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Dresden hat einen neuen Hungerstein

Der Elbpegel steht sehr niedrig. Engagierte Bürger haben jetzt einen Stein markiert. Sie knüpfen damit an eine alte Tradition an. 

Dieser Stein an der Augustusbrücke soll späteren Generationen zeigen, wie niedrig das Wasser im Juli 2019 gestanden hat.
Dieser Stein an der Augustusbrücke soll späteren Generationen zeigen, wie niedrig das Wasser im Juli 2019 gestanden hat. © Bernd Gross

Maschinenbauer Rico Wächtler hatte diese Woche eine ungewöhnliche Aufgabe. Mit dem Akkuschrauber befestigte der Dresdner Firmeninhaber am Mittwoch eine Edelstahltafel an einem Sandsteinblock, der im Normalfall unter Wasser liegt, am Fuße der Augustusbrücke. 

Doch der Elbpegel ist auf 61 Zentimeter gefallen. Somit liegt der Stein frei. Auf der Tafel sind unter anderem ein Gedicht und die Jahreszahl 2019 eingefräst. Somit gibt es dort wieder einen sogenannten Hungerstein.

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Damit wird an eine alte Tradition angeknüpft. Bei lange anhaltender Trockenheit sinkt der Elbpegel deutlich. Aus dem Wasser tauchen auch in Dresden Hungersteine mit alten Jahreszahlen auf. Diese Steine wurden vor Jahrhunderten so genannt, weil bei Dürre und ausfallenden Ernten Lebensmittel knapp wurden und die Bevölkerung Hunger litt.

Die Idee für Dresdens neuen Hungerstein war dem Hobbygeschichtsforscher Bernd Gross gekommen. Der 69-Jährige hatte im vergangenen Jahr SZ-Berichte über Dresdner Hungersteine gelesen und darüber, dass es derzeit an der Augustusbrücke keinen gibt. Also forschte der einstige Informatiker zu Hungersteinen und suchte Verbündete. 

So unterstützte ihn Gisela Haupt, die Vorsitzende des Pentacon e.V. Gross verfasste folgendes Gedicht, das Maschinenbauer Wächtler in die Tafel fräste: „Die Hungersteine: Wenn Du mich siehst, so denk daran: Die Zeit der Dürre fängt nun an. Das Wasser flach im Bett der Elbe, Welch Bild von Zeit zu Zeit aufs Selbe. Die Hungersteine weit und breit. Zum Klimaschutz ist‘s höchste Zeit!“ Mit den Namen der Initiatoren und dem Vermerk Juli 2019 ist es jetzt auf dem Stein am Neustädter Elbufer zu sehen.

Maschinenbauer Rico Wächtler hat die beschriftete Tafel dafür in seiner Dresdner Firma hergestellt. 
Maschinenbauer Rico Wächtler hat die beschriftete Tafel dafür in seiner Dresdner Firma hergestellt.  © Bernd Gross

„Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, dass wir etwas für den Klimaschutz unternehmen müssen“, nennt Gross sein wichtigstes Anliegen. Denn er sieht es nicht als Zufall an, dass nach dem extrem trockenen Jahr 2018 auch jetzt die Elbe schon wieder so niedrig steht. 

In den vergangenen 31 Tagen habe ihr Pegel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Zentimeter tiefer gelegen. Darunter leide besonders die Sächsische Dampfschiffahrt, für die er sich im geplanten Förderverein engagieren will.

Früher habe es an der Augustusbrücke schon einmal einen Hungerstein gegeben mit der Jahreszahl 1669. Er war vom Lutherischen Pastor Paul Christian Hilscher in einer Chronik erwähnt worden. Offenbar sei diese Niedrigwassermarke aber mit dem Bau der Pöppelmannschen Elbebrücke ab 1727 verschwunden.

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