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Autodiebstahl mit fatalen Folgen

Ein 42-jähriger Tscheche fuhr sich auf der Flucht vor der Polizei bei Sebnitz zu Tode – sein Komplize wurde nun in Dresden verurteilt.

Tödlicher Verkehrsunfall bei einer Verfolgungsfahrt. Im Januar starb ein 42- jähriger Autodieb, der kurz vor Sebnitz die Kontrolle über sein Fahrzeugvverloren hatte. Sein Komplize stand nun vor dem Amtsgericht Dresden. Die Männer gehörten zu einer tschec
Tödlicher Verkehrsunfall bei einer Verfolgungsfahrt. Im Januar starb ein 42- jähriger Autodieb, der kurz vor Sebnitz die Kontrolle über sein Fahrzeugvverloren hatte. Sein Komplize stand nun vor dem Amtsgericht Dresden. Die Männer gehörten zu einer tschec © Marko Förster

Dresden. Es war ein Autodiebstahl mit fatalen Folgen: Am frühen Morgen des 21. Januars dieses Jahres verunglückte ein 42-jähriger Mann auf einer Staatsstraße bei Sebnitz. Er war in einem Skoda Octavia auf der Flucht vor der Polizei. Nachdem er das Auto nachts in der Dresdner Hechstraße gestohlen hatte und auf der Autobahn 4 Richtung Bautzen fuhr, war einer Zivilstreife der Polizei das Auto aufgefallen.

In Burkau verließ der Dieb, Pavel P., die A 4 und raste über Land Richtung Sebnitz. Er verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam von der Straße ab und krachte gegen zwei Bäume. Noch während Retter versuchten, den 42-jährigen Schwerverletzten zu reanimieren, fing der Skoda Feuer und brannte aus. P. überlebte den Unfall nicht.

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Festgenommener gesteht Autodiebstahl

P. war nicht alleine in Dresden. Sein Komplize war Werner G., ein 39-Jähriger, der ebenfalls aus dem Raum Rumburk stammt. Er hatte ebenfalls einen Skoda Octavia gestohlen, der in der Florian-Geyer-Straße aufgebrochen worden war. Als P. die A 4 verließ, fuhr G. noch ein paar Kilometer weiter und versuchte sich dann ebenfalls über Landstraßen und Steinigtwolmsdorf nach Tschechien durchzuschlagen – ebenfalls verfolgt von der Polizei. Erst nach einer zweiten Polizeisperre konnte er gestoppt und festgenommen werden.

Am Freitag musste sich G. vor dem Amtsgericht Dresden wegen Bandendiebstahls in zwei Fällen verantworten. Bei seiner Festnahme hatte er zugegeben, bereits im Oktober 2019 gemeinsam mit P. in Dresden zwei Autos vom Typ Skoda Octavia gestohlen zu haben. Für die Taten fanden die Ermittler sogar völlig unabhängige Beweise: Sowohl G. als auch P. waren unabhängig voneinander an der Bautzner-/Ecke Löwenstraße in ihren kurz zuvor gestohlenen Autos geblitzt worden.

Bande aus dem Raum Rumburk

Die beiden Männer gehören zu einer Bande tschechischer Autodiebe aus dem Raum Rumburk. Sie steht schon länger im Visier der tschechischen Polizei – und auch der sächsischen. Der Angeklagte gab auch in seinem Prozess die beiden Diebstähle zu. Bei den Octavias handelte es sich um recht alte Fahrzeuge mit hoher Laufleistung. G. sagte, dass er nur diese beiden Male als Fahrer eingesetzt worden sei.

Als Lohn habe er von P. im Oktober 5.000 tschechische Kronen erhalten. „Pavel war der, der mich immer ausbezahlt hat“, sagte G. wörtlich. Das verräterische Wörtchen „immer“ könnte sogar für mehr solcher illegalen Autoüberführungen durch G. sprechen.

Der gelernte Elektriker ist mehrfach in Tschechien vorbestraft und war erst im September aus der Haft entlassen worden. Das spricht zumindest für ein sehr hohes Rückfalltempo. Er selbst sagte, er sei mit seiner Mutter nach Rumburk gezogen, habe ihr geholfen, ein Haus zu sanieren und habe unter akuter Finanznot gelitten.

Das Gericht, die Staatsanwältin und Verteidiger Jürgen Saupe hatten eine Vereinbarung getroffen, nach der der Angeklagte nur dann eine Bewährungsstrafe erhält, wenn er sich umfassend auch zu den Hintermännern einlässt. So berichtete der 39-Jährige schließlich auch von einem Vietnamesen, der ihn und P. nach Dresden gefahren habe. Der Mann sei in der Bande für die Werbung von Käufern zuständig. Er selbst, so G., sei jedoch erst kurz dabei gewesen und habe daher noch keinen großen Einblick in die Struktur der Gruppierung.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die es zur Bewährung aussetzte. Nach vier Monaten in Untersuchungshaft konnte G. daher das Gericht als freier Mann verlassen.

Allerdings hat das Gericht die Bewährungsdauer auf vier Jahre angesetzt. Das heißt, sollte G. in den nächsten vier Jahren wieder straffällig werden, muss er damit rechnen, auch die zwei Jahre für die beiden Autodiebstähle abzusitzen. „Das gilt übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien oder Polen, sagte der Vorsitzende Richter Markus Maier. „Das wissen viele nicht!“

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