merken
PLUS Dresden

Dresden: Über 1.000 Fälle häuslicher Gewalt

Oft sind Frauen die Opfer von Schlägen und Tritten. Die Polizei spricht von einem Gewaltkreislauf. Jetzt soll die Stadt aktiv werden.

Mindestens jede vierte Frau habe wenigstens eine Form von Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner erlebt.
Mindestens jede vierte Frau habe wenigstens eine Form von Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner erlebt. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Ohrfeigen, Tritte in den Bauch oder blaue Flecken im Gesicht. Das traurige Thema Gewalt in der Partnerschaft ist auch in Dresden ein Problem. Im Jahr 2018 gab es 1.105 Fälle in der Stadt. Die Zahlen für 2019 und 2020 liegen laut Dresdner Polizei noch nicht vor. 

Die Entstehungsformen von häuslicher Gewalt sind laut Polizeisprecher Marko Laske sehr vielfältig. Wenn die Polizei zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen wird, sei es meist nicht der erste "Übergriff", der stattgefunden hat. "Typisch für die häusliche Gewalt ist der sogenannte Gewaltkreislauf oder die Gewaltspirale, die es den Betroffenen auch schwer macht, aus ihr auszubrechen", erklärt Laske. Typisch für die häusliche Gewalt ist auch ein sehr hohes Dunkelfeld, wonach bei der Polizei nur "die Spitze vom Eisberg" bekannt wird.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Gewalt gegen Frauen findet in erster Linie zu Hause, zum überwiegenden Teil durch die männlichen Partner statt, erläutert der Sowieso-Verein, der Frauen in Dresden unter anderem zu diesem Thema berät. Mindestens jede vierte Frau habe wenigstens eine Form von Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner erlebt. Bei den Gewalthandlungen handelt es sich überwiegend, zu zwei Dritteln, um Wiederholungstaten.

Häusliche Gewalt dauert oft über Jahre an und nimmt in der Regel mit Dauer der Paarbeziehung an Häufigkeit und Intensität zu, so der Sowieso-Verein. Gibt es Kinder in der Beziehung, ökonomische Abhängigkeit sowie ein gesellschaftliches Umfeld, das häusliche Gewalt bagatellisiert, dauert die Lösung aus der toxischen Beziehung oft noch länger. Hinzu komme, dass bei Trennung oder Trennungsabsicht die Gefahr einer Eskalation der Gewalt bestehe, so die Sozialarbeiter. Betroffene benötigen Beratung, Stärkung und praktische Hilfe, um eine Veränderung ihrer Lebenssituation zu bewirken.

Anstieg der Hilfegesuche im Dresdner Frauenhaus

"Für die Betroffenen besteht immer die Möglichkeit eine Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt sowie ein Frauenschutzhaus oder eine Männerschutzwohnung aufzusuchen, um Schutz zu erhalten", so Polizeisprecher Marko Laske. In akuten Gefahrensituationen sollten die Opfer den Notruf wählen. Die Polizei hat dann die Möglichkeit, bei Vorliegen der Voraussetzungen den Täter bis zu 14 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen. Außerdem gebe es die Möglichkeit, dass die Opfer beim Familiengericht einen Beschluss und damit ein sogenannte Annäherungs- und Kontaktverbot sowie die Möglichkeit einer Wohnungsüberlassung erwirken.

In Dresden gibt es eine Kooperationsvereinbarung der Polizei mit der Dresdner Interventions- und Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt/Gewalt im sozialen Nahraum (DIK). Diese würde sich dann mit dem Opfer in Verbindung setzen, es beraten und begleiten. Die Polizei rät dazu, dass die Opfer sich Hilfe in einer derartigen Beratungsstelle holen, da es erfahrungsgemäß sehr schwer oder nicht möglich sei, aus eigener Kraft aus einem Gewaltkreislauf wieder auszubrechen.

Im Stadtrat wurde ein Antrag der SPD-Fraktion verabschiedet, die Instanbul-Konvention umzusetzen und sich damit stärker gegen häusliche und sexualisierte Gewalt einzusetzen. Besonders während der Zeit der coronabedingten häuslichen Isolation gab es bundesweit laut verschiedenen Trägern ein steigendes Maß an häuslicher Gewalt, vor allem gegen Frauen und Kinder. 

Auch in Dresden musste in den vergangenen Wochen ein Anstieg der Hilfegesuche im Frauenhaus beobachtet werden. Schon im "Normalbetrieb" sind die Platzkapazitäten dort teilweise nicht ausreichend, wodurch hilfesuchende Frauen teilweise abgewiesen werden mussten. 

Weiterführende Artikel

Die Sorge vor häuslicher Gewalt wächst

Die Sorge vor häuslicher Gewalt wächst

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, sollen die Menschen zu Hause bleiben. Opfer von Gewalt sind mit ihren Peinigern quasi eingesperrt.

Polizei registriert mehr häusliche Gewalt

Polizei registriert mehr häusliche Gewalt

Die Zahlen steigen seit Jahren. Nun werden wegen Corona noch mehr Opfer befürchtet. Hilfe und Beratung sind dringender denn je.

Der Stadtrat hat nun die Stadt  beauftragt, Plätze in den Frauen- und Männerschutzwohnungen und Beratungsstellen zu erhöhen. "Neben den vielen wirtschaftlichen Herausforderungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat, dürfen soziale Problem- und Krisenlagen nicht unter den Tisch fallen", so SPD-Stadtrat Richard Kaniewski. "Deswegen müssen die bestehenden Anlaufstellen ausgebaut und für alle zugänglich gemacht werden."

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden