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Hunderte Bäume fallen für Zelleschen Weg

Um den geplanten Bau ist in Dresden ein Streit ähnlich dem um die Albertstraße entstanden. Darum geht es.

Für einen fahrradgerechten Ausbau des Zelleschen Weges wurde bereits im Mai demonstriert. Dieses Mal geht es bei dem Streit jedoch um die vielen alten Bäume, die fallen sollen.
Für einen fahrradgerechten Ausbau des Zelleschen Weges wurde bereits im Mai demonstriert. Dieses Mal geht es bei dem Streit jedoch um die vielen alten Bäume, die fallen sollen. ©  Archiv: Rene Meinig

Die Entscheidung steht unmittelbar bevor. Am 21. November soll der Stadtrat entscheiden, in welcher Variante der Zellesche Weg gebaut wird. Es ist erneut eine Straße, an der die Interessen von Autofahrern und Radfahrern aufeinanderprallen: Zwei überbreite Autospuren und dafür extra Radwege auf beiden Seiten, vier Fahrbahnen für Kraftfahrzeuge und für die Radfahrer bleibt es wie bisher, oder vier Fahrbahnen und dazu überbreite Radwege. Drei Varianten, über die gestritten wird.

Klar ist, es muss gebaut werden. Denn über den Zelleschen Weg soll künftig eine Straßenbahn rollen. Diese soll die überfüllten Buslinien, die zur Uni fahren, entlasten. Die Entscheidung über die Variante dürfte knapp werden.

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Nun kommt noch ein neuer Aspekt hinzu. Der Ausbau wird ein extremer Kahlschlag. Mehr als 400 Bäume müssen gefällt werden. Das ergab eine Anfrage von Stadträtin Susanne Dagen (Freie Wähler). Demnach geht es um 420 bis 430 Bäume. Darunter auch 397 Straßenbäume entlang des Zelleschen Wegs. Bisher wurde nur über die Linden am Bibliotheks-Wall diskutiert. Diese würden bei der von der CDU vorgeschlagenen breitesten Variante gefällt werden müssen. Dann wären es die beschriebenen 430 Bäume. So oder so sind das aus Dagens Sicht zu viele Bäume, die fallen.

„Das steht für mich sinnbildlich dafür, dass Politik sich konterkariert“, sagt die Stadträtin. Aus Aspekten des vieldiskutierten Klimaschutzes, für positive Wettereinflüsse, die CO2-Bilanz und vieles mehr seien alte Bäume „ganz wesentlich“. Hier sollen aber Bäume gefällt werden, die zum Teil sehr alt sind. Auch das geht aus der Antwort der Verwaltung hervor. Die ältesten Bäume dort wurden 1950 gepflanzt, 216 der zu fällenden Bäume sind älter als 20 Jahre und der letzte große Schwung wurde 2006 gepflanzt. Diese 88 Bäume stehen nun auch seit 13 Jahren.

Gesunde Bäume sollen geschreddert werden

Zumal die Bäume größtenteils gesund sind. Die Verwaltung listet auf, dass 218 gar keine Schäden haben, 130 leichte, 46 mittlere, zwei starke Schäden und nur ein Baum abgestorben ist. Was Dagen daran besonders stört: Die gesunden Bäume sollen nicht verpflanzt werden, sondern geschreddert. Eine Verpflanzung sei zu „aufwendig“, sagt die Verwaltung. Sogenannte Pfahl- und Tiefwurzler, beispielsweise Eichen, können nicht verpflanzt werden. Sie haben ein kompliziertes Wurzelwerk, dass sich metertief im Boden verankert. Auf die Frage von Dagen, welche Baumarten denn neu gepflanzt werden sollen, erhielt sie die Antwort, vorwiegend amerikanische Roteiche. Das bezeichnet sie als „Schildbürgerstreich“. „Das zeigt, dass es offenbar nicht darum geht, langfristig zu agieren.“ Denn die könnten dann später auch nicht verpflanzt werden, wenn am Zelleschen Weg erneut gebaut werden müsste.

Die Stadt will später sogar noch mehr Bäume am Zelleschen Weg stehen haben. Für die bis zu 430 gefällten Bäume sollen dort 480 bis 490 neue Bäume gepflanzt werden. Allerdings sehr junge Bäume. „Die brauchen Jahre oder eher Jahrzehnte, bis sie so viel Sauerstoff produzieren wie die alten Bäume“, entgegnet Dagen. Sie fordert, so viele Bäume wie möglich zu erhalten und künftig bei Neupflanzungen darauf zu achten. Arten auszuwählen, die später auch mal verpflanzt werden können.

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Bei den Fahrbahnen ist Dagen dafür, vier Autospuren zu erhalten. Auch wenn die Stadt eindeutig sagt, bei der Verkehrsbelegung reichen zwei überbreite Spuren.

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