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Dresdner Barockbrunnen sprudelt wieder

Den Brunnen im Gönnsdorfer Park in Dresden schmückt eine neue Sandsteinschale. Möglich wurde dies dank eines großzügigen Spenders.

Seit Freitag sprudelt das barocke Schmuckstück im Schönfelder Hochland wieder.
Seit Freitag sprudelt das barocke Schmuckstück im Schönfelder Hochland wieder. © René Meinig

Dresden. Zuletzt lief täglich nur noch eine Stunde Wasser aus dem Maul des steinernen Fisches in das Becken vom Springbrunnen im Gönnsdorfer Park. Die Hitze der letzten beiden Jahre ließ die Grundwasserstände absinken, das Wasser reichte nicht mehr für den Brunnen. Doch seit diesem Freitag sprudelt das Schmuckstück im Schönfelder Hochland wieder.

Möglich wurde das durch einen Mann, der sich zeitlebens an den Brunnen der Stadt erfreut hat und auch den Gönnsdorfer Barockbrunnen kannte: Wolfgang Gelpke.  Aus seinem Nachlass konnte die Sanierung des Brunnens finanziert werden. Gelpke hatte die Stadt Dresden zur Alleinerbin bestimmt und verfügt, dass sein Geld für den Bau oder die Reparatur eines Brunnens verwendet wird. Die 330.000 Euro für die Arbeiten kommen komplett aus seinem Nachlass.  

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Doch wer ist dieser großzügige Spender? Am 28. Mai 1931 geboren, macht Gelpke ab 1949 eine Ausbildung zum Zahntechniker und wird 1959 Meister dieses Berufes. Er lehrt an der Medizinischen Fachschule des Bezirkskrankenhauses Dresden-Neustadt und schließt 1968 ein Fernstudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam ab, danach lehrt er als Fachschuldozent. Gelebt hat er mit seiner Frau weitestgehend in Bühlau, später in Striesen. Das Paar war kinderlos. Gelpke stirbt am 2. Januar 2014.  

Seine Schwester Leonore und sein Bruder Manfred Gelpke, beide 80 Jahre alt, sind am Freitag zur kleinen Feier im Gönnsdorfer Park dabei. Sie erzählen, dass ihr Bruder Dresden sehr verbunden gewesen ist und auch für den Wiederaufbau der Frauenkirche gespendet hat. 

Laut Jörg Lange, dem stellvertretenden Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, hatte Gelpke eigentlich an einen Brunnen auf dem Weißen Hirsch gedacht. "Doch dort hat die Stadt keinen und der Gönnsdorfer hätte ihm sicher auch zugesagt." Lange hofft, dass künftig auch noch die Wege im Park neu gestaltet werden können. 

Das Ehepaar Gelpke.
Das Ehepaar Gelpke. © privat

Am denkmalgeschützten Brunnen, der um 1721 mit der Parkanlage des Gönnsdorfer Herrenhauses entstanden ist, musste viel repariert werden. Das Becken war undicht. Das über zwei Brunnen herangeführte Wasser lief schneller wieder weg, als es zu sehen war, sagt Margot Schwab, die im Amt für Stadtgrün für Dresdens Brunnen zuständig ist. Jetzt sind der Untergrund und die Seitenwände abgedichtet. "Wir haben uns im Vorfeld mit dem Amt für Denkmalpflege über jeden Schritt abgestimmt", sagt sie.

Hier entspannte sich schon August der Starke

Das Amt hat auch entschieden, die große Schale neu herzustellen. Steinmetzmeister Jens Schrot von der Firma Fuchs & Gierke hat sie aus einem 3,5 Tonnen schweren Lock aus Reinhardtsdorfer Sandstein herausgearbeitet. Im November 2019 hat er damit begonnen, nach sieben Wochen war die Schale fertig. Im Mai wurde das Teil mit einem großen Kran auf das Postament gehoben. Das Original steht jetzt vor der Zionskirche in der Südvorstadt, dem Lapidarium der Stadt. Eine Umwälzpumpe kombiniert mit einer UV-Anlage soll auch ohne Chemie für gute Wasserqualität im Brunnen sorgen. Die Technik ist in einem großen Betonelement im Boden eingebaut.

Schon August der Starke soll sich übrigens am sanften Plätschern des Brunnens erfreut haben. Reichsgräfin Agnes von Manteuffel, die das Herrenhaus mit Park errichten ließ, hatte gute Kontakte zum sächsischen Hof und lud den Kurfürsten wohl öfter ein. Vermutet wird, dass sie für die Gestaltung des Brunnens auf den Hofbildhauer Francois Coudray zugreifen konnte. Seinem Vater wird das Mitwirken am Delphinbrunnen auf der Brühlschen Terrasse gemeinsam mit Johann Gottfried Knöffler zugeschrieben. 

In den Jahren 2003/04 wurde der Gönnsdorfer Brunnen schon einmal mit Geld aus der Heinz-Murmann-Stiftung saniert, allerdings sollte damals kein Wasser fließen, der Brunnen nur zum Schmuck im Park dienen.  An Tafel am Beckenrand weist jetzt auf die beiden Spender hin. 

Spenden auch für weitere Brunnen

Übrigens  gab es bereits Spenden aus Nachlässen, die explizit für Dresdner Brunnen gedacht waren. So gab es den Nachlass Sprung, aus dem unter anderem die Sanierung des Brunnens im Blüherpark  bezahlt werden konnte. Mit Spenden überhaupt, auch von Stiftungen, wurden außerdem weitere Brunnen saniert und instand gesetzt, informiert die Stadt. 

Fast alle Dresdner Brunnen laufen derzeit

Manfred Gelpke, der Bruder des Spenders, freut sich, was mit den über 300.000 Euro geschaffen wurde.
Manfred Gelpke, der Bruder des Spenders, freut sich, was mit den über 300.000 Euro geschaffen wurde. © René Meinig

In Dresden gibt es mehr als 300 Brunnenanlagen, davon sind 88 in der Verwaltung des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Es handelt sich dabei um Springbrunnen- und Fontänenanlagen, um Trinkbrunnen und um Schwengelpumpen. Fast alle davon laufen zurzeit: Nur der östliche Brunnen auf dem Neustädter Markt, der Brunnen an der Ecke  Thäter-/Mengsstraße sowie die Becken auf dem Wiener Platz sind außer Betrieb. "Hier sind in allen Fällen kostspielige Komplettsanierungen erforderlich", sagt Stadtsprecherin Anke Hoffmann.

Zuwendungen wünscht sich die Stadt für die beiden Brunnen rechts und links vom Goldenen Reiter auf dem Neustädter Markt. Im Zusammenhang mit der
Neugestaltung des Neustädter Marktes müssen diese beiden Brunnen umfassend
saniert werden. Das betrifft sowohl die Baukörper als auch die
Springbrunnentechnik.

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