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Hohe Gerüste in der Dresdner Hofkirche

In Sachsens größtem Gotteshaus haben Spezialgerüstbauer schwierige Aufgaben. Schließlich müssen Restauratoren ganz hoch hinauf.

Die Hälfte des Gerüstes in der Hofkirche steht. Bis Ende August soll alles aufgebaut sein.
Die Hälfte des Gerüstes in der Hofkirche steht. Bis Ende August soll alles aufgebaut sein. © René Meinig

Dresden. Hoch empor ragen jetzt Gerüste in der Dresdner Hofkirche. Darauf steht Enrico Lieberenz mit seinem Schraubenschlüssel, montiert die nächste Stange, bis sie fest sitzt. Der Görlitzer ist Kolonnenführer der thüringischen Spezialgerüstbaufirma BSB, die seit Mai hier arbeitet. Etwa die Hälfte der 32 Meter hohen Gerüste, die bis unter die Decke reichen, steht schon. 

Enrico Lieberenz ist froh, dass er mit seinen Kollegen beim Gerüstaufbau trotz aller Schwierigkeiten gut vorangekommen ist.
Enrico Lieberenz ist froh, dass er mit seinen Kollegen beim Gerüstaufbau trotz aller Schwierigkeiten gut vorangekommen ist. © René Meinig

Im Inneren von Sachsens größtem Gotteshaus mit seiner Grundfläche von 4.800 Quadratmetern sind Instandsetzungsarbeiten nötig. Die ersten Vorbereitungen hatten im April begonnen. Zwar wurde 1998/99 die Kirchendecke erneuert. Im gesamten oberen Bereich müssen aber die Fugen saniert werden, die offenbar nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht richtig geschlossen wurden, erklärt Dompfarrer Norbert Büchner. Sie werden geöffnet und ordentlich mit Spezialmörtel verpresst. In dem Zuge werden auch die Wände und die Decke der 1755 fertiggestellten Kirche gereinigt, ausgebessert und frisch gemalert.

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Vorgesehen ist zudem, die 56 Kirchenfenster in den Seitenschiffen und Kapellen im Erdgeschoss und drei in der Sakristei zu erneuern. Durch die alten Fenster, die nur einfach verglast sind, ist bisher der Straßenlärm zu hören. Deshalb werden neue Fenster mit einer zweifachen Verglasung und wesentlich besserem Schallschutz sowie einer automatischen Lüftung eingebaut. Optisch wird sich aber nichts ändern. 

„Für den Fensterbau werden Rollgerüste aufgestellt“, erklärt der Pfarrer, der täglich auf der Baustelle ist. „Ich bin der fotografierende, selbsternannte Baustellenseelsorger“, sagt der 55-Jährige schmunzelnd. Schließlich müsse er doch wissen, was los ist, und braucht auch Bilder für die Chronik. So ist er über den Baufortschritt genau im Bilde.

Enrico Lieberenz und seine Kollegen errichten die Gerüste in drei Abschnitten. Die Montage des halbrunden Teils am Hauptaltar war sehr kompliziert. „Denn die Restauratoren müssen überall rankommen“, erklärt der 30-Jährige. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die gesamte Hofkirche unterkellert sei. So ruhen in der Gruft darunter die sterblichen Überreste von 48 Kurfürsten, Königen und weiteren Vertretern des Wettiner Herrscherhauses. „Da mussten Stahlträger unter Spanplatten auf den Fußboden gelegt werden, damit sich die Last des Gerüstes ordentlich verteilen kann“, erläutert der Vorarbeiter.

Allein die bis jetzt aufgebaute Hälfte des gesamten Gerüstes ist bereits etwa 140 Tonnen schwer. Sind die Gerüststangen normalerweise aus Stahl, so mussten am halbrunden Abschnitt um den Hauptaltar leichtere Aluminiumteile eingesetzt werden. Das Podest, auf dem das Gerüst steht, wäre sonst zu stark belastet worden. „Das hatten zuvor die Statiker berechnet“, sagt der Spezialgerüstbauer, der seinen Job von der Pike auf gelernt hat. 

14 Etagen haben die Gerüste, die in der Hofkirche empor ragen.
14 Etagen haben die Gerüste, die in der Hofkirche empor ragen. © René Meinig

„Für mich ist das eine schöne Baustelle.“ Schließlich könne er von Dresden aus jeden Tag nach Hause fahren. So war es auch, als er im neuen Rähnitzer Bosch-Werk Gerüste montierte. Aber sonst ist Lieberenz oft in Deutschland auf Montage. So hat er schon am Münchner Rathausplatz ein 96 Meter hohes Gerüst mit aufgebaut oder auch an Gebäuden, Schlössern oder Kirchen in anderen Städten gearbeitet.

Jetzt ist er aber erst einmal froh, dass das halbrunde Gerüst am Hauptaltar steht. Immerhin müssen dabei 14 Etagen montiert werden. „Deshalb kommt es bei uns besonders auf die Sicherheit an“, sagt Lieberenz und verweist auf den Helm und die Sicherheitsgurte, mit denen er auf dem Gerüst immer angeseilt sei. Schließlich arbeiten die Spezialgerüstbauer hier in der Höhe von bis zu 32 Metern. Ein Absturz könnte katastrophale Folgen haben. 

Sicherheit ist für Enrico Lieberenz und die anderen Gerüstbauer bei der Arbeit in luftiger Höhe äußerst wichtig. So tragen sie Helme und sind an den Sicherheitsgurten immer angeseilt.
Sicherheit ist für Enrico Lieberenz und die anderen Gerüstbauer bei der Arbeit in luftiger Höhe äußerst wichtig. So tragen sie Helme und sind an den Sicherheitsgurten immer angeseilt. © René Meinig

Bei der Montage der geraden Abschnitte entlang der Seiten kommen sie viel schneller als am Hauptaltar voran. So wurde in der vergangenen Woche die Hälfte davon aufgebaut, die 16 Meter lang ist. Ende nächster Woche soll dort alles stehen. Schwierig wird es dann im letzten, wiederum halbrunden Teil vis-a-vis dem Hauptaltar. Verhüllt sind dort bereits die Silbermann-Orgel und auch die beiden Heiligenfiguren von Augustinus und Ambrosius.

„Wir sind aber trotz der Schwierigkeiten noch im Zeitplan“, sagt Dompfarrer Büchner. Ende August soll das gesamte Gerüst stehen. Auf dem bereits fertiggestellten Teil arbeiten schon Restauratoren. „Sie untersuchen die Fugen und auch die Stuckornamente“, erklärt er. Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es an der Seite des Theaterplatzes größere Schäden. Lose Stuckteile werden befestigt. Sind die Schäden aber zu stark, müssen Stuckteile ergänzt oder erneuert werden. Im Spätsommer beginnen die Handwerker auch damit, die Fenster in den Seitenschiffen auszuwechseln.

Nicht nur auf der Augustusbrücke ist jetzt eine Baustelle, sondern auch in der benachbarten Hofkirche. Für die Instandsetzungsarbeiten im Inneren des Gotteshauses werden rund 4,9 Millionen Euro investiert.
Nicht nur auf der Augustusbrücke ist jetzt eine Baustelle, sondern auch in der benachbarten Hofkirche. Für die Instandsetzungsarbeiten im Inneren des Gotteshauses werden rund 4,9 Millionen Euro investiert. © René Meinig

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