SZ + Dresden
Merken

Immer mehr Dresdner haben Waffen

Ein Laubegaster Waffenhändler erzählt, warum auch Frauen zu seinen Kunden gehören.

Von Nora Domschke & Julia Vollmer
 4 Min.
Teilen
Folgen
„Schreckschusspistolen bringen nichts“, sagt der Dresdner Waffenhändler Bert Stötzer.
„Schreckschusspistolen bringen nichts“, sagt der Dresdner Waffenhändler Bert Stötzer. © Symbolfoto: Boris Roessler/dpa

Immer mehr Dresdner haben Waffen – und das ganz legal. Aktuell sind im Zuständigkeitsbereich der unteren Waffenbehörde Dresden 12.671 Waffen und erlaubnispflichtige Waffenteile registriert. Zum Vergleich: 2018 waren es 12.140 und 2017 gab es 10.870 Waffen.

Wie viele Schusswaffenbesitzer gibt es?

Ende September 2019 waren genau 2.243 Dresdner als Waffenbesitzer registriert und 4.553 Personen hatten eine sogenannte waffenrechtliche Erlaubnis. Unter diesen Begriff fallen beispielsweise Waffenbesitzkarten oder Erlaubnisse für Schießstätten. Immer mehr Dresdner haben auch einen kleinen Waffenschein, die Zahlen stiegen von 1.967 Dresdnern im Jahr 2017 auf 2.251 in diesem Jahr. Der „Kleine Waffenschein“ berechtigt den Besitzer zum Mitführen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen.

Warum steigen die Zahlen?

Die Erteilung von waffenrechtlichen Erlaubnissen sowie die Registrierung und Eintragung passiert gemäß des Waffengesetzes. Die Gründe, warum Menschen beispielsweise in einen Schützenverein eintreten oder Jäger werden, seien für die Erteilung der Erlaubnisse nicht relevant und werden daher nicht erhoben, so die Stadt. Voraussetzung für die Erteilung eines Kleinen Waffenscheins sei laut Stadt Zuverlässigkeit und persönliche Eignung beim Antragsteller; sie müssen mit der Waffe umgehen können und sie sicher lagern.

Bert Stötzer vom Waffengeschäft „Laubegaster Wache“ bestätigt: Die Nachfrage nach Waffen aller Art sei wieder deutlich angestiegen. Zahlen nennt er zwar nicht, aber seit etwa einem halben, dreiviertel Jahr habe er wieder mehr Kundschaft. „2015 bei der Flüchtlingskrise war die Nachfrage extrem hoch, zwischenzeitlich hatte es sich etwas beruhigt“,so Stötzer, der in die Schlagzeilen geriet, da der Ausländern keine Waffen mehr verkaufen wollte.

Was kaufen die Dresdner im Waffenladen?

Es gebe wieder deutlich mehr massive Angriffe, vor allem Frauen würden zunehmend nach Verteidigungsmitteln fragen, sagt der umstrittene Stötzer. Gefragt seien vor allem Waffen, die Distanz zum Angreifer schaffen. Pfefferspray und Ähnliches. Von Schreckschusspistolen rate er seinen Kunden ab. „Die bringen nichts.“ Immer wieder betont Stötzer, wie wichtig ihm Beratung sei. Und verteidigt damit auch sein Schild im Schaufenster, mit dem er 2015 für Aufregung sorgte. Es hängt noch immer dort. Im Laden werden demnach nur Menschen bedient, welche die deutsche Sprache sprechen. „Ich will erklären, wie mit einer Waffe umzugehen ist“, sagt Stötzer. Wer das nicht verstehe, dem verkaufe er nichts.

Welche Kritik am Waffenbesitz gibt es?

Der Anstieg von Waffenbesitzern sei alarmierend, sagte Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Grünen bereits im Februar. Das Schüren von Ängsten und die Dramatisierung der Sicherheitslage entgegen tatsächlicher Fakten hätten einen erheblichen Beitrag geleistet, dass sich immer mehr Bürger nicht sehr sicher fühlen. „Allerdings schaffen Waffen nicht mehr Sicherheit, sondern verursachen das genaue Gegenteil. Der Besitz von Waffen ist mit einem hohen Risiko behaftet und muss daher streng reglementiert werden.“

Wem wurden Waffenscheine entzogen?

In diesem Jahr wurde bisher zwei Dresdnern die Erlaubnis wegen fehlender Zuverlässigkeit entzogen, so die Stadt. Im Jahr 2018 gab es ebenfalls zwei Fälle und im Jahr 2017 waren es fünf.

Personen, die Mitglied in einem verbotenen Verein oder einer Partei sind, deren Verfassungswidrigkeit das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, besitzen laut Rathaus in der Regel nicht die erforderliche waffenrechtliche Zuverlässigkeit. Im Jahr 2019 erhielt die untere Waffenbehörde Dresden noch keine Hinweise, dass ein Erlaubnisinhaber einen möglichen Bezug zu verfassungsfeindlichen Parteien oder Vereinen hat. Im Jahr 2017 und 2018 wurde je zwei Personen aufgrund ihres Bezugs zu einer solchen Organisation die waffenrechtliche Erlaubnis entzogen.

Welche Vorschriften gibt es in Dresden für die Lagerung zuhause?

Der Antragsteller muss mindestens 18 Jahre alt sein, die erforderliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung haben. Die Waffen müssen ungeladen in einem Behältnis aufbewahrt werden, das nicht von Kindern geöffnet werden kann. Aufbewahrungskontrollen werden von der Stadt durchgeführt. Diese finden unangekündigt und verdachtsunabhängig statt.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.