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Dresden ist Lieblingsstadt von Karat

Mitte November kommt die Ostrock-Legende in den neuen Kulturpalast. Eine spannende Rückkehr. Und es gibt auch eine Radeberg-Verbindung.

© Sven Ellger

Von Jens Fritzsche

Es ist ein bisschen, wie nach Hause zu kommen. Nach Hause in den Kulturpalast, sagt Bernd Römer. Der Gitarrist der Ostrock-Legende Karat kann sich noch genau erinnern, als die Band hier ihren ersten wirklich großen Erfolg feiern konnte: „Wir haben im Kulturpalast mit unseren sieben Brücken den Grand-Prix beim internationalen Schlagerfestival gewonnen, von da an ging’s so richtig ab“, sagt er.

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Dabei wäre dieses Lied – der Karat-Mega-Hit „Über sieben Brücken“ – um ein Haar gar nicht entstanden. Denn eigentlich, so verriet der Komponist und damalige Karat-Keyboarder Ulrich „Ed“ Swillms später mal, habe er viel zu viel zu tun gehabt, „um auch noch für einen Film die Musik zu schreiben“. Denn entstanden ist das Lied für den Streifen „Über sieben Brücken“, der über eine schwierige deutsch-polnische Liebe in der DDR erzählt. Zum Glück fand Swillms die Zeit. Und natürlich werden die „Sieben Brücken“ nun –  fast 40 Jahre später – auch wieder im Kulturpalast erklingen, wenn die Band Mitte November hier im neuen Saal mit ihrer Akustik-Tour Station macht. „Wir sind gespannt auf den Klang und den neuen Kulturpalast überhaupt“, ist Bernd Römer voller Vorfreude. Und Karat-Sänger Claudius Dreilich legt gleich mal die akustische Messlatte ziemlich hoch an: „Wir haben den direkten Vergleich, denn einen Tag später spielen wir im Gewandhaus in Leipzig!“ Aber der Kulturpalast habe natürlich schon mal vorab einen kleinen Vorschuss-Pluspunkt, sagt Bernd Römer schmunzelnd.

Und überhaupt ist Dresden für Karat eine ganz besondere Stadt. „Meine Lieblingsstadt“, gibt Claudius Dreilich sogar unumwunden zu. Wobei das für ihn nicht in erster Linie mit den „Sieben Brücken“ zu tun hat; „damals war ich ja gerademal acht“. Und damals stand bekanntlich noch sein Vater Herbert Dreilich am Karat-Mikrofon. Nach dessen Krebs-Tod im Dezember 2004 übernahm dann Claudius Dreilich und gab dafür sogar seinen gut bezahlten Job bei einem schwedischen Möbel-Riesen auf.

Enge Beziehung zu Gourmet-Koch

Die Sache mit der Lieblingsstadt hat für den Karat-Sänger zum Beispiel mit der Schönheit der Stadt zu tun, mit dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof, „den liebe ich absolut“, aber vor allem mit Dresdens Gourmet-Koch Gerd Kastenmeier. „Uns verbindet eine wirklich enge Freundschaft“, beschreibt Claudius Dreilich. Und so gibt die Band alle zwei Jahre ein ganz besonderes Konzert in Kastenmeiers Restaurant im Kurländer Palais. Vor etwa 300 Besuchern wird dabei im Innenhof gerockt. Und natürlich wird auch gekocht. Die Idee dazu sei dabei übrigens im Whirlpool entstanden. „Wir saßen bei Gerd im Whirlpool bei einer Flasche Rotwein, und er war gerade mächtig in der Planung für sein damals neues Restaurant“, erzählt der Karat-Sänger. Man müsse dort dann mal ein Konzert organisieren, fanden die beiden, bei dem neben der Karat-Musik auch Kastenmeiers Kochkunst im Mittelpunkt steht. Und die Idee kam so gut an, dass vor wenigen Tagen nun bereits die vierte Auflage im Kurländer Palais über die Bühne ging. Mit einer Überraschung für Kastenmeier übrigens: Die Band hatte für diesen Abend zwei Kochjacken anfertigen lassen, auf denen in roten Buchstaben die augenzwinkernde Aufschrift „Karat Exclusiv-Caterer“ aufgestickt war. Aber auch für die Fans gab’s eine Überraschung: zwei neue Lieder nämlich, die auf der nächsten Karat-CD zu hören sein werden. Eigentlich sollte die Platte ja schon Ende September erscheinen; „aber weil wir mit dem Projekt Rocklegenden im Oktober eine neue Platte herausbringen, hätte sich das überschnitten“, so Claudius Dreilich. Nun kommt die neue Scheibe also im nächsten Jahr auf den Markt.

