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Fräulein Lecker will nicht aufgeben

Das Alltagsgeschäft in dem Café ist eingebrochen, der Dresdnerin Maggie Singer fehlen Umsätze - trotz einer Spendenaktion. Was ihr trotzdem Hoffnung macht.

Maggie Singer in ihrem Dresdner Café Fräulein Lecker.
Maggie Singer in ihrem Dresdner Café Fräulein Lecker. © Sven Ellger

Dresden. In Reih und Glied stehen die Cupcakes mit Cremehäubchen und Zuckerstreuseln, vier Geschmacksrichtungen gibt es. Darunter hat Maggie Singer in der Vitrine verschiedene Torten angerichtet, mit Mohn und Orange oder vegan. "Man muss mit der Zeit gehen und für alle Geschmäcker und Ernährungsarten etwas anbieten", sagt die Besitzerin von "Fräulein Lecker". Deshalb gibt es auch herzhafte Quiche im kleinen Café am Bischofsweg 28. Und natürlich Kaffeespezialitäten aus der italienischen Maschine.      

Die 29-Jährige hat harte Monate hinter sich.  Während  des Lockdowns war das Café geschlossen. Maggie Singer, die an einer chronischen Erkrankung leidet, wollte sich nicht der Ansteckungsgefahr aussetzen und hat deshalb auch nicht außer Haus geliefert. "Das dürfen ohnehin nur Konditormeister und das bin ich nicht", sagt sie. Erst Ende Mai ging es im Fräulein Lecker wieder los. 

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Während dieser Zeit hat sie jedoch enorme Unterstützung  erfahren. Weil sie kaum Rücklagen hatte, aber die Nebenkosten wie Miete und Versicherungen weiterliefen, bat sie ihre Kunden auf Instagram um Hilfe. Die Idee zu dem Spendenaufruf auf der Plattform Startnext hatte eine Stammkundin. Sophie Prieß hatte den Link auch an sächsische.de geschickt. "Ich möchte in der Zeit von Corona etwas Gutes tun und kleine Cafés und Restaurants unterstützen. Wenn jeder Kunde zwei Euro spendet, dann kommt schon ganz viel zusammen", so die junge Frau.

Rund 2.200 Euro wurden es auf diese Weise für Maggie Singer. Unfassbar für sie. "So eine Solidarität, ich war überglücklich", sagt sie zurückblickend.  Das Geld habe für einen Monat ihre Kosten gedeckt. 

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Doch heute macht sie sich erneut Sorgen um ihre Zukunft. Denn das Alltagsgeschäft ist noch längst nicht wieder auf dem Level wie vor Beginn der Corona-Pandemie. Gerade mal die Hälfte des Umsatzes kommt rein. "Ich weiß nicht, ob ich damit überhaupt die Fixkosten decken kann, davor habe ich Angst ", sagt die gelernte  Hotelfachfrau, die ihre Ausbildung in einem Vier-Sterne-Haus an der Nordsee gemacht hat. Für den Traum vom eigenen Café ist sie nach Dresden zurückgekommen. Ab 2017 hat sie das "Fräulein Lecker" gepachtet, seit Juli 2019 ist sie die Besitzerin. 

Sie weiß, dass die Ferien und die sengende Hitze der Grund sein könnten, weshalb weniger Gäste kommen. "Zum Glück geht es mit privaten Feiern wieder los, letztes Wochenende hatte ich eine Hochzeit bei mir", sagt sie. Rund 35 Personen passen in das Fräulein Lecker. Sie hofft nun, dass die Monate September und Oktober wieder gut laufen, denn da verdient sie erfahrungsgemäß gut. "Im November und Dezember sind die Leute eher auf den Weihnachtsmärkten unterwegs."  

Maggie Singer will dieses Jahr auf jeden Fall durchhalten. Dann rechnet sie durch und will ihre Konsequenzen ziehen. "Es wäre wirklich traurig, wenn ich schließen müsste. Das ist mein Beruf, den ich liebe und der mir sehr viel Spaß macht", sagt sie und schaut sich im geschmackvoll dekorierten Verkaufs- und Gastraum um. Details wie frische Blumen sind ihr wichtig, früher gab es auch immer richtige Handtücher auf dem WC. Doch das geht in Corona-Zeiten nicht mehr. 

Die Erfahrung mit der Crowdfunding-Aktion ist für sie immer noch präsent. "Krisenzeiten bringen eben doch auch immer etwas Gutes hervor", sagt sie und hofft, dass neben den Stammkunden bald wieder mehr Gäste kommen.  

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