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Drohnenpilot rettet Rehkitze

Sven Kaleta nutzt das Flugobjekt hauptberuflich und entdeckt damit sogar Wärmelecks. Auf der Karrierestart berichtet er über seine Firmengründung.

Von Kay Haufe
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Vor drei Jahren hat Sven Kaleta seine Firma Airmess gegründet. Mit seinen Drohnen rettet er auch Tiere, die sonst von Erntemaschinen getötet werden würden.
Vor drei Jahren hat Sven Kaleta seine Firma Airmess gegründet. Mit seinen Drohnen rettet er auch Tiere, die sonst von Erntemaschinen getötet werden würden. © Sven Kaleta

Die Vogelperspektive bietet ungeahnte Einsichten. Manchmal kann sie sogar Leben retten. Nämlich dann, wenn Sven Kaleta seine Drohne mit einer Wärmebildkamera bestückt und sie über bewirtschaftete Felder fliegen lässt. Zwischen dem dichtstehenden Getreide oder Mais liegen mitunter Rehkitze, die von den großen Erntemaschinen  getötet würden. Tierschützer und Bauern rufen dann Kaleta an, der ehrenamtlich hilft, wenn gerade Zeit ist. Mit seiner Kamera kann er die bedrohten Tiere genau orten. Dutzende hat er so schon vorm Tod bewahrt. 

Sein Geld verdient der Drohnenpilot aber mit anderen Flügen. Seine Aufträge führen ihn auf Mülldeponien, industrielle Anlagen oder auch zu denkmalgeschützten Gebäuden. Mithilfe der Kamera werden Tausende Punkte aufgenommen, aus denen Kaleta im Anschluss mithilfe einer Software Lagepläne und Geländemodellierungen erstellen kann. Inzwischen ist er Datenlieferant für Vermessungsbüros, Ingenieure und Projektplaner sowie Energieversorger und die verarbeitende Industrie. 

Seine Drohne misst 1,20 Meter im Durchmesser.
Seine Drohne misst 1,20 Meter im Durchmesser. © Tom Neudeck

In einer Woche kommt die Wärmebildkamera wieder zum Einsatz, wenn der 41-Jährige in Bayern das 60 Kilometer lange Fernwärmenetz einiger Kommunen abfliegt. Das klappt am besten am frühen Morgen, wenn es kalt und trocken ist, sagt er. "Ich musste lernen, welche Uhrzeiten und Wetterbedingungen sich am besten für bestimmte Aufträge eignen. Das war learning by doing, denn dafür gibt es keine Richtlinien", sagt Kaleta.   

Vor drei Jahren hat er seine Firma Airmess gegründet, mit der er auch 3-D-Gebäude- und Raumscans erstellt. Mit seiner Lasertechnik hat er nicht nur alte Kirchen vermessen, sondern auch zahlreiche Hausfassaden. Im Ergebnis kann er die Fassaden genau abbilden, was mit herkömmlicher terrestrischer Messung weitaus aufwendiger wäre. Außerdem kann er von allem 3-D-Modelle erstellen.   

Eine Drohne so teuer wie ein Mittelklassewagen

"Angefangen hat alles mit einer Drohne, die mir meine Frau 2015 geschenkt hat. Deren Qualität war so schlecht, dass ich sie gleich zurückgeschickt habe", sagt Kaleta. Doch sein Interesse war geweckt. Er, der bis dahin als Außendienstmitarbeiter für ein großes deutsches Technikunternehmen tätig war, hat sich über Drohnen informiert, im Fraunhofer Institut in Karlsruhe Weiterbildungen absolviert, um beispielsweise Wärmebildaufnahmen richtig auswerten zu können. "Aber mir war schnell klar, dass die Drohne sehr viele Einsatzgebiete haben könnte und ich das nutzen kann", sagt der Firmenchef.    

Kaleta hat die Drohne auch auf dem Fernsehturm fliegen lassen.
Kaleta hat die Drohne auch auf dem Fernsehturm fliegen lassen. © Tom Neudeck

Doch gute Technik hat ihren Preis. Und die war und ist die Grundlage für sein Unternehmen Airmess. "Die Drohne kostet mit der Kamera und den Objekten so viel wie ein deutscher Mittelklassewagen", sagt Kaleta. Geld, das er sich von Banken holen wollte. "Aber das war sehr schwer", blickt er zurück. Damals habe man noch keinen Drohnenführerschein gebraucht und seine Gründungsidee wurde von vielen Geldinstituten als nicht realistisch eingeschätzt. 

Zu Hilfe kam ihm die Sächsische Beteiligungsbank, die innovative Projekte fördert. Sie sichert inzwischen das Risiko, das die Ostsächsische Sparkasse mit ihrem Kredit für Kaleta hat, ab. Der Firmenchef zahlt dafür eine Gebühr. "Ich bin der Sparkasse sehr dankbar, ohne sie hätte meine Idee nicht funktioniert", sagt der Drohnenpilot.         

3-D-Modell vom Fernsehturm

Im ersten halben Jahr nach der Firmengründung war er unruhig, ob alles funktioniert. Zuvor war er "Klinkenputzen", wie er selbst sagt, hat bei zahlreichen Unternehmen vorgesprochen. Zwei, drei Aufträge habe er damals gehabt, doch dann sprach sich Airmess herum. Auch vom Dresdner Fernsehturm hat Kaleta schon ein 3-D-Modell hergestellt, das auf Anfrage der Stadt Dresden sogar im Oktober 2019 mit auf der Immobilienmesse Expo Real in München zu sehen war. "Das habe ich sehr gern gemacht, weil mir der Turm auch sehr am Herzen liegt."      

Wer mehr über die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen erfahren möchte, trifft Sven Kaleta bei der Messe Karrierestart, die am Freitag beginnt. Geöffnet ist Freitag von 9 Uhr bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr.

Tickets gibt es online, per App und vor Ort. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro für Schüler, Studenten, Arbeitslose und Zivildienstleistende.

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