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Ende im Streit um Schwarzbau im Hof

Eine Terrasse in der Dresdner Neustadt kommt den Vermieter teuer, dafür stellt der Richter einen anderen Vorwurf ein. Der kuriose Fall einer angeblichen "Rankhilfe".

Das viele Metall an der Fassade dieses Hinterhauses in der Martin-Luther-Straße sollte einmal den Zugang von der Hochparterre-Wohnung zu einer Innenhof-Terrasse ermöglichen. Die Terrasse war ein Schwarzbau und musste wieder abgebaut werden.
Das viele Metall an der Fassade dieses Hinterhauses in der Martin-Luther-Straße sollte einmal den Zugang von der Hochparterre-Wohnung zu einer Innenhof-Terrasse ermöglichen. Die Terrasse war ein Schwarzbau und musste wieder abgebaut werden. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Die Bewohner ihres schmucken Anwesens in der Martin-Luther-Straße sind überzeugt, dass der Vermieter ihnen nicht ganz uneigennützig eine große Terrasse in den Hof gesetzt hatte. Allerdings gibt es seitdem Probleme, denn der Bau war erstens nicht genehmigt – und zweitens sei auch noch trotz Baustopps weitergebaut worden, sodass der Schwarzbau auch im wörtlichen Sinn den Innenhof verdunkelt hatte. Das war im Frühjahr 2019.

Seit Februar hat Vermieter Frank P. (79) aus München vor dem Amtsgericht Dresden gegen zwei Bußgelder gekämpft, die er von der Stadt erhalten hatte. 4.000 Euro für den Bau und nochmals etwas über 4.000 Euro für den Verstoß gegen den Baustopp. Auch Rettungs- und Fluchtwege seien durch die Baumaßnahme in dem Hinterhof beeinträchtigt worden.

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Rankhilfe oder Terrasse?

Am Montag war der 79-jährige Münchner erstmals selbst in dem Verfahren anwesend, um seinen Plan zu erläutern. Für ein „Pflanzgerüst“ brauche es keine Baugenehmigung. Viele Innenhöfe dienten nur als Fahrradstellplatz, sie seien nicht schön. Es gebe noch viel zu tun.  Die „Rankhilfe“, so P., solle mehr Flair in seine Hinterhöfe bringen. Allerdings stritt der Mann ab, einen Mauerdurchbruch der Hochparterre-Wohnung geplant zu haben.

Während die Mieter von einer Terrasse sprachen, die dort entstehen sollte, damit P. die Mieten weiter erhöhen könne, hatte P.s  Anwalt sogar berichtet, das Gestell solle einmal eine Photovoltaik-Anlage tragen.

Die Mieter hatten als Zeugen berichtet, dass P. und ein Handwerker im Herbst 2018 abends bei einigen Mietern spontan vorbeigekommen seien, um Maße aufzunehmen - unter anderem, um ein Fenster zu einer Tür zu vergrößern, über die man dann auf die Terrasse gelangen könne. 

Natürlich ging es immer um eine Terrasse

P.s Architekt sprach dann überraschend ganz unverblümt von einer „Terrassen-Plattform“, die auch schön begrünt werden solle. Solche Konstruktionen habe P. öfter gebaut, um seine Höfe aufzuwerten - obwohl sie sich nach Überzeugung des Architekten nicht rechneten. Er selbst sei von P. jedoch erst mit der Entwicklung von Ideen beauftragt worden, nachdem die Stadt den Baustopp bereits ausgesprochen habe.

Ja, sagte der Architekt auf die bohrenden Fragen des Richters, der Vergrößerung eines Fensters zu einer Tür sei wohl nötig, um von der untersten Wohnung auf die Treppe zu kommen. "Das ist so auf den Fotos zu erkennen." 

Mieter stoßen sich an Metall-Treppe

Zu erkennen ist das im Übrigen auch heute noch. Denn während die Terrasse im Laufe des vergangenen Jahres wieder zurückgebaut wurde, prangt die Treppenkonstruktion dafür noch immer an der Hauswand. Mieter ärgern sich, dass sie sie immer wieder gegen die Metallkonstruktion stießen, wenn sie ihr Fahrrad aus dem Keller holten.

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Der Bußgeld-Prozess endete dann doch mit einer Art Vergleich: P. zahlt das Bußgeld für den nicht genehmigten Schwarzbau, Richter Jochen Meißner sicherte zu, dafür das zweite Bußgeld, die Missachtung des Baustopps, einzustellen. Einverstanden sei er nicht und er erkenne auch keinerlei Pflichten an, sagte P. am Ende - aber dieser für ihn doch recht günstigen Regelung stimmte er gleichwohl zu.

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