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Grüne wollen Lichdi an die Kette legen

Vor dem Parteitag der Dresdner Grünen droht Ärger. Mehrere Mitglieder wollen den umstrittenen Stadtrat Johannes Lichdi zu mehr Disziplin zwingen.

Dresdens Grünen-Politiker Johannes Lichdi wird häufig laut, das könnte ihm zum Verhängnis werden.
Dresdens Grünen-Politiker Johannes Lichdi wird häufig laut, das könnte ihm zum Verhängnis werden. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Bei Dresdens Grünen fliegen häufig intern die Fetzen. Eine Zeit lang hieß es jeder gegen jeden. Mittlerweile ist nach außen weitestgehend Ruhe eingekehrt. Doch intern brodelt es weiter. 

Stein des Anstoßes ist häufig Johannes Lichdi. Der poltert gegen andere, sagt seine Meinung klar und deutlich, manchmal für einige zu deutlich.

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Genau das soll nun unterbunden werden. Sechs Mitglieder der Grünen haben einen Antrag für den Parteitag an diesem Mittwoch eingebracht. Beschließen die Grünen diesen, würde Lichdi sozusagen an die Kette gelegt werden.

Die Mitglieder fordern "eine nüchterne Bilanz der Arbeit der Stadtratsfraktion". Sie meinen, bei dieser falle immer wieder das Wirken eines Protagonisten auf: Johannes Lichdi. 

Kritik an Lichdi: "Respektloser Umgang mit Bürgern"

In dem Antrag heißt es zu Lichdi. "Der Neustädter Stadtrat hat trotz seines enormen Erfahrungsschatzes und wider besseren Wissens die Arbeit der Fraktion im vergangenen Amtsjahr durch sein Verhalten sabotiert." Es ist von "rücksichtslosem Umgang mit Kollegen und Kolleginnen, gezielte Attacken innerhalb der Fraktion, Disziplinlosigkeit, respektlosem Umgang mit Bürgern auf Veranstaltungen der Fraktion, Tobsuchtsanfällen und Schlagabtausch auf offener Bühne" die Rede.

Lichdi habe damit das öffentliche Ansehen der Fraktion und der Partei wiederholt beschädigt. Sein Auftreten und Umgang machten seine Arbeit "im politischen Diskurs unbrauchbar", steht im Antrag.

Deshalb sollen die Mitglieder beschließen, "das rücksichtslose, egomanische und schädliche Verhalten des Stadtrates Johannes Lichdi zu verurteilen und ihn zur Fraktionsdisziplin und Kollegialität aufzurufen". 

Zudem solle Lichdi Rechenschaft über seine persönliche Stadtratsarbeit und seinen "Beitrag zum Ansehen von Fraktion und Partei in Dresden" vor der Mitgliederversammlung durch mündliche Erklärung ablegen. Auch die Fraktion solle sich mit Lichdi auseinandersetzen und eine Basis für die weitere Zusammenarbeit finden.

Lichdi: "Ich muss das nicht kommentieren"

Wortführer der Antragsteller ist Martin Sicker. Dieser arbeitet für Thomas Löser im Landtag. Löser war bis zu seinem Einzug in den Landtag einer von zwei Fraktionschefs der Grünen im Stadtrat. Nun ist er Abgeordneter im Landtag und wie Lichdi Dresdner Stadtrat. Löser gilt als Kritiker Lichdis. "Ich bin niemandes Feind, betont Löser. "Ich bin ein Freund guter Manieren und engagierter Politik." Er habe mit dem Antrag aber nichts zu tun, sagt Löser. "Diese Diskussion gehört in die Fraktion, dort muss es geklärt werden". Damit deutet Löser an, dass der Antrag nicht auf Parteiebene debattiert werden solle.  

In diesem steht zudem, Lichdi verhindere mit seinem Verhalten eine erfolgreiche Arbeit der Grünen-Fraktion. "Aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat kann Johannes Lichdi die Fraktion zur Duldung seiner Disziplinlosigkeit erpressen." Durch die "verheerende Außenwirkung" werde auch das Ansehen der Partei in Dresden erheblich beschädigt.

Nun, ein Jahr nach der Stadtratswahl, müsse die "Notbremse" gezogen werden, um die kommenden vier Jahre Stadtratsarbeit zu "retten", fordern Sicker und Co.

Lichdi ist jetzt 56 Jahre alt, seit etwa 30 Jahren in der Politik, war auch mal Landtagsabgeordneter, Ortsbeirat (jetzt Stadtbezirksbeirat) in der Neustadt und Stadtrat. Er ist tatsächlich bekannt für emotionale Ausbrüche, hat bereits öffentlich Autofahrer in der Neustadt angebrüllt, weil er diese am liebsten autofrei hätte. Wenn es innerhalb der Fraktion kracht, ist Lichdi meist dabei. Zuletzt hat er sich mit seinem Fraktionskollegen Michael Schmelich in einer Ausschusssitzung derart in die Wolle bekommen, dass beide anfingen zu brüllen und sich zu beleidigen.

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