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Dresdner Hotels werden wieder voller

Die privaten Sommergäste sind zurück. Sorge bereitet den Hoteliers aber nicht nur, dass nicht alle die Corona-Hygieneregeln akzeptieren.

Max Rothe vom Kempinski Hotel Taschenberg Palais ist froh, wieder mehr Gäste empfangen zu können.
Max Rothe vom Kempinski Hotel Taschenberg Palais ist froh, wieder mehr Gäste empfangen zu können. © Christian Juppe

Dresden. Man sieht es auf den Straßen der Stadt, in Restaurants und vor den Sehenswürdigkeiten: Die Touristen sind zurück. Nicht in der Anzahl wie in den vergangenen Jahren und schon längst nicht aus allen Ländern. Aber sie sind da. Können die Hotels jetzt aufatmen?

Auslastung steigt wieder an

Aufatmen ja, aber nur für einen Moment. Viele Dresdner Häuser haben seit Juli steigende Gästezahlen, sagt Thomas Gaier, der Vorsitzende der Hotelallianz Dresden und Geschäftsführer von Schloss Eckberg. Lediglich Hotels, die vor allem auf Bustouristen gesetzt haben, sehen sich jetzt vor sehr leeren Zimmern. 

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Im Steigenberger Hotel de Saxe am Neumarkt ist die Belegungsquote von 30 Prozent im Juni auf über 50 Prozent im Juli angestiegen. Rund 90 Prozent der Gäste kamen aus dem Inland, sagt Pressesprecher Christopher Sparkes. "Für den August und den September plant das Hotel ebenfalls mit einer Auslastung von mehr als 50 Prozent."  

Schon über etwas mehr Gäste, nämlich eine Auslastung von rund 60 Prozent, freut sich Michael Mollau vom Dorint-Hotel. Vor allem an Wochenenden kann die sogar höher sein, im Falle des Kempinski Taschenberg Palais kletterten die Belegungszahlen bereits an zwei Juliwochenenden auf über 80 Prozent, sagt Marketingleiter Max Rothe. 

Doch eins macht allen Hoteliers gleichermaßen Sorgen: Die Geschäfts- und Tagungsgäste fehlen völlig. Sie haben die Häuser in den Jahren zuvor vor allem sonst von September bis November gefüllt. Doch Veranstaltungen dieser Art gibt es dieses Jahr nicht. "Das wird ein harter Herbst", ist sich Johannes Lohmeyer vom Best Western Macrander Hotel sicher.

Nur wenige internationale Gäste

Lohmeyer vermisst vor allem die internationalen Gäste. "Natürlich kommen Gäste aus Tschechien und Polen, auch aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Aber die Asiaten, Russen und Amerikaner bleiben eben weg. Das wird sich wohl erst 2022 wieder etwas entspannen", sagt der Hoteldirektor.

Lediglich unter fünf Prozent machen die ausländischen Besucher auch im Bilderberg Bellevue Hotel aus, sagt Cindy Knoblauch von der Marketingabteilung und nennt ebenfalls die Nachbarländer Polen und Tschechien, aus denen sie vorwiegend anreisen. Ähnlich ist es in den beiden Bülow-Hotels. Dieser Trend gelte für ganz Dresden, sagt Thomas Gaier. "Es ist ja auch völlig klar, dass die meisten Leute dieses Jahr in ihren Heimatländern Urlaub machen angesichts der unklaren Entwicklung der Covid-19-Fälle", sagt er.

Das Kempinski hatte sonst 25 Prozent ausländische Gäste. "Das ist natürlich jetzt deutlich weniger geworden. Aber zumindest einige europäische Gäste sind da", sagt Marketingleiter Rothe.

Familie Anke und Dr. Parwis Tikrani waren Gäste im Kempinski Hotel Taschenberg Palais.
Familie Anke und Dr. Parwis Tikrani waren Gäste im Kempinski Hotel Taschenberg Palais. © Christian Juppe

Sehr kurzfristige Buchungen

Schon immer seien Reisen im Sommer kurzfristig von den Gästen entschieden worden, weiß Rothe. Dieses Jahr allerdings übertreffe dies alle Rekorde mit Anrufen und Mails. "Das zieht im Tagesverlauf manchmal richtig an. Und wir erleben auch, dass Gäste spontan länger bleiben, als sie gebucht hatten", sagt er. Übernachten die meisten Gäste bisher rund zwei Tage in Dresden, kommt inzwischen oft eine dritte Nacht hinzu, so Rothe. 

Dieser Trend gilt auch im Schloss Eckberg und im Dorint-Hotel sowie im Bülow Palais und der Bülow Residenz. "Doch das wird nach den Ferien nachlassen. Und dann werden wir sehen, wie es weitergeht", sagt Thomas Gaier. Gemeinsam mit den anderen Hoteliers hofft er darauf, dass der Striezelmarkt stattfindet und zeitlich erweitert wird. "Sonst bricht uns eine der wichtigsten Einnahmequellen weg", sagt er. Das wäre eine Katastrophe für die Hotels, denn die darauffolgenden Monate Januar, Februar und März seien erfahrungsgemäß schwach. 

Nicht alle Gäste akzeptieren Hygienanforderungen

Viele Gäste seien sehr diszipliniert und würden sich an die Abstands- und Hygieneregeln halten, sagt Michael Molla vom Dorint-Hotel. Bei ihm gibt es auch ein Frühstücksbüfett hinter Plexiglas. Davor müssten die Gäste Mundschutz tragen. Doch nicht alle Gäste akzeptierten die Regeln, sagt Thomas Gaier. Bei ihm im Schloss Eckberg wird das Frühstück serviert. "Natürlich kommen alle gegen 9 Uhr, das heißt, einige müssen warten. Dass wir Zeit zum desinfizieren der Tische brauchen, können manche nicht verstehen", sagt er. 

Auch die Minibars sind nicht befüllt, weil sonst jede Flasche nach der Abreise wieder gereinigt werden müsste. "Die Diskussionen darüber sind manchmal schon skurril", sagt der Hotelchef. Er und seine Mitarbeiter sind froh, im August erstmals wieder zwei Hochzeitsgesellschaften im Haus zu haben. "Das macht Spaß und zeigt aber auch, wie sehr uns diese Veranstaltungen fehlen."

Dennoch hält er nichts von voreiligen Lockerungen der Hygienestandards. "Wir wissen alle nicht, wie sich die Coronalage entwickelt. Einen zweiten Lockdown möchte ich nicht erleben." Zwei Monate sei er im Frühjahr täglich durch das leere Hotel Schloss Eckberg gelaufen. "Das war meine schlimmste berufliche Erfahrung."    

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