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So viele HIV-Infizierte leben in Dresden

Warum es konstant viele Neuinfektionen gibt und wie die Mediziner den Betroffenen heute helfen können.

Von Julia Vollmer
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30 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Dresden neu mit HIV infiziert.
30 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Dresden neu mit HIV infiziert. © Britta Pedersen/ dpa-Zentralbild

Rund 86.000 HIV-Infizierte gibt es bundesweit. Auf Dresden heruntergerechnet sind es laut Gesundheitsamt etwa 700 Betroffene. Im Stadtgebiet gab es im Jahr 2018 insgesamt 30 Neuinfektionen, 2010 waren es 28. Zahlen für 2019 liegen vom Robert-Koch-Institut (RKI) noch nicht vor. Damit sind die Zahlen der Menschen, die sich neu infizieren relativ konstant.

Einen der Gründe für Neuinfektionen erklärt Sylvia Urban von der Aids-Hilfe: „Vermeidbare HIV-Infektionen entstehen unter anderem, weil es in Deutschland nach wie vor keine Vergabe sauberer Spritzen in Haft gibt und weil Menschen ohne Aufenthaltspapiere faktisch keinen Zugang zur HIV-Therapie haben.“ Hier müsse Abhilfe geschaffen werden, sagt sie anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember.

Bei den Männern, die Sex mit Männern haben – der am stärksten betroffenen Gruppe – sei die Zahl der Neuinfektionen seit 2012 um mehr als ein Viertel zurückgegangen, so die Aids-Hilfe. Der Hauptgrund: HIV-Infektionen werden in dieser Gruppe laut RKI in den letzten Jahren früher diagnostiziert und behandelt – damit werden auch weitere Infektionen verhindert.

So früh wie möglich erkennen

Auch in der Medizin gab es eine rasante Entwicklung. „In den letzten zwanzig Jahren hat die HIV-Therapie unglaubliche Fortschritte gemacht“, sagt Andreas Jenke, Dresdner Internist und Experte auf dem Gebiet der HIV-und Aids-Forschung. Die Medikamente wurden immer effektiver und hatten zudem weniger Nebenwirkungen. „Unter einer wirksamen Therapie haben die Patienten heute eine nahezu normale Lebenserwartung.“ 

Wichtig sei ein frühzeitiger Therapiebeginn, noch bevor es zu einer deutlichen Schwächung des Immunsystems kommt. Doch gerade hier liege noch eine große Herausforderung vor uns. Mehr als die Hälfte der Patienten in Deutschland weisen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits einen Immundefekt auf. Bei einem Drittel besteht sogar eine fortgeschrittene Immunschwäche.

„Wir müssen unsere Bemühungen für eine frühzeitige Feststellung der Infektion also weiter verstärken“, so Jenke. Bessere Testangebote, wie der HIV-Heimtest, seien ein guter Ansatz, so der Mediziner. Potenzial sehe er auch in einer weiteren Sensibilisierung von Haus- und Fachärzten für niedrigschwellige Testangebote. Hier gebe es immer noch zu viele Vorbehalte. Im Bereich der aktuellen Therapie gebe es gerade einen kleinen Paradigmenwechsels. Galt bisher eine Kombination aus drei Wirkstoffen als Standard, gibt es nun auch eine Kombination aus zwei Substanzen, die ebenso wirksam ist.

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