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Zu lange Bauzeit auf Augustusbrücke?

Die Sanierung der berühmten Dresdner Brücke dauert mehr als doppelt so lange wie einst geplant. Schuld daran ist auch ein Singvogel.

Sepp Jagiella ärgert sich, dass er auf der Augustusbrücke nur wenige Bauarbeiter sieht. Er findet, die Sanierung müsste schneller vorangehen.
Sepp Jagiella ärgert sich, dass er auf der Augustusbrücke nur wenige Bauarbeiter sieht. Er findet, die Sanierung müsste schneller vorangehen. © René Meinig

Dresden. Die Dresdner Bürger haben eine besondere Verbundenheit mit den Elbebrücken. Schließlich prägen sie das Bild im Elbtal entscheidend mit. Doch eine Konstante gab es in den vergangenen Jahren immer wieder: Sowohl beim Neubau der Waldschlößchenbrücke als auch bei der Sanierung der Albert- und Augustusbrücke verzögerten sich die Endtermine. Dass Brückenbau in Dresden jedoch durchaus gut klappen kann, hatte der Neubau der Flügelwegbrücke gezeigt. Das alte Bauwerk von 1930 war durch eine moderne Stahlverbundbrücke ersetzt worden. Doch die Fertigstellung war vor 16 Jahren.

Der Anwohner: Ärger über langsamen Baufortschritt

Schnell hat auch Sepp Jagiella eine große Verbundenheit zu seiner neuen Heimatstadt entwickelt. Der jetzt 64-Jährige war im Januar 2019 von Bremerhaven nach Dresden gezogen und verfolgt das Baugeschehen auf der Augustusbrücke genau. Der promovierte Diplom-Maschinebauingenieur war beruflich in der ganzen Welt unterwegs, zuletzt in Finnland. Nun wohnt er am Goldenen Reiter. 

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Jetzt in der Sommerzeit seien ideale Arbeitsbedingungen für einen zügigen Baufortschritt, findet Jagiella. „Auf der gesamten Brückenlänge sind aber nur ein oder zwei Bauarbeiter zu sehen, die meiste Zeit ist die Baustelle tagsüber menschenleer“, beschreibt der Anwohner seine Beobachtungen. Und das, obwohl tagtäglich viele Touristen dort vorbeikommen. „Umso unverständlicher ist es, dass hier nicht rund um die Uhr gearbeitet wird.“

Die Pläne: Bauende bereits dreimal verschoben

Einig waren sich die Dresdner darin, dass die 1910 fertiggestellte Augustusbrücke dringend saniert werden muss. Die Arbeiten begannen im April 2017. Damals war noch geplant, dass sie bis März 2019 abgeschlossen werden. Doch daraus wurde nichts. Zuerst musste die Fertigstellung auf Ende 2019, dann auf Sommer 2020 und letztlich auf Sommer 2021 verschoben werden. Begründet wurden die geplatzten Zeitpläne mit zahlreichen Überraschungen an dem alten Bauwerk. Die Schäden waren der Stadt zufolge deutlich größer als erwartet.

Die Stadt: Hausrotschwänzchen behindern Brüstungsbau

„Beim Rückbau des Belages und der Aufschüttung in den Brückenbögen wurden
erheblich kontaminierte Baustoffe vorgefunden, welche ausgebaut werden
mussten“, verweist das Straßenbauamt auf SZ-Anfrage auf einen Grund für die Verzögerungen. „Ebenso muss immer die Prüfung durch und Freigabe von Archäologen
abgewartet werden.“ Dies führe zu Verzögerungen, da sie so in der Planung
nicht vermutet werden konnten.

Warum sieht dann Anwohner Jagiella aber nur wenige Bauarbeiter? „Da auf beiden Seiten der Brücke oft Arbeiten im Untergrund erforderlich sind, die nicht gleichzeitig durchgeführt werden können und angesichts des Umstandes, dass diese Großbrücke halbseitig gebaut werden muss, ist leider kein schnelleres Vorankommen der Arbeiten möglich“, erklärt das Straßenbauamt. Zudem sei im Moment der Brüstungsbau aufgrund der Brut von Hausrotschwänzchen behindert. Die Singvögel würden eine Entwicklungszeit von 17 Tagen nach dem Schlüpfen benötigen.

Die Baufirma: Schneller als von Stadt vorgegeben

Mit der Sanierung ist die Bautzner Firma Hentschke Bau beauftragt. Sprecher Falk S. Al-Omary sieht bei den Arbeiten an der elbabwärts liegenden Brückenhälfte keine Verzögerungen. „Für den weiteren Bauablauf bis zur Freigabe der Brücke für den überquerenden Verkehr gibt es einen mit dem Auftraggeber abgestimmten Bauablauf“, erläutert er. „Unsere Arbeiten liegen demnach voll im Plan; wir haben sogar ein paar Wochen Vorsprung herausarbeiten können.“

In den vergangenen drei Monaten seien an jedem Arbeitstag in Summe nachweislich mindestens 15 Arbeitskräfte vor Ort gewesen. Dazu gehörten nicht nur Mitarbeiter von Hentschke Bau, sondern auch Mitarbeiter von beauftragen Nachauftragnehmern. „In der Spitze waren es bis zu 25 Arbeitskräfte. Insofern ist die Wahrnehmung des Anliegers schlicht falsch“, erklärt der Sprecher.

Die Perspektive: Beide Gehwege Ende 2020 fertig

Anwohner Jagiella bleibt dennoch bei seiner Meinung. „Für mich sind die Argumente nicht nachvollziehbar“, sagt er. „Es müsste schneller gehen. Die Stadt funktioniert nicht. Das ist die Schwachstelle.“

Derzeit müssen Radfahrer und Fußgänger den fertiggestellten Weg auf der elbaufwärts liegenden Seite nutzen, der provisorische verbreitert wurde. Zum Jahresende soll das elbabwärts liegende Pendant freigegeben werden.
Derzeit müssen Radfahrer und Fußgänger den fertiggestellten Weg auf der elbaufwärts liegenden Seite nutzen, der provisorische verbreitert wurde. Zum Jahresende soll das elbabwärts liegende Pendant freigegeben werden. © René Meinig

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Die Stadt kann jetzt zumindest ein Bauende in Aussicht stellen. Zum Jahreswechsel 2020/2021 soll die Sanierung so weit fortgeschritten sein, dass auch der zweite Fußweg eröffnet werden kann. Danach können Anfang kommenden Jahres die Arbeiten für den Gleis- und Straßenbau beginnen. Die Straße auf der Brücke soll im Sommer kommenden Jahres fertig werden, erklärt die Stadt. Sie bleibt aber für Autos bis auf Ausnahmen gesperrt. Ist die Brücke ausgetrocknet, seien noch Arbeiten an den Brücken-Fassaden und an der Unterseite nötig.

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