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Das Bröckel-Hochhaus kann endlich saniert werden

Auf dem Dach des maroden 14-Geschosser am Pirniaischen Platz in Dresden soll der Luxus einziehen. Die alten Mieter werden wohl nicht zurückkehren.

Mit dieser Visualisierung wirbt die Berliner Heftol-Group auf ihrer Internetseite für die Sanierung des Hochhauses am Pirnaischen Platz.
Mit dieser Visualisierung wirbt die Berliner Heftol-Group auf ihrer Internetseite für die Sanierung des Hochhauses am Pirnaischen Platz. © Screenshot: SZ

Das letzte Weihnachtsfest feierten die ehemaligen Hochhaus-Mieter noch am Pirnaischen Platz. Schon zu Ostern durften sie nicht mehr in ihren Wohnungen leben. Wegen schwerer Brandschutzmängel hatte die Bauaufsicht den Auszug angeordnet. Zwar hatten viele alte Bewohner nicht mehr daran geglaubt, dass der 14-Geschosser jemals saniert wird. Nun hat die Stadtverwaltung dem Investor allerdings eine Baugenehmigung erteilt, wie das Rathaus auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mitteilt. Eines steht jedoch fest: Die Mietpreise dürften nach Fertigstellung in die Höhe schießen.

Gut sieben Euro zahlten die Bewohner zuletzt für den Quadratmeter – und zwar inklusive Heizung, Warmwasser und Müllabfuhr. Mit diesem Mietpreis dürfte sich die Sanierung für den Eigentümer – die Creo 7 GmbH mit Sitz in Schönefeld – in Zukunft aber kaum rechnen. In dem Hochhaus muss nicht nur so gut wie alles herausgerissen werden. Rohre, Leitungen, der Estrichboden: So ziemlich alles stammt noch aus der Bauzeit von 1964 bis 1966. 

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So sah es zuletzt in dem Gebäude aus:

Geplant ist auch, das Gebäude mit einem Staffelgeschoss auszustatten. Damit wird die alte Dachterrasse überbaut. Die insgesamt drei Penthouse-Wohnungen in rund 50 Metern Höhe erhalten ein Schmetterlingsdach. Somit wird wieder mehr an das originale Flugdach aus den 60er-Jahren erinnert. Die Bauaufsicht betont, dass das neue Dach nicht die Höhe des alten überschreiten wird. Alte Pläne sahen dies noch vor.

Die auffällige Loggienfassade mit ihren vielen Balkonen soll zwar modernisiert werden, sich optisch aber nicht allzu sehr verändern. Geplant sind laut Stadtverwaltung Grautöne, differenziert nach Bauteilen. „Vor der endgültigen Entscheidung wird es eine Bemusterung mit dem Stadtplanungsamt geben“, heißt es. Insgesamt sollen laut Stadt 160 Wohnungen entstehen. Vorher waren es 180.

Zur Elbe hin kommt der Investor der Forderung der Bauaufsicht nach, den Brandschutz zu verbessern. Dort soll ein zweites Treppenhaus angebaut werden – ein zweiter Fluchtweg im Falle eines Feuers wie im Frühjahr 2017, als eine Wohnung im fünften Stock brannte.

Der Flachbau vorm Hochhaus, in dem sich ein Lidl-Markt befindet, bleibt grundsätzlich erhalten, bekommt aber eine Etage draufgesetzt. Ihr Flachdach soll über den Baukörper hinausragen und an den Rändern Stützen erhalten – eine Hommage an die Pergola-Idee, welche die Architekten früher hatten. In der Zukunft könnten dort Künstler und Firmengründer in Büros arbeiten, die sich beispielsweise wochen- oder monatsweise mieten lassen.

All das kostet viel Geld. Zuletzt sprach ein Vertreter des Hochhaus-Eigentümers davon, dass die Sanierung zwischen 14 und 15 Millionen Euro verschlingen dürfte. Ein Mietpreis von unter zehn Euro pro Quadratmeter wäre auch der Lage und Ausstattung der neuen Wohnungen wegen unwahrscheinlich – Heizung, Warmwasser und Müllabfuhr nicht mitgerechnet.

Der vollständige Bauantrag war bereits im Mai eingereicht worden. Allerdings hatte die Bauaufsicht gefordert, die Brandschutzplanung noch einmal zu überarbeiten. Zuletzt musste noch ein Ingenieur das Brandschutzkonzept prüfen.

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Ein großes Fragezeichen gibt es aber noch. Unklar ist, wann die Arbeiten starten. Ein Baubeginn sei der Bauaufsicht bislang nicht angezeigt worden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Laut Sächsischer Bauordnung muss sich der Investor auch gar nicht beeilen: Normalerweise erlischt eine Baugenehmigung erst, wenn drei Jahre nach Erteilung noch nicht mit den Arbeiten begonnen wurde. Und selbst dann hätte der Bauherr die Möglichkeit, eine Verlängerung um zwei Jahre zu beantragen. Ein Anfrage zum vorgesehenen Baustart ließ der Vertreter des Eigentümers bislang unbeantwortet.