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Dresden: Hier leben die meisten Arbeitslosen

Bevor die Corona-Krise begann, glänzte Dresden mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1990. Innerhalb der Stadt gibt es aber große Unterschiede.

Gorbitz gehört zu den Dresdner Stadtteilen mit der höchsten Arbeitslosigkeit.
Gorbitz gehört zu den Dresdner Stadtteilen mit der höchsten Arbeitslosigkeit. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Bis die Corona-Krise zuschlug, waren in Dresden so wenige Menschen arbeitslos wie noch nie seit der Wende. Zwischen den Stadtteilen gibt es allerdings große Unterschiede, wie eine Auswertung der Stadtverwaltung zeigt. 

Wie viele Dresdner haben Arbeit?

Fast alle, die arbeiten gehen können, haben auch einen Job. Ende letzten Jahres galten lediglich 5,3 Prozent der erwerbsfähigen Dresdner als arbeitslos. Das waren knapp 15.700 Menschen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 11,4 Prozent, also fast 30.000 Menschen. Zu der Entwicklung haben die Ansiedlung neuer Unternehmen, die Erweiterung der Dresdner Einkaufszentren, aber auch der wachsende Tourismus beigetragen, der die Eröffnung weiterer Hotels bewirkte. Die Corona-Krise hat das Bild in den vergangenen Wochen allerdings zum Negativen verändert: So ist die Arbeitslosenquote im Juni auf 6,5 Prozent gestiegen.

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Heißt das, fast 95 Prozent haben Arbeit?

Nicht ganz, denn es gibt auch Dresdner, die nicht in der Arbeitslosenquote auftauchen, jedoch auch kein reguläres Arbeitsverhältnis haben. Das sind zum Beispiel Menschen, die etwa wegen einer Erkrankung kurzfristig nicht arbeiten können, oder Menschen, die an einer Maßnahme zur Arbeitsförderung teilnehmen. Das waren Ende 2019 noch einmal fast 6.600 Menschen. Zählt man die Arbeitslosen und diese Unterbeschäftigten zusammen, so kommt man auf eine Quote von 7,3 Prozent. Die Stadt spricht von versteckter Arbeitslosigkeit.

Wo sind die meisten Menschen arbeitslos?

Fast 3.000 Arbeitslose leben im Stadtbezirk Cotta sowie in den westlichen Ortschaften. Brennpunkte sind hier die Gorbitzer Stadtteile. Am zweithöchsten ist die Arbeitslosigkeit im Prohliser Stadtbezirk (2.266), gefolgt von der Dresdner Altstadt (1.953), zu der neben der Inneren Altstadt auch die Johannstadt, die Wilsdruffer Vorstadt, die Pirnaische Vorstadt oder die Friedrichstadt gehören. In der Altstadt gibt es auch die meisten ausländischen Arbeitslosen.

Es ist dabei nicht so, dass die Gorbitzer, die schon vor zehn Jahren in dem Stadtteil lebten und damals nicht auf Hartz IV angewiesen waren, plötzlich ihren Job verloren hätten oder nun so wenig verdienen würden, dass sie aufstocken müssten. Es sind einfach zusätzliche Menschen in die beiden Viertel gezogen, die finanzielle Hilfe brauchen. Hauptursache sind die steigenden Mieten in Dresden. Können sich Menschen in anderen Stadtteilen die Wohnung nicht mehr leisten, schauen sie dort nach, wo es noch günstig ist. Hinzu kommen anerkannte Asylbewerber, die ohne Job ebenfalls keine Chance auf eine Wohnung in einem anderen Stadtteil haben. Die Folge: Einkommensschwache Menschen konzentrieren sich auf die Stadtteile Gorbitz und Prohlis.

Kaum Probleme mit Arbeitslosigkeiten haben die Menschen, die im Stadtbezirk Loschwitz sowie in der Ortschaft Schönfeld-Weißig wohnen. Dort haben lediglich 406 Erwerbsfähige keinen Job. Ähnlich sieht es in Klotzsche, Weixdorf und Langebrück aus.

Sind Langzeitarbeitslose noch ein Problem?

Tatsächlich bilden Langzeitarbeitslose in Dresden die größte Gruppe unter den Arbeitslosen. Neben dieser Gruppe werden unter anderem noch junge Arbeitslose und ältere Arbeitslose statistische erfasst. Als Langzeitarbeitslose werden Menschen bezeichnet, die ein Jahr oder länger ohne Arbeit sind. Die Stadtverwaltung hat aufgeschlüsselt, wer das ist. So sind 65 Prozent von ihnen jünger als 55 Jahre. Etwa genauso viele haben einen Berufsabschluss. Auch aufs Geschlecht hat die Stadt geschaut. Demnach sind 60 Prozent der Langzeitarbeitslosen Männer. Fast genauso viele haben bereits seit zwei Jahren oder länger keine Arbeit. Langzeitarbeitslose haben es generell schwieriger, wieder eine Arbeit zu finden. Allerdings war der Anteil von 31 Prozent an allen Arbeitslosen Ende 2019 so gering wie seit zehn Jahren nicht.

Anders hat sich die Arbeitslosigkeit bei Ausländern entwickelt, die in Dresden leben. Sie hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht und erreichte 2018 einen Höchststand. Mehr als 3.500 Menschen verdienten damals nichts. Ende letzten Jahres sank die Zahl erstmals wieder etwas. Dass heute mehr Ausländer ohne Job sind, liegt laut Stadt auch daran, dass heute generell mehr Menschen aus anderen Ländern in der Stadt wohnen.

Und was ist mit den Jugendlichen?

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Die höchste Jugendarbeitslosigkeit gibt es in den Stadtteilen, in denen die Arbeitslosenquote generell hoch ist. Das sind die Gorbitzer und Prohliser Stadtteile. Dort hat bis zu jeder zehnte keinen Job. Dasselbe gilt für Altersarbeitslosigkeit. Der Anteil arbeitsloser Menschen über 55 Jahren ist in Gorbitz-Süd und in Prohlis-Süd am höchsten.

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