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Goldener Reiter soll wieder Zaun erhalten

Wieder muss das berühmte Denkmal für viel Geld von Vandalismusschäden befreit werden. Sachsens Denkmalpflege fordert nun eine dauerhafte Lösung.

Zwischen den Sandsteinpollern könnte wieder ein Ziergitter installiert werden. Das wünscht sich zumindest das Landesamt für Denkmalpflege.
Zwischen den Sandsteinpollern könnte wieder ein Ziergitter installiert werden. Das wünscht sich zumindest das Landesamt für Denkmalpflege. © Marion Doering (Archiv)

Dresden. Fast jedes Jahr werden Tausende von Euro in den Goldenen Reiter gesteckt. Nicht nur, weil Regen, UV-Strahlung und Vogelkot ihre Spuren hinterlassen. In den vergangenen Jahren liefen gefährliche Säure und klebrige Cola über das Dresdner Wahrzeichen. Bei waghalsigen Kletter-Aktionen im Schutze der Dunkelheit brach Augusts Schwertscheide ab. Nun werden die Stimmen nach einem dauerhaften Schutz vor Vandalismus lauter.

Es ist das Landesamt für Denkmalpflege, das eine Hürde für Kletterer fordert. "Zum Schutz des einzigartigen Denkmals" werde die Aufstellung eines Ziergitters angestrebt, das es dort schon einmal gab. Es ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Das neue Gitter soll sich an diesem historischen Vorbild orientieren.

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Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es bereit ein Ziergitter um den Goldenen Reiter.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es bereit ein Ziergitter um den Goldenen Reiter. © SZ-Archiv

"Es ist ein Wunsch, den wir gern mal wieder ins Gespräch bringen wollen", sagt Sprecherin Sabine Webersinke. Die Immobilie selbst gehöre der Stadt Dresden. Beim Goldenen Reiter handele es sich nicht um irgendein Denkmal, sondern um eines der ganz wenigen weltweit erhalten gebliebenen Standbilder aus getriebenem Kupferblech aus der Zeit des Barocks und somit um ein besonders bedeutendes Kulturdenkmal. Anhand eines Gipsmodells des Bildhauers Jean Joseph Vinache schuf der Kunst- und Kanonenschmied Ludwig Wiedemann zwischen 1732 und 1734 das Standbild, das Postament entwarf der Architekt Zacharias Longuelune. 

Ein Gemälde in der Galerie werde schließlich auch abgesperrt, so Webersinke. Trotz Haushaltssperre gebe die Stadt dieses Jahr wieder viel Geld für die Beseitigung der Vandalismusschäden aus. "Dieses Geld hätte man sich auch sparen können."

Ein Zaun wie früher oder eine einfache Absperr-Kette sind seit Jahren im Gespräch. Dass man sich nicht schon eher dafür entschied, hat Gründe: So war das alte Ziergitter keine zwei Meter hoch. Auch die Kette würde in Hüfthöhe gespannt. Für Kletterer wäre es also  ein Leichtes, diese Hürde zu überwinden, hatte zum Beispiel Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) im vergangenen Jahr gesagt. 

Experten des Landeskriminalamtes argumentierten dagegen für ein Gitter oder eine Kette, da auch sie - trotz ihrer geringen Höhe - die Hemmschwelle erhöhen würden, auf das Denkmal zu klettern. Dem schließen sich die Denkmalpfleger an. Eine psychologische Hürde sei besser als gar keine.

Letzte Restaurierung sollte 30 Jahre halten

Das Landesdenkmalamt betont, wie aufwändig und kostenintensiv die aktuell stattfindende Restaurierung sei. Am Reiter, am Pferd und am Postament seien Schäden entstanden. so klebt auf dem goldenen Hinterteil des Tiers abgeriebene Schuhsohle. Das ist aber noch der geringste Schaden. An den Sandsteinkronen sind Teile herausgebrochen. Passiert ist das vermutlich bei einer weiteren Kletteraktion. Noch einmal können die Bruchstücke nicht verwendet werden. Weitere Schäden gibt es durch einen Angriff mit ätzender Flüssigkeit vor drei Jahren. 

Die Stadtverwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von 30.000 Euro für den Reiter selbst und noch einmal 7.500 Euro für den Sandstein. So muss eine Fläche von acht Quadratmetern neu vergoldet werden. Am Postament wurde in den vergangenen Wochen bereits neuer, heller Sandstein eingefügt. Ein Teil der Kosten wird über das Landesprogramm für Denkmalpflege bezahlt. Bis Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt der Goldener Reiter hinter weißen Planen verhüllt.

Aktuell wird der Goldene Reiter wieder einmal restauriert. Bis Ende September bleibt er deshalb verhüllt.
Aktuell wird der Goldene Reiter wieder einmal restauriert. Bis Ende September bleibt er deshalb verhüllt. © Christian Juppe

Eine Videoüberwachung des Reiters kommt für die Stadtverwaltung übrigens nicht infrage. Immerhin handele es sich um einen öffentlichen Raum, den die Kameras im Visier hätten. Dies sei unangemessen, so der Baubürgermeister nach der letzten Restaurierung im vergangenen Jahr. Außerdem müsste die Leuchtkraft der Laternen verstärkt werden, da auf den Überwachungsbildern sonst nichts zu erkennen wäre. Dies könnte wiederum Ärger mit den Bewohnern des Neustädter Marktes geben.

In den Jahren 2000 bis 2003 konnte der Goldene Reiter dank der Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und mit einer Konzeption des Landesdenkmalamtes umfassend konserviert und restauriert werden. Um die 30 Jahre sollte alles halten, hieß es nach der Restaurierung, die 140.000 Euro kostete und gut eineinhalb Jahre dauerte. Zuvor war das Denkmal fast 40 Jahre ohne neue Goldschicht ausgekommen.

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