merken
PLUS Dresden

Polizei reagiert auf Pegida-Ärger

Mit einer neuen Taktik überraschte die Polizei die Demonstranten in Dresden. Trotzdem mussten die Beamten Gewalt anwenden.

Es blieb am Montagabend nicht bei Diskussionen zwischen Pegida-Gegnern und der Polizei.
Es blieb am Montagabend nicht bei Diskussionen zwischen Pegida-Gegnern und der Polizei. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Was der Polizei vor zwei Wochen nicht gelungen ist, hat sie am Montagabend mit zwei langen Metallzaun-Reihen auf dem Neumarkt erreicht. Die Beamten haben nach Auseinandersetzungen beim Pegida-Aufmarsch am 17. August dieses Mal erfolgreich die "Patriotischen Europäer" und ihre Gegner getrennt. Dabei half eine Schneise, breit wie eine Straße, die die Polizei zwischen dem Pegida-Platz und der Fläche für die Gegendemonstration mit den zwei mehr als 100 Meter langen Zaunreihen freigehalten hat.

Die Pegida-Gegner mussten an diesem Montagabend hinter einem Zaun der Polizei bleiben.
Die Pegida-Gegner mussten an diesem Montagabend hinter einem Zaun der Polizei bleiben. © dpa/Sebastian Kahnert

Dem Pegida-Aufmarsch haben sich in dieser Woche etwa 800 Personen angeschlossen. Auf dem Neumarkt protestierte eine etwa ähnlich große Zahl Demonstranten gegen die "Patriotischen Europäer". Dabei sollten auf beiden Seiten Mund-Nasen-Masken getragen oder die Abstandsregeln eingehalten werden. Das funktionierte aber nicht, auch ohne Masken standen die Teilnehmer beider Demonstrationen dicht an dicht. Die Polizei griff nicht ein.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Die Beamten hatten vor allem zu tun, als Pegida durch die Innenstadt zog. Mehrfach versuchten Gegendemonstranten, sich auf die Straße zu setzen und den Demozug zu blockieren. In allen Fällen leiteten die Beamten die selbsternannten Patrioten an den Blockaden vorbei. Dabei mussten sie auf der Wilsdruffer Straße "unmittelbaren Zwang" anwenden. So bezeichnet die Polizei Einsätze, bei denen sie auch mit lautstarken Ansagen, Schieben und festem Zugriff gegen Menschen vorgeht, die sich ihrem Willen widersetzen. 

Nach dem Einsatz teilte Pressesprecher Thomas Geithner mit, dass sich ein 32-Jähriger an einer Sitzblockade auf der Wilsdruffer Straße beteiligen wollte. Als die Polizei eingriff, habe er einem Beamten ins Gesicht geschlagen. Der Pegida-Gegner muss sich nun wegen Körperverletzung verantworten. Außerdem ermitteln die Beamten wegen Beleidigung gegen einen 18-Jährigen. Er habe auf der Frauenstraße einem Beamten den "Stinkefinger" gezeigt. 

Dass die Dresdner Versammlungsbehörde vergangene Woche entschieden hat, Pegida-Frontmann Lutz Bachmann dürfe nicht als Ordner auftreten und der übliche Demo-Anmelder Wolfgang Taufkirch sei als Versammlungsleiter nicht mehr tragbar, war für Bachmann Anlass, sich zu beiden Entscheidungen zu äußern. Er findet sie "lustig" und sagte, er sei ohnehin in fünf Jahren Pegida nur fünf oder sechs Mal Ordner gewesen. Taufkirch habe auch nichts falsch gemacht, als er am 17. August als Veranstaltungsleiter eine "Anweisung" von ihm als Vorsitzenden des Pegida-Fördervereins umgesetzt habe.

Beides sehen die Verantwortlichen der Stadtverwaltung anders. Sie argumentierten, Bachmann habe damals nicht an Taufkirch Anweisungen gegeben, sondern an die Demo-Teilnehmer. Das stehe nur dem Versammlungsleiter zu. Und der Versammlungsleiter wiederum sei nicht eingeschritten, als Bachmann seine Kompetenzen überschritt.

Trotz des Gitter-Einsatzes auf dem Neumarkt sind auch an diesem Montag Pegida-Anhänger und Gegner aneinandergeraten. So ermittelt die Polizei gegen einen 18-Jährigen, der einem unbekannten Anhänger von Lutz Bachmann ein Bein gestellt und zugleich versucht hat, ihm eine Deutschlandfahne zu entreißen. Gegen einen 41-Jährigen wurden Ermittlungen eingeleitet, weil er im Bereich der Straßenbahnhaltestelle am Altmarkt den Hitlergruß gezeigt hat.

Weiterführende Artikel

Pegida: Gitter und Appelle am Dresdner Altmarkt

Pegida: Gitter und Appelle am Dresdner Altmarkt

Maskenpflicht und Abstand – unter Beobachtung haben am Montagabend in Dresden rund 1.000 Menschen für und gegen Pegida demonstriert.

Keine Maskenpflicht bei Demos in Dresden

Keine Maskenpflicht bei Demos in Dresden

In Berlin darf seit den letzten Corona-Protesten niemand mehr ohne Mund-Nasen-Schutz demonstrieren. Für Pegida gelten dagegen andere Regeln.

Drückt die Stadt bei Pegida ein Auge zu?

Drückt die Stadt bei Pegida ein Auge zu?

Die Demonstrationen am Montagabend in Dresden haben ein Nachspiel. Es gibt Vorwürfe nicht nur gegen die Polizei.

Nachdem vor zwei Wochen auch die Gäste des Lokals L'Osteria an der Ecke Wilsdruffer Straße/Kleine Kirchgasse in Mitleidenschaft gezogen wurden, als die Polizei rennende Pegida-Gegner verfolgte, blieb es dieses Mal dort ruhig. Dafür sorgte die Polizei, indem sie die Fläche vor der Gaststätte mit ihren Einsatzfahrzeugen umstellte. Mehr als ein halbes Dutzend Transporter stand wie eine Wand direkt vor den Tischen an der Wilsdruffer und der Kleinen Kirchgasse, während auf der anderen Seite dieser "Barrikade" Pegida vorbeizog und Gegendemonstranten versuchten, den Aufmarsch der "Patrioten" zu blockieren. (mit SZ/lex)

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden