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Dresden

Tauchaktion unter der Elbe

Der Abwassertunnel am Flügelweg wird saniert. Doch vorher ist noch viel zu tun.

Im Licht der Lampen kommt Taucher Kay Sieder von seiner Inspektionstour im Abwassertunnel am Flügelweg zurück.
Im Licht der Lampen kommt Taucher Kay Sieder von seiner Inspektionstour im Abwassertunnel am Flügelweg zurück. © René Meinig

Industrietaucher Manfred Groß steht neben seinem Kollegen Kay Sieder im Wasser einer gewaltigen, rostbraunen Röhre. Er prüft, ob die Sicherungsleite fest ist und setzt ihm den Helm auf. „Alles klar?“, fragt Groß. „Es kann losgehen“, dröhnt Sieders Stimme über sein Helm-Mikrofon aus der Gegensprechanlage, an der Michael Ozerov als dritter Taucher Sieders Aktion per Videobildschirm überwacht. Die Spezialisten sind im Abwassertunnel am Flügelweg unterwegs, der saniert werden soll.

Vorher ist seit Anfang Februar der zwei Meter hohe und 230 Meter lange Abwassertunnel von Spezialkräften der Kesselsdorfer Firma Berndt Rohr- und Kanalservice mit großen Saug- und Spülfahrzeugen gründlich gereinigt worden. Vom Flügelweg fließen 70 Prozent der Dresdner Abwässer aus dem Altstädter Abfangkanal unter der Elbe zum Klärwerk Kaditz.

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Industrietaucher Manfred Groß hilft seinem Kollegen Kay Sieder beim Anziehen seins Taucheranzuges. Zuletzt kommt der Helm an die Reihe.
Industrietaucher Manfred Groß hilft seinem Kollegen Kay Sieder beim Anziehen seins Taucheranzuges. Zuletzt kommt der Helm an die Reihe. ©  Foto: Rene Meinig

Durch einen 1,1 Meter hohes Rohr fließt das Abwasser bei trockenem Wetter und auch derzeit. Es wurde bereits 1992 saniert. Jetzt kommt der benachbarte größere, zwei Meter hohe Rohrtunnel an die Reihe. Durch den fließt sonst bei Starkregen das Abwasser unter der Elbe hindurch. Diese Röhren werden in der Fachsprache Düker genannt, was aus dem Holländischen kommt und Taucher heißt. Beide Tunnel waren 1907 gebaut worden.

Mit dem Wasserstrahl reinigt Manfred Groß am Ende den Taucheranzug seines Kollegen Kay Sieder.
Mit dem Wasserstrahl reinigt Manfred Groß am Ende den Taucheranzug seines Kollegen Kay Sieder. © Rene Meinig, Schubertsrasse 39 D

Der große Düker liegt bis zu zehn Meter unter der Oberfläche. Betonröhren verlaufen von beiden Seiten schräg nach unten. Dort schließen sie an eine 160 Meter lange waagerechte Stahlröhre an, die nur einen Meter unter dem Elbgrund liegt. Der Beton weist große Poren, ausgebrochene Stellen und Risse auf. Die Stärke des verrosteten Stahlrohrs ist von 22 Milliometern auf weniger als die Hälfte geschrumpft, weshalb teilweise schon kleine Elbwasser-Rinnsale von oben auf die Taucher tröpfeln.

Mathias Berndt kommt nach der Tunnelinspektion aus dem Schacht. Seine Kesselsdorfer Rohr- und KanaKanalservicefirma reinigt den Tunnel.
Mathias Berndt kommt nach der Tunnelinspektion aus dem Schacht. Seine Kesselsdorfer Rohr- und KanaKanalservicefirma reinigt den Tunnel. ©  Foto: Rene Meinig

„Kay, nur noch einen Meter, der Schlauch ist zu Ende“, signalisiert Überwacher Ozerov seinem Kollegen Sieder, der mittlerweile weit in der unter Wasser stehenden Stahlröhre vorangekommen ist. „Es hat alles gepasst, das Video ist im Kasten“, sagt Ozerov. Sieders Mission ist erfüllt, er kann zurück. Seine Helmleuchte strahlt weit durch den Düker, als der Industrietaucher naht. Er berichtet Mathias Berndt, wo noch Schmutz im Düker liegt. Denn der muss sauber sein, bevor er saniert wird. „Jetzt wissen wir, was noch zu tun ist“, sagt der Chef der Kesselsdorfer Firma, die sich um die Reinigung kümmert.

Ein Spül- und ein Saugfahrzeug reinigen vom Kanalnetzstützpunkt am Flügelweg aus den Abwassertunnel unter der Elbe zum Klärwerk Kaditz.
Ein Spül- und ein Saugfahrzeug reinigen vom Kanalnetzstützpunkt am Flügelweg aus den Abwassertunnel unter der Elbe zum Klärwerk Kaditz. ©  Foto: Rene Meinig

Seine rund zwei Millionen Euro teure Technik hat ganze Arbeit geleistet. Die steht sowohl auf der Altstädter als auch auf der Neustädter Seite des Abwassertunnels. Die Reinigung funktioniert wie folgt. Ein großes Spülfahrzeug lässt einen langen Schlauch mit einer Düse durch den Kanalschacht hinab. Eine Hochdruckpumpe drückt 600 Liter Wasser je Minute mit dem gewaltigen Druck von 200 Bar hinein. Das schießt in Strahlen nach hinten, sodass der Schlauch in der Röhre unter der Elbe vorankommt, erläutert Firmenchef Berndt. „Beim Zurückziehen treibt die Düse den Dreck vor sich her“, erklärt der 41-jährige Fachmann. Der wird von einem Hochleistungs-Saugfahrzeug mit einem langen Schlauch aus dem Düker geholt. Mit Unterdruck saugt die Technik ein wässeriges Gemisch mit Sand, Dreck, kleinem Gestein und Fett aus der Röhre. Permanent wird die Masse in den Sandfang des Kanalnetzstützpunkts am Flügelweg entsorgt.

Durch diesen Schlauch saugt das Spezialfahrzeug den Dreck aus dem Abwassertunnel.
Durch diesen Schlauch saugt das Spezialfahrzeug den Dreck aus dem Abwassertunnel. ©  Rene Meinig

Etwa 25-mal ist die Düse im Düker bei ihrer Reinigungsprozedur hin und her gefahren. So konnten weit über 100 Kubikmeter Dreck abgepumpt werden. Die Grobreinigung ist fertig. Nach der Inspektion der Taucher beseitigen Berndts Spezialisten mit dem kleinen Hochdruckreiniger noch den letzten Schmutz im Düker. Geplant ist, den Tunnel später auf bewährte Weise zu stabilisieren und abzudichten. Eingezogen werden sollen im April zwei sogenannte Inliner. Dabei handelt es sich um mit Polyesterharz getränkte Schläuche aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Eingestülpt werden sie mit Wasserdruck.

Auf der Altstädter und der Neustädter Seite der Flügelwegbrücke werden die Baugruben für die Tunnelsanierung hergestellt. 
Auf der Altstädter und der Neustädter Seite der Flügelwegbrücke werden die Baugruben für die Tunnelsanierung hergestellt.  ©  Foto: Rene Meinig

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