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Dresden gibt immer mehr für Werbung aus

Tüten, Notizblöcke und Taschentücher: Die Stadt lässt sich ihre Werbeartikel einiges kosten. Jetzt gibt es Kritik.

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© André Wirsig

Von Andreas Weller

Teure Werbung der Stadt: 216 940 Euro hat das Rathaus im vergangenen Jahr für Image- und Werbekampagnen ausgegeben. Das sind 30 000 Euro mehr als 2012 und liegt gut 50 000 Euro über dem Budget von 2011. Werbeartikel wie Kugelschreiber, Schlüsselbänder, Faltblätter für den Internetauftritt, aber auch Papiertüten, Notizblöcke, Taschentücher für insgesamt rund 22 000 Euro gehören zu den kleineren Posten. Allein für die Werbung für die Dresdner Debatte, dem Diskussionsforum von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), wurden gut 17 000 Euro auf den Tisch gelegt. Für das Amtsblatt wurde eine Kampagne mit Großplakaten, den sogenannten Citylights, für rund 1 000 Euro gemacht. Das offizielle Blatt der Stadt liegt in jedem Rathaus, Ortsamt, in Banken und an vielen Orten mehr kostenlos aus.

© André Wirsig

Teure Projekte der Stadt in Sachen Werbung waren der Striezelmarkt, mit rund 20 000 Euro, für den 13. Februar waren es knapp 18 000 Euro, gut 15 000 Euro für die Museumssommernacht und in das Image der Waldschlößchenbrücke wurden rund 5 000 Euro investiert. Für Europas blühendste Stadt, den Wettbewerb „Entente Florale“, wurden 6 500 Euro ausgegeben. Alles Ausgaben aus der Verwaltung selbst, nichts was die Dresden Marketing Gesellschaft getan hätte, die für die Vermarktung der Stadt zuständig ist.

Die gesamten Zahlen wurden jetzt durch eine Anfrage von Linke-Fraktions-Chef André Schollbach bekannt, auch die Antwort der Oberbürgermeisterin darauf. „In der Jugendarbeit fehlt Geld an allen Ecken und Enden“, so Schollbachs erste Reaktion: „Gleichzeitig werden durch die CDU-dominierte Stadtverwaltung Unsummen für Werbekram ausgegeben. Die Ausgaben dafür wurden innerhalb von nur zwei Jahren um satte 30 Prozent erhöht.“

Ausgaben sollen überprüft werden

Für die Verwaltung sind diese Kosten alle gut begründet und die Ausgaben wichtig. „In der Regel handelt es sich hier um ganz klassische Öffentlichkeitsarbeit mittels Flyern, Broschüren, Postkarten und Plakaten“, so Rathaussprecher Kai Schulz. Immerhin stehen der Stadt etwa 260 Flächen mit Citylight-Plakaten kostenlos zur Verfügung, dafür müsse sie aber die Plakate herstellen lassen. Das Amtsblatt beispielsweise zu bewerben, sei richtig, weil darin viele Dinge stehen, die die Dresdner sonst nicht erfahren würden. „Die Stadt schaltet keine kostspieligen Anzeigen in Zeitungen und macht keine Haushaltssteckungen“, rechtfertigt Schulz: „Alle Ämter sind dazu aufgefordert, für die Öffentlichkeit relevante Themen auch zu kommunizieren.“ Wichtige Publikationen wie der Demenzwegweiser oder höhere Auflagen für das Willkommenspaket für Neubürger, seien hinzugekommen. Auch die Dresdner Debatte sei neu und führe somit zu Mehrkosten. Insgesamt gehe es um 70 Projekte mit 145 Einzelmaßnahmen. „Da die Zahl der Projekte kontinuierlich gestiegen ist, steigen natürlich auch die Gesamtkosten“, so Schulz.

Mit derlei Aussagen gibt Schollbach sich nicht zufrieden. Zumal beispielsweise die Dresdner Debatte nicht 2013 entstanden sei. Tatsächlich hat Oberbürgermeisterin Orosz dieses neue Diskussionsform 2010 zum Thema Neumarkt ins Leben gerufen und danach jedes Jahr ein anderes Thema gesetzt. Im vergangenen Jahr war es der Verkehrsentwicklungsplan.

Generell findet Schollbach die Kosten zu hoch, zumal die Steuerzahler dafür aufkommen. „Die Ausgaben für Werbeartikel gehören auf den Prüfstand“, so Schollbach: „Ich erwarte, dass mit dem knappen städtischen Geld vernünftig umgegangen wird.“

Schulz verweist auf die höhere Transparenz der Verwaltungsarbeit für die Bürger durch Öffentlichkeitsarbeit: „Man denke nur an die Dresdner Debatte. Gerade Herr Schollbach fordert doch immer eine höhere Transparenz.“