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Radler müssen auf Bautzner ausweichen

Von Fußgängern wird ein Teilstück an der Bautzner Straße kaum genutzt. Weshalb die Stadt Dresden den Radweg dennoch kappt.

Hier dürfen Radfahrer jetzt nur noch auf der Bautzner Straße fahren. Andreas Reuther ärgert sich, dass das Zusatzschild auf dem Fußweg beseitigt wurde, dass er auch von Radlern genutzt werden kann.
Hier dürfen Radfahrer jetzt nur noch auf der Bautzner Straße fahren. Andreas Reuther ärgert sich, dass das Zusatzschild auf dem Fußweg beseitigt wurde, dass er auch von Radlern genutzt werden kann. © Marion Doering

Dresden. Andreas Reuther ist verwundert. Oft fährt der 72-Jährige mit seinem Fahrrad an der Bautzner Straße an den Schlössern vorbei in Richtung Zentrum. Doch kürzlich war der Loschwitzer völlig perplex. Denn kurz hinter der Mordgrundbrücke war am Moritzburg-Pillnitzer Weg das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ unterm Fußwegschild verschwunden. 

Bislang konnte dort der Fußweg bis zur Wilhelminenstraße auch von Radfahrern genutzt werden. "Jetzt müssen wir aber auf der Straße fahren", sagt Reuther verärgert. Und das, obwohl es weder einen separaten Radweg noch einen Trennstreifen gibt.

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Zu DDR-Zeiten sei dieser von Fußgängern kaum genutzte Weg in Richtung Stadt generell ein Radweg gewesen. Schließlich gibt es auf der anderen Seite der Bautzner Straße direkt vor den Schlössern einen breiten Fußweg. Früher durften dort auf der Straße auch 70 km/h gefahren werden. Nach der Wende wurde das Tempolimit auf 50 Kilometer pro Stunde herabgesetzt und später ein Blitzer installiert. Laut jüngster Statistik wurden damit 138.007 Euro in einem Jahr eingenommen.

In den 90er-Jahren habe er bei der Stadt nachgefragt, ob denn nicht wenigstens wieder 60 km/h zugelassen werden könnten. Damals sei ihm geantwortet worden, dass dann das Überqueren der Straße für Fußgänger zu gefährlich sei. Erst nach dem Aufbau von Fußgängerampeln sei dies möglich. Das geschah. Doch es blieb beim Tempo-50-Limit. Auch, als noch weitere Fußgängerampeln installiert wurden. "Spielt dabei der Blitzer eine Rolle, durch den die Stadt so viele Einnahmen hat?", fragt Reuther.

Doch die Stadt führt einen anderen Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung an. "Innerhalb geschlossener Ortschaften kommt eine Anhebung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit grundsätzlich nur auf Vorfahrtsstraßen in Betracht, auf denen benutzungspflichtige Radwege vorhanden sind", erklärt das Straßenbauamt. Da der in Richtung Zentrum nicht vorhanden ist, könne eine Anhebung des Tempolimits nicht angeordnet werden. Der Straßenverkehrsbehörde sei die Ankündigung nicht bekannt, dort das Tempo wieder auf 60 km/h erhöhen zu wollen.

Für Radfahrer und Fußgänger ist der Weg neben der Bautzner Straße zu eng. Andreas Reuther schlägt vor, den rechts parallel verlaufenden Weg durch den Albertpark für Fußgänger auszuweisen. Dann könnten Radfahrer die Verbindung direkt neben der Straße nutze
Für Radfahrer und Fußgänger ist der Weg neben der Bautzner Straße zu eng. Andreas Reuther schlägt vor, den rechts parallel verlaufenden Weg durch den Albertpark für Fußgänger auszuweisen. Dann könnten Radfahrer die Verbindung direkt neben der Straße nutze © Marion Doering

Das Zusatzzeichen "Radverkehr frei" wurde in dem Fußweg-Abschnitt beseitigt, da er eine zu geringe Breite von 1,50 Metern hat. „Fußgänger haben hier keinen ausreichenden Schutz“, argumentiert das Straßenbauamt. Ein Radweg sollte gemäß den Empfehlungen für die Anlage von Radverkehrsanlagen eine Breite von zwei Metern haben. Dass Fußgänger nur den Weg auf der anderen Seite der Bautzner Straße nutzen, wie von Andreas Reuther vorgeschlagen, "ist unvereinbar mit den Bedürfnissen des Fußverkehrs", so die Stadt.

Reuther hat dafür einen anderen Vorschlag. "Fußgänger könnten doch ohne Weiteres und ohne Umwege den wenige Meter parallel verlaufenden Fußweg am Rande des Albertparks benutzen", schlägt er vor. "Das wäre gesünder und auch sicherer." 

Dann könnten sich die Grünen im Stadtrat doch dafür stark machen, den alten Radweg direkt an der Bautzner Straße wieder zu aktivieren. Schließlich würden sie sich doch immer für Radwege stark machen. Auch wenn der Weg nicht sehr breit sei, gebe es für Radfahrer dann in dem Bereich wenigstens einen sicheren Weg. Dann könnte das Tempo auf der Straße auch wieder auf 60 km/h erhöht werden.

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