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Illegaler Sperrmüll treibt Nebenkosten in Dresden hoch

In Gorbitz landen Möbel und Elektrogeräte auf dem Müllplatz. Bezahlen müssen dafür die Mieter - und die sind sauer.

Trotz Schild "Sperrmüll abladen verboten!" steht wieder eine Matratze auf dem Müllplatz am Tannenberger Weg. Erst einen Tag vorher hier wurde der Sperrmüll abgeholt.
Trotz Schild "Sperrmüll abladen verboten!" steht wieder eine Matratze auf dem Müllplatz am Tannenberger Weg. Erst einen Tag vorher hier wurde der Sperrmüll abgeholt. © SZ/Nora Domschke

Dresden. So kann es nicht weitergehen - darüber sind sich die fünf Anwohner einig, die mal wieder vor dem Müllplatz am Tannenberger Weg stehen. Hier, mitten im großen Gorbitzer Wohngebiet, gibt es ein massives Problem mit Sperrmüll, der einfach neben den Mülltonnen abgestellt wird. An diesem Morgen lehnt eine alte Matratze an der Mauer, direkt neben einem Schild, das ein durchgestrichenes Sofa zeigt: "Sperrmüll abladen verboten!" ist darauf zu lesen. Neben den Bio-Tonnen steht ein großes, weißes Möbelstück, es sieht aus wie ein Schrank.

"Dabei war erst gestern die Müllabfuhr da und hat viel Zeug mitgenommen", erzählt Steven Warg. Der 42-Jährige wohnt seit gut einem Jahr hier im Plattenbaugebiet und hat beobachtet, wie alte Schränke und Lampen abgeholt wurden. Einen Tag später schon wieder dasselbe Bild. Ganze Wohnungseinrichtungen würden sich hier manchmal finden, Elektrogeräte, Teppiche, vor allem immer wieder Kinderwagen. 

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Petra, 65, lebt seit 1984 am Tannenberger Weg, sie war die erste Mieterin in ihrer Wohnung, Erstbezug. So ein Müllproblem sei neu, sagt sie. Vor allem in dieser Masse. Sie ist frustriert, erzählt sie - auch, weil sie sich von ihrem Vermieter Vonovia in dieser Sache alleingelassen fühlt. 

Ganze Wohnungseinrichtungen werden auf dem Müllplatz am Tannenberger Weg abgestellt. Es ist einer der wenigen Müllplätze im Wohngebiet, der nicht abgeschlossen ist.
Ganze Wohnungseinrichtungen werden auf dem Müllplatz am Tannenberger Weg abgestellt. Es ist einer der wenigen Müllplätze im Wohngebiet, der nicht abgeschlossen ist. © SZ/Nora Domschke

Schon oft habe Petra den Objektbetreuer angesprochen, habe Vorschläge gemacht, die das Problem vielleicht lösen könnten. "Es wohnen mittlerweile viele Ausländer hier. Deshalb hatte ich die Idee, die Schilder auch in anderen Sprachen aufzuhängen." Die Vorschläge werden einfach nicht wahrgenommen. Stattdessen gebe es immer den Hinweis, dass man Namen und Adressen der Sperrmüll-Übeltäter bräuchte. "Das ist doch aber nicht meine Aufgabe", ruft eine andere Anwohnerin verärgert. "Ich spreche doch nicht einfach fremde Leute an und fragen sie nach ihrem Kontakt." 

Die ältere Dame ist aufgebracht, sie könne nachts manchmal gar nicht mehr schlafen und gehe ans Fenster, wenn sie Geräusche höre. In der Hoffnung, mal jemanden zu beobachten. "Der ganze Kram wird ja nachts hier abgestellt." Worin sich die Mieter einig sind: "Wir wollen für diesen Müll nicht auch noch bezahlen." Denn inzwischen sei es nicht mehr nur ein optisches Problem, sondern auch ein finanzielles. In einer Nebenkostenabrechnung ist zu lesen, wie der Anteil dafür gestiegen ist. 

Vonovia bestätigt gestiegene Kosten

So musste einer der Mieter 2015/16 für Sperrmüll - in jenem Jahr noch als eine Gesamtposition in der Abrechnung angeführt - rund 15 Euro bezahlen. In der Abrechnung 2016/17 waren es hingegen 166 Euro. In dieser Abrechnung gibt es die Position Sperrmüll zweimal: einmal für Sperrmüll im Gebäude, einmal für Sperrmüll auf der Außenfläche. Vonovia-Sprecher Matthias Wulff erklärt das so: "Früher tauchte der Posten aus den Außenflächen bei 'Müllabfuhr' auf, zuletzt haben wir den der Verständlichkeit wegen zur anderen 'Sperrmüll'-Zeile geschoben."

Wulff bestätigt den Anstieg der Kosten in den Jahren 2016/17 auf 166 Euro, rechnet aber vor, dass sich die Sperrmüllkosten in den beiden Folgejahren bei jeweils rund 45 Euro einpegeln. Aber Wulff räumt ein: "Insgesamt fällt mehr Sperrmüll an." Die Kosten für Entrümpelung in den Siedlungen sind in der Tat leicht angestiegen, etwa um fünf Prozent. "Das entspricht auch unserer Wahrnehmung." Für Fragen der Mieter stünden Vonovia-Mitarbeiter mit entsprechender Nebenkosten-Expertise jederzeit zur Verfügung.

Mieter fordern einen Zaun um den Müllplatz

Dennoch wünschen sich die Bewohner des Tannenberger Wegs, dass der Müllplatz mit einem Zaun gesichert wird. Umliegende Müllplätze etwa der Eisenbahner Wohnungsgenossenschaft zeigen, dass ein Zaun die Übeltäter vom illegalen Abstellen der Möbel offenbar abhält. Dort ist kein Sperrmüll zu sehen. Vonovia-Sprecher Wulff hält dagegen: "Der Müllplatz im Tannenberger Weg ist bereits mit abschließbaren Müllboxen versehen, die nur unsere Mieter selbst öffnen können." Mit anderen Worten: Ein Zaun ist nicht geplant.

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Das Gorbitzer Wohngebiet ist indes kein Einzelfall, wenn es um illegalen Sperrmüll oder die Entsorgung von Abfall im Allgemeinen geht. Einen drastischen Fall gab es 2018 in Zschertnitz. Vor einem Hochhaus an der Michelangelostraße ging es so dreckig zu, dass sich dort nicht nur nachts die Ratten tummelten. Zwar wurde dort ein Experte beauftragt, der Fallen aufstellte, um die Ratten einzufangen, doch auch nach Wochen waren die Tiere noch da, wie Anwohner damals berichteten. Die Themen Müll und Ratten seien Vonovia sehr wichtig, erklärt Wulff. "Aktuell verzeichnen wir zu diesen Themen in Dresden kein erhöhtes Beschwerdeaufkommen." Die Mieter in Gorbitz können das nicht nachvollziehen. Einen Tag später entdecken sie weitere Möbel, einen Einkaufswagen und eine alte Lampe auf ihrem Müllplatz.

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