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Dresden: Kampf dem Buchsbaumzünsler

Der Schädling frisst sich auch in Dresden gnadenlos durch die Hecken. Viele kapitulieren - nur Kleingärtner André Lässig kämpft tapfer weiter.

Mit viel Hingabe widmet sich André Lässig seinen Buchsbäumchen. Sie einfach aufzugeben, bringt er nicht übers Herz.
Mit viel Hingabe widmet sich André Lässig seinen Buchsbäumchen. Sie einfach aufzugeben, bringt er nicht übers Herz. © Sven Ellger

Dresden. Von so einer kleinen Raupe lässt sich er sich doch nicht vorschreiben, was in seinem Garten wächst. André Lässig ist bereit für den Kampf mit dem Buchsbaumzünsler, dessen Namen zwar kaum jemand richtig aussprechen kann, dessen Folgen in den vergangenen Jahren aber überall in der Stadt zu sehen waren: Abgefressene und verdorrte Buchsbaumhecken sind im Sommer inzwischen eher die Regel als die Ausnahme.

Viele Gärtner haben deswegen schon vor dem Schädling kapituliert, der aus Ostasien stammt und wahrscheinlich mit Pflanzenimporten nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. Im vergangenen Jahr war der Befall in Dresden immens und diese Saison lässt bereits nichts Gutes erahnen. So weist Sachsens Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie darauf hin, dass hierzulande schon seit Anfang April erste Larven des Buchsbaumzünslers  aktiv sind. Die Behörde fürchtet daher eine noch frühere flächendeckende Ausbreitung im ganzen Freistaat.

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Bei der Stadt ist man bereits in Alarmbereitschaft. Mithilfe von Pheromonfallen versuchen die Gärtner im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft die Schäden in Grenzen zu halten. Auch auf den Friedhöfen, vor allem in Dölzschen, habe der Buchsbaumzünsler schon arg gewütet. Gesprüht werde jedoch nicht.

Viel größer, als man denkt: So sieht er aus, der gemeine Buchsbaumzünsler.
Viel größer, als man denkt: So sieht er aus, der gemeine Buchsbaumzünsler. © Sven Ellger

André Lässig weiß selbst, dass es schwer werden wird, aber die wunderschöne Buchsbaum-Schnecke, die er seit mindestens neun Jahren in einer Parzelle  im Kleingartenverein "Eintracht Dobritz" hütet, will er einfach nicht aufgeben. 

Die Pflanze war ein Geschenk von einem guten Freund. "Letztes Jahr sah sie schlimm aus", sagt er. "Ich bin selbst überrascht, wie gut sie sich wieder erholt hat." Liebevoll schneidet der 58-Jährige sie Zentimeter für die Zentimeter in Form. Sonst überlässt er das meist einem Fachmann. Weiter hinten im Garten pflegt er auch noch einen kugelförmigen Buchsbaum.

Es dürften mit die letzten dieser Pflanzen in der ganzen Sparte sein. "Bis letztes Jahr stand hier gegenüber noch eine große Kugel", sagt Lässig. "Und dann war die innerhalb eines Tages komplett leer gefressen. Das müssen wirklich Hunderte Raupen gewesen sein."

Vereinschefin Simone Michalski hat ihren Mitgliedern schon vor Monaten ans Herz gelegt, sich von ihren Buchsbäumen zu trennen. "Das ist doch ein aussichtsloser Kampf", sagt sie. "Wir sollten uns alle nach Alternativen für die Heckenpflanzen umsehen."

Den einsamen Widerstand von André Lässig beantwortet sie mit einem Schmunzeln. Der Gärtner gehört hier quasi zum Bestand, spielte schon als Kind im Garten Nummer 27, den damals seine Großeltern gepachtet hatten. "Ich beschäftige mich jetzt seit Jahrzehnten mit Pflanzen, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt er.

"Die Dinger haben nur gelacht"

Erst gestern habe er wieder acht Raupen aus seinem Buchsbaum gesammelt, die schon wieder diese charakteristischen weißen Gespinste hinterlassen hatten. Eigentlich sehen die Kleinen ja ganz hübsch aus. Gelb und grün mit schwarzen Punkten. Dennoch kennt seine Fußsohle keine Gnade.

Im Frühjahr hat er den Busch mit einem scharfen Wasserstrahl abgeduscht. Ob das was gebracht hat? Er weiß es nicht. "Über die biologischen Pflanzenschutzmittelchen haben die Dinger auf jeden Fall nur gelacht." Auf die Chemiekeule hat er eigentlich keine Lust. Als er sich neulich im Gartenmarkt dazu beraten ließ, riet ihm die Angestellte allerdings auch, lieber noch abzuwarten. Die Vögel hätten die Raupen womöglich inzwischen für ihren Speiseplan entdeckt. Gesehen hat er allerdings noch keinen Vogel in seinem Buchsbaum. Also heißt es für ihn vorerst: fleißig weiter suchen.

Auch Sachsens Umweltamt empfiehlt allen Buchsbaum-Freunden, frühzeitig gegensteuern. Explizit empfohlen werden Präparate mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis. "Im Haus- und Kleingartenbereich sind mit diesem Wirkstoff Mittel wie XenTari RaupenFrei und Lizetan Raupen- und Zünslerfrei zugelassen", heißt es von der Behörde. Die Finger lassen sollten die Gärtner dagegen von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Dimethoat (zum Beispiel Bi 58). Dafür gebe es europaweit keine Zulassung mehr. Es drohen Bußgelder.

Mit ihren Fragen können sich Haus- und Kleingärtner an die Sächsische Gartenakademie wenden. Telefonisch ist die Gartenakademie donnerstags von 14 bis 17 Uhr unter 0351 26128080 zu erreichen. 

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