und damit nicht zulässig ist", sagt Deppe. Er kann sich nicht vorstellen, dass es dafür eine Ausnahmegenehmigung geben wird. Hinzu kommt, dass die Transportleistung einer Seilbahn nicht ausreicht. "Wenn da acht bis zwölf Personen reinpassen, dauert der Transport sehr lange", sagt der Grüne. "Und ist es wirklich eine so große Attraktion für Dresden?" Angesichts der schlechten Auslastung von Standseil- und Schwebebahn ist das für ihn nur schwer vorstellbar.

Schon in einer der ersten Sitzungen der Lenkungsgruppe hätten sich die Dresdner Verkehrsbetriebe gegen die  Seilbahn-Idee ausgesprochen. Auch aufgrund der hohen Betriebskosten. "Die werden die Seilbahn sicher nicht betreiben."

Ähnlich problematisch schätzt Stefan Engel von der SPD-Fraktion die Situation ein. Die Lage im Schutzgebiet sei  der Knackpunkt. "Das ist auch im Verkehrskonzept deutlich thematisiert worden, genau wie die mangelnde Wirtschaftlichkeit", sagt der verkehrspolitische Sprecher.  "Die Planung muss mit der Stadt abgesprochen und von ihr vorangetrieben werden, dabei müssen die Anwohnerinteressen berücksichtigt werden."

Parkplatzkosten dazu addieren

Ein weiterer wichtiger Punkt für Engel sind die Kosten der Seilbahn. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort der Bau eines Parkplatzes bereits enthalten ist", sagt er. Am Ende stehe also immer die Frage, wer das bezahlt. "Mit Blick auf den nächsten Doppelhaushalt hat die SPD andere Prioritäten."

Eberhard Mittag vom Verein bestätigt, dass die Kosten auschließlich den Bau der Seilbahn mit Tal- und Bergstation beinhalten. Aber er kann die Skepsis der Politiker  nicht nachvollziehen. "Die Städte Koblenz und Wuppertal betreiben Seilbahnen und fahren gut damit", behauptet er. In Koblenz lagen die Kosten bei zwölf Millionen Euro. Glücklicher Umstand ist, dass die österreichische Firma Doppelmayr über ihre hundertprozentige Tochter, die Skyglide Event Deutschland GmbH, die Seilbahn betreibt. Sie nutzt Deutschlands erste Dreiseilumlaufbahn als Vorführanlage. Ob so viele beidseitig positive Punkte in Dresden zusammenkämen, ist fraglich. Lediglich der Umweltaspekt gilt auch hier.

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Doch Mittag will sich die Seilbahn nicht schlecht reden lassen. "Mit einem guten Management könnte man den Fernsehturmbesuch mit der Seilbahn verknüpfen und über Onlinetickets zeitlich steuern. So wäre die dauerhafte Nutzung des Turmes möglich."

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