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Dresden kämpft um seinen Ruf

Touristen stornieren bereits wegen Pegida und Terror-Drohungen ihre Reisen an die Elbe. Dresden sorgt sich um sein Image.

© dpa

Von Andreas Weller und Anna Hoben

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Bundes- und weltweit berichten Medien über Dresden. Was früher vereinzelte Lob-Artikel in Fachzeitschriften über eine schöne Stadt an der Elbe waren, sind mittlerweile tägliche Berichte über Islamfeindlichkeit, den Mord an einem Asylbewerber, Drohungen von Terroranschlägen und dass in jeder anderen Stadt Deutschlands weit mehr Menschen gegen Pegida und Ableger des Vereins demonstrieren als in Dresden.

Am Montag soll der nächsten Pegida-Demonstration ein Konzert mit großen Stars entgegengesetzt werden. So der Plan, um dem entgegenzuwirken, was seit Oktober immer weiter wächst und auch international dem Ruf der Stadt schadet.

Noch habe Pegida keine spürbaren Auswirkungen auf den Tourismus, meint Dresdens Marketing-Chefin Bettina Bunge. Im November sind die Zahlen sogar um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt werde Dresden 2014 mehr als vier Millionen Übernachtungen erreicht haben, ein neuer Rekord.

Aber sie werde bei ihren Werbereisen für Dresden immer öfter auf Pegida angesprochen. Die Dresden-Information meldet sogar täglich Anfragen und Stornierungen wegen der Geschehnisse. Diese Absagen fließen aber erst später in die Übernachtungsstatistik ein, weil Reisen im Voraus gebucht werden. Bei den Hotels gehen die Übernachtungen zurück. Und auch den Tourismusverband erreichen viele Anfragen, ob es überhaupt noch sicher sei, nach Dresden zu kommen.

Langfristiger Schaden

All diese Informationen laufen nun bei Bunge und der Stadt zusammen. Die Stadtverwaltung wiegelt ab. Rathaussprecher Kai Schulz: „Dresden ist eine weltoffene Stadt mit einer großen kulturellen Vielfalt. Einflüsse aus aller Welt haben die Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist. Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen leben und arbeiten in Dresden – und fühlen sich wohl hier.“ Bunge dagegen redet Klartext: „Ich habe Sorge, dass unser tolles Image langfristig darunter leidet.“

Die Sorge teilen auch Dresdner Firmen. Vor allem im Mikroelektronik-Netzwerk „Silicon Saxony“. In den mehr als 300 Firmen in und um Dresden arbeiten rund 20 000 Mitarbeiter. „Unsere Industrie ist total globalisiert“, so Präsident Heinz-Martin Esser. „Was in Dresden und anderen Städten passiert, schadet uns allen. Unsere Mitglieder und Mitarbeiter sind in großer Sorge.“ Er berichtet von chinesischen Kollegen und kanadischen Angehörigen, die eine latente Angst haben, sich in Dresden zu bewegen. „Auch wenn die Ausländerproblematik bei den Pegida-Mitläufern nicht im Vordergrund steht, wird weltweit dieses Bild vermittelt.“ Er fordert den Dialog mit den Mitgängern, nicht mit der ins Zwielicht geratenen Pegida-Führung.

In den Betrieben komme die Diskussion derzeit immer auf Pegida, sagt Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. Je länger es dauere, desto eher entstehe ein schlechtes Bild. Marino Zerial ist einer der Direktoren des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie: „Pegida ist für uns eine Katastrophe.“ Nachdem lange daran gearbeitet wurde, den Standort für internationale Wissenschaftler attraktiv zu machen, zeigen sich erste Kratzer. „Pegida hat das Image von Dresden ruiniert. International ist es nun eine fremdenfeindliche Stadt.“ In Gesprächen merke er erstmals, dass es nicht mehr attraktiv ist, nach Dresden zu kommen. Das Institut sucht mehrere Führungskräfte. „Kandidaten fühlen sich hier aber nicht willkommen“, so Zerial.

Bunge versucht gegenzusteuern. „Wir können jetzt nicht einfach wie geplant weitermachen“, sagt sie. Deshalb werde es auch keine Plakatkampagnen geben, „Dresden ist weltoffen.“ Das habe es die vergangenen Jahre gegeben. „Wir werden jetzt versuchen, zu kommunizieren, was Dresden besonders schön macht.“

Außerdem wurde das „Dresden Magazin“, das im Februar überregionalen Zeitungen beiliegen wird, wegen der aktuellen Lage überarbeitet. Es war eigentlich Ende November fertig. „Dort haben wir nun wiederum noch mehr auf Internationalität gesetzt.“ Zwar ändere sich das Image Dresdens nicht sofort, aber eine Gefahr sei die aktuelle Situation für den Ruf der Stadt.

Klarheit erst im Sommer 2016

Derzeit plant Bunge die nächste Markenanalyse für die Stadt. Die jetzigen Zahlen sind bald fünf Jahre alt. Im ersten Halbjahr 2016 werden erneut Besucher zu Dresden befragt. „Wir überlegen, weitere Fragen in den Bogen aufzunehmen.“ Etwa, ob die derzeitige Situation und die Berichterstattung die Wahrnehmung über Dresden beeinflusst. „Mit den Ergebnissen, die ich im Sommer 2016 erwarte, wissen wir, ob die aktuelle Situation tatsächlich Auswirkungen hat“, so Bunge.

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