Auf der CD wird Karat wieder stärker an den typischen Klang der Band anknüpfen, plaudert Gitarrist Bernd Römer schon mal aus dem musikalischen Nähkästchen. Die jüngste Platte „Seelenschiffe“ war ja ein Ausflug in moderne, poppige Klänge, „was wir einfach mal ausprobieren wollten und womit wir durchaus auch zufrieden sind“, unterstreicht Claudius Dreilich. Nun werden aber wieder ein paar rockige Gitarren mehr zu hören sein, was Gitarrist Bernd Römer natürlich freut.

CD als Radeberg-Verbindung

Übrigens, ein bisschen sauer ist Karat auf Dresden dann aber doch. Denn zum 40. Band-Jubiläum vor zwei Jahren wollten die Musiker gern gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Kiel in der Semper-Oper auftreten. Die Band und das Orchester hatten 2013 unter dem Titel „Karat-Symphonie“ ein wunderbares Live-Album eingespielt; „und das hätte gut in die Oper gepasst“, ist Claudius Dreilich nach wie vor überzeugt. „Aber es gab da zu viele Widerstände, schade“, sagt er. Und diese Live-CD hat übrigens eine enge Verbindung nach Radeberg. Denn obwohl das Album sozusagen im „hohen Norden“ aufgenommen wurde, gibt es einen „südöstlichen“ Aspekt an diesem Projekt: Denn der Generalmusikdirektor des Orchesters – Georg Fritzsch – stammt aus der Nähe von Meißen, und sein Bruder Rainer Fritzsch ist bekanntlich in Radeberg Kantor der Stadtkirche.

„Ich habe das Album sogar gehört, bevor es damals erschienen war“, verrät der Kantor. Und schwärmt; „Karat-Musik ist ja wirklich etwas ganz Besonderes, da spürt man auch, dass der Komponist klassisch-musikalisch gebildet ist“, so Rainer Fritzsch. Und Claudius Dreilich war kurz nach der Veröffentlichung des Albums regelrecht ins Schwärmen gekommen, wenn die Rede von Generalmusikdirektor Georg Fritzsch war: „Georg ist absoluter Karat-Fan, während er dirigierte, hat er jedes Lied mitgesungen, absolut textsicher“, machte der Karat-Sänger damals deutlich, dass es grandiose Symbiose war, die für diese ungewöhnliche Platte entstand. „Ein spektakuläres Album!“ Auch, wenn es letztlich „bloß“ die bekannten Hits der Band enthält. „Aber so hat man diese Lieder noch nie gehört – wir haben nicht einfach nur mit einem Orchester gespielt, das uns begleitet, sondern dafür sind neue Arrangements entstanden, und es ist ganz viel Orchester zu hören …“

Mittlerweile ist Claudius Dreilich aber entspannt, was das Thema Semperoper betrifft. Und er hatte – als die Band im vergangenen Oktober nur wenige Meter von der Oper entfernt auf dem Theaterplatz das Abschlusskonzert zum Fest der deutschen Einheit spielte – erklärt, nun nicht mehr in die Oper zu wollen. „Denn nun können wir ja in den neuen Saal des neuen Kulturpalastes“, freut er sich. Und er stellt auch gleich schon mal klar, dass Dresden seine Lieblingsstadt bleibt. Und für Karat sowieso eine besondere Stadt ist …

Karat-Akustisch am 16. November im Kulturpalast Dresden. Tickets im Vorverkauf unter anderem in allen SZ-Treffpunkten.