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Wie Dresden die Bewerbung verpatzt hat

Die Chance auf die Kulturhauptstadt 2025 ist vertan. Die Suche nach den Gründen hat begonnen.

Dresden ist raus aus dem Rennen um die Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2025.
Dresden ist raus aus dem Rennen um die Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2025. © Sven Ellger

Dresden ist aus dem Rennen. Der fünf Jahre lange Kampf um die Bewerbung für die Kulturhauptstadt 2025 fand am Donnerstagnachmittag ein Ende. Die Jury entschied sich in der Vorauswahl für Chemnitz, Nürnberg, Hildesheim, Hannover und Magdeburg. So gespannt wie sonst nur an Wahlabenden um 18 Uhr starrten neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auch die Mitarbeiter des Bewerbungsbüros und die Stadträte auf die Leinwand mit der Liveschalte aus Berlin, wo die Bekanntgabe stattfand. Genauso groß wie beim Reißen der Fünf-Prozent-Hürde an Wahlabenden war dann auch die Enttäuschung bei den Anwesenden.

Was sind die Gründe für das Ausscheiden ?

Oberbürgermeister Hilbert als auch David Klein, Leiter des Kulturhauptstadtbüros sagen: Es ist zu früh, um Gründe zu benennen. Die Entscheidung der Jury werde erst im Januar vorliegen. Hilbert betont, dass es nicht an der Person des Kurators Michael Schindhelm gelegen habe. „Wir haben immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen. Ich werde da nicht zulassen, dass irgendwer aus dem Team zum Schuldigen erklärt wird“, sagte Hilbert am Abend im Stadtrat. 

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Schade sei auch, und das hätten die Juroren auch hinterfragt, dass in Dresden Landeseinrichtungen sitzen, die Dresden nicht so stark unterstützt hätten, weil es drei sächsische Bewerber gab. David Klein sieht als einen möglichen Grund, dass Dresden eine hoch entwickelte Kulturstadt sei und bisher meist Städte gewonnen haben, die erst auf dem Weg dahin waren. Auf die Frage, ob mit dem Weiterkommen von Chemnitz automatisch Dresden aus dem Rennen war, sagt Klein eindeutig: „Nein, Regionalproporz und der Gedanke, nur eine ostdeutsche Stadt kommt weiter, spielte keine Rolle.“ Er denke nicht, dass politische Gründe bei der Entscheidung für Chemnitz eine Rolle gespielt haben.

Wie viel Geld wollte Dresden ausgeben?

Im Bewerbungsbuch war genau angegeben worden, wie viel Geld die Stadt ausgeben wollte: 70,6 Millionen Euro, 50 Millionen Euro davon für das Programm. Anders als beim Mitbewerber Hannover, wo es Streit um das Geld gibt, hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, die Bewerbung einzureichen, mit dem Finanzplan. Auch die Programminhalte mussten erklärt werden, genauso die Leitprojekte und wie leistungsfähig die Stadt ist - also, wie viele Betten es gibt, wo Bus und Bahn hinfahren und wie man per Zug, Auto und Flugzeug überhaupt nach Dresden kommt.

Wie geht es weiter mit den Projekten, die angeschoben wurden?

Bei der Bewerbung sollte die ehemalige Robotron-Kantine eine entscheidende Rolle spielen und sie soll es laut Hilbert auch weiter tun. „Wir werden das Projekt weiterverfolgen.“ Das Gebäude sollte eigentlich abgerissen werden. Jetzt will die Stadt es samt Grundstück für 2,2 Millionen Euro kaufen. Was genau aus der Kantine wird, dazu will Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im kommenden Jahr ein Konzept vorlegen. Für David Klein, Leiter des Büros, wird es wahrscheinlich positiv weitergehen. Er soll neuer Kulturamtsleiter werden. Dem muss der Stadtrat noch zustimmen.

Wie sind die Reaktionen aus der Stadt auf das Aus?

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Die CDU glaubt, einen Schuldigen ausgemacht zu haben: „Dass das ursprünglich von CDU-Oberbürgermeisterin Helma Orosz eingebrachte Projekt allzu lange von Dirk Hilbert und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch stiefmütterlich behandelt wurde, und erst 2018 mit der Bestellung des Kurators Michael Schindhelm Bewegung in den Prozess kam, hat sicher auch zum negativen Ausgang beigetragen“, so Stadträtin Petra Nikolov. Frank Richter, Mitglied des Kuratoriums zur Kulturhauptstadtbewerbung und Ex-Chef der Landeszentrale für politische Bildung äußert Bedauern: „Ich bin traurig, dass es Dresden nicht auf die Shortlist geschafft hat.“ Kultur sei das entscheidende Bindemittel für die Gesellschaft, gerade in Zeiten, in denen sich die Gesellschaft verändert. Grünen-Chef Klemens Schneider sagt: „Leider hat die Dresdner Bewerbung die Chance verpasst, das Image als rechtspopulistische Hochburg abzustreifen und den europäischen Gedanken in der Stadt zu stärken.“ Auch die Linke und die SPD äußerten Bedauern.

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