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So gewalttätig sind Dresdens Schüler

Körperliche Auseinandersetzungen nehmen zu, es gibt immer wieder Verletzte. Wo besonders viel passiert und wie die Gewalt verhindert werden soll.

Gewalttätige Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen sind vor allem an Oberschulen ein Problem. Dabei gibt es durchaus Schwerpunkte.
Gewalttätige Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen sind vor allem an Oberschulen ein Problem. Dabei gibt es durchaus Schwerpunkte. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Aggressive und körperliche Übergriffe unter Schülern sind kein Phänomen unserer heutigen Zeit - und doch sind wahrscheinlich die meisten Eltern besorgt, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht. Das schilderte im März auch ein Vater, dessen Sohn die 9. Klasse der Oberschule Cossebaude besucht. Der Grund: eine Massenschlägerei mit ungewöhnlicher Gewalt; mehrere Jugendliche wurden dabei verletzt, auch Schüler mit Migrationshintergrund waren beteiligt. Wie sich später herausstellt, war dieser Auseinandersetzung bereits ein anderer Vorfall mit einer Prügelei vorausgegangen. Für den beschaulichen Stadtteil Cossebaude eine ganz neue Situation. 

"Wir wohnen seit vielen Jahren in Cossebaude und die Oberschule ist gewiss keine Problemschule", sagte der Vater damals. Und tatsächlich ist die staatliche Einrichtung im Dresdner Westen in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht kaum auffällig gewesen. Das geht aus einer Übersicht hervor, die Sachsen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) im Rahmen einer AfD-Anfrage liefert.

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Einige Schulen besonders betroffen

Von 2016 bis Mai 2020 gab es insgesamt 158 Meldungen besonderer Vorkommnisse in Oberschulen in Dresden. Das antwortet Piwarz am 27. Mai dieses Jahres auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten André Wendt. Unter den Vorfällen, die den Schulalltag erheblich beeinflussen und dem Kultusministerium gemeldet werden müssen, finden sich Gewalt- und Drogendelikte genauso wie Beleidigung gegen Lehrer und sexuelle Belästigung. 

Dabei sind deutliche Schwerpunkte in Dresden auszumachen: Besonders häufig passieren derartige Vorfälle in der 107., 101., 82., 128. und 56. Oberschule. Allein 2019 gab es an der 101. Oberschule dutzende Vorfälle wie gefährliche Körperverletzung, Drohungen gegen die Schulleitung und Mitführen einer Soft-Air-Waffe. 2018 sorgten dort zwei Fälle für Aufmerksamkeit.  

Am 1. Juni 2018 erfuhr die Schulleitung von der Ankündigung einer Schlägerei zwischen Jugendgruppen mit Migrationshintergrund vor dem Gelände der 101. Oberschule. Mit Hilfe deeskalierender Maßnahmen der Schulleitung und der Zusammenarbeit mit der Polizei konnte die Schlägerei verhindert werden, so Kultusminister Piwarz auf eine Landtagsanfrage. Es kam niemand zu Schaden. Am 6. Dezember 2018 kam es zu einem weiteren Vorfall auf dem Schulgelände. Nach Schulschluss wurden drei Schüler der 101. Oberschule, alle mit Migrationshintergrund, von mehreren Jugendlichen, die nicht Schüler dieser Oberschule sind, angegriffen und verletzt.

Mögliche Lösung: Mehr Schulsozialarbeiter

Im Frühjahr 2019 sorgte wiederum die 107. Oberschule in Gruna für Schlagzeilen. Mitten am Tag wurde dort ein Lehrer niedergeschlagen. Der Fall erregte viel Aufmerksamkeit. Demnach wollte ein Schüler unter dem Vorwand, sein Handy holen zu wollen, mit zwei jungen Männern, die nicht zur Schule gehörten, das Schulgebäude an der Hepkestraße betreten. Als der Lehrer, der Aufsicht hatte, die drei nicht hinein ließ, schlug einer der Männer diesem ins Gesicht. Auch als das Opfer schon am Boden lag, wurde es weiter geschlagen, so das Ministerium. Erst nachdem der zweite fremde Erwachsene eingriff, verließen alle drei das Schulgelände.

Und doch gibt es Ansätze, das Gewaltproblem in den Griff zu bekommen. In Dresden haben alle staatlichen Oberschulen mindestens einen Schulsozialarbeiter, der den Kindern helfen soll, Konflikte zu lösen, so das Rathaus auf SZ-Anfrage. Nicht nur, wenn es Streit untereinander gibt, sondern auch bei Problemen mit Lehrern und Eltern. Es werde konkret jede Schule betrachtet und ermittelt, wie groß der Bedarf ist. So seien an einigen Schulen auch zwei Sozialarbeiter tätig. 

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Derzeit gibt es insgesamt an 73 Schulen, das heißt Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien, entsprechende Angebote der Schulsozialarbeit, rund 95 Vollzeitkräfte sind dafür im Einsatz. Dennoch gibt es auch Schulen in Dresden, die nicht über solch ein Angebot verfügen. Laut Rathaus sei es aber Ziel, Schulsozialarbeit an allen Schulen in Dresden zu etablieren. Das soll aber abhängig von dem vom Land bereitgestellten Geld passieren.

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