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Habe ich Grippe oder Corona?

In Dresden gibt es deutlich mehr Grippefälle als im Vorjahr zur gleichen Zeit. Zudem häufen sich Sorgen über den neuen Erreger. Alles, was Sie dazu wissen sollten.

Husten- und Schnupfenzeit fallen mit der Coronavirus-Epidemie zusammen. Viele Dresdner sind besorgt.
Husten- und Schnupfenzeit fallen mit der Coronavirus-Epidemie zusammen. Viele Dresdner sind besorgt. © dpa/Maurizio Gambarini

Dresden. In Deutschland sind mittlerweile 14 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Dresden blieb zwar bislang verschont. Aber in der Bevölkerung scheinen sich die Sorgen über den neuen Erreger zu häufen, wie Jens Heimann, der Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes, erklärt. 

Was verunsichert die Menschen am meisten?

"Das Gesundheitsamt erhält durchweg Fragen aus der Dresdner Bürgerschaft, die ganz unterschiedlicher Art waren", so Heimann. "Von effektiven Schutzmaßnahmen, die sich vor allem an der in der Influenza-Zeit üblichen Nieß- und Hustenetiquette orientieren sollten, bis zum Umgang mit erhaltenen Postsendungen aus China waren die Themen breit gefächert." 

Die Coronavirus-Epidemie tritt zu einem Zeitpunkt auf, zu dem auch Erkältungs- und Grippeviren grassieren. Die Verunsicherung bei auftretenden Grippe-Symptomen sei groß, dass es sich dabei um eine Infektion mit dem neuen Erreger handeln könnte, so Heimann. Nicht nur in den Krankenhäusern werde nachgefragt, auch beim Gesundheitsamt würden sich immer wieder Dresdner melden. "Hier war der Weg richtig, sich beraten zu lassen", sagt der Amtsarzt. Viele Fragen hätten beantwortet und Verunsicherungen aus dem Weg geräumt werden können. Bestätigt habe sich der Verdacht bislang nirgends.

Auch Unternehmen haben sich bei der Stadt gemeldet. "Natürlich sorgen sie sich um Kollegen, die in China tätig waren oder sind. Auch hier stehen wir beratend zur Seite."

Wie unterscheidet sich das Corona-Virus symptomatisch von der normalen Erkältung und der echten Grippe?

"Es gibt keine grundsätzlichen Unterscheidungsmerkmale", sagt Heimann. Ob Influenza oder Corona - bei Infektionen mit beiden Viren könnten Symptome wie Husten, Schnupfen, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen sowie Fieber auftreten. "Wobei wir an dieser Stelle natürlich darauf hinweisen müssen, dass wir mit dem neuen Coronavirus keine praktischen Erfahrungen haben." 

Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen, ergänzt das Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten.

Amtsarzt Jens Heimann leitet das Dresdner Gesundheitsamt.
Amtsarzt Jens Heimann leitet das Dresdner Gesundheitsamt. © Sven Ellger (Archiv)

Wenn es kaum Unterschiede gibt, wie sollen sich Dresdner verhalten, die das neue Virus bei sich vermuten?

"Wer sich unsicher ist, dem empfehlen wir, den Kontakt zu uns herzustellen", rät Jens Heimann. "Wir können im Gespräch mit der betroffenen Person die Symptome abklären." Sollte sich ein Verdacht auf das neuartige Corona-Virus erhärten, könne man die entsprechende Diagnostik einleiten. Einen Schnell- oder Selbsttest gebe es bislang nicht. Heimann stellt aber auch klar, dass man sich mit dem neuen Coronavirus nur durch direkten Kontakt infizieren könne. Das heißt, man hätte Kontakt zu einem  Erkrankten haben müssen oder eben jemandem, der sich in einem Risikogebiet aufhielt.

Was ist gefährlicher: eine Grippe oder eine Infektion mit dem Corona-Virus?

"Letztlich steht die Frage, woran man die Gefährlichkeit festmacht", so Heimann. "Bei beiden Infektionen gibt es mildere und schwerere Verläufe. Mit Blick auf die Erkrankungszahlen ist die Influenza in Deutschland aktuell vordringlicher." Wirklich beantworten lasse sich die Frage aber nicht.

In Dresden gibt es in dieser Grippesaison schon einen Influenza-Toten. Verläuft die Grippewelle diesmal heftiger?

Von Anfang Oktober bis einschließlich 9. Februar sind dem Gesundheitsamt 1.139 Influenza-Erkrankungen in Dresden gemeldet worden. Zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres waren es lediglich 481 Menschen, die nachweislich an Grippe erkrankt waren. "Diese Differenz lässt aber keinen Rückschluss darauf zu, ob die Influenza-Saison tatsächlich heftiger ausfällt als im vergangenen Jahr", erklärt der Amtsarzt. So habe die Grippesaison im vergangenen Jahr später begonnen. "Ein wirklicher Vergleich lässt sich also erst nach Ende der Saison ziehen."

Sind bestimmte Altersgruppen besonders häufig betroffen?

Laut Gesundheitsamt verteilen sich die Grippe-Zahlen einigermaßen gleichmäßig auf die Altersgruppen.

Sollten sich die Dresdner noch impfen lassen?

"Grippeschutzimpfungen werden noch angeboten", so Heimann. Auch die städtische Impfstelle auf der Bautzner Straße 125 habe den Impfstoff noch vorrätig. "Besonders empfohlen wird die Impfung während der gesamten Influenza-Saison für Personen mit einer Immunschwäche sowie für Kinder, Ältere und schwangere Frauen."

Wie wirksam ist der Impfstoff in dieser Saison?

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Die bisher nachgewiesenen Stämme würden den Komponenten des Impfstoffs entsprechen, so der Amtsleiter. Allerdings gebe es auch mit Impfung keinen hundertprozentigen Schutz. "Die meisten Erkrankten sind allerdings nicht geimpft."

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