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Dresden

Corona zum Trotz?

Menschenansammlungen meiden, heißt es derzeit. Doch in Dresden sind es vor allem Rentner, die am Mittwoch noch die Einkaufszentren besuchen. Ein Report.

Immer wieder warnen Experten davor, dass besonders ältere Menschen durch das Coronavirus gefährdet sind. Halten sich diese an den Rat? Ein Blick in die Dresdner Einkaufszentren.
Immer wieder warnen Experten davor, dass besonders ältere Menschen durch das Coronavirus gefährdet sind. Halten sich diese an den Rat? Ein Blick in die Dresdner Einkaufszentren. © Sven Ellger

Dresden. Sie sitzen bei Fielmann ihrem Optiker gegenüber, um sich eine neue Brille zu gönnen. Abstand: ein Meter, höchstens. Es wird über entspiegelte und kratzfeste Gläser diskutiert. Andere wollen sich den hellgrünen Kaschmir-Pulli nicht entgehen lassen, den sie schon am Wochenende im Schaufenster gesehen haben. Er ist reduziert. Corona? Das ältere Ehepaar fragt sich, was die Frage nach dem Einkaufsbummel in Zeiten einer Epidemie soll, und verlässt die Altmarktgalerie in Richtung Prager Straße.

Unwiderlegbar, es sind es vor allem Rentner, die am Mittwochmorgen durch das größte Einkaufszentrum Dresdens schlendern, als wäre die Welt in Ordnung. Als könnte ihnen das Coronavirus nichts anhaben - allen Warnungen und Statistiken über schwere Verläufe im höheren Alter zum Trotz. Täuscht es, oder sind die Jüngeren tatsächlich einmal vernünftiger?

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Das Staunen des Händlers

Thomas Moch betreibt im Untergeschoss der Altmarktgalerie ein Fotogeschäft. Nicht, dass er sich in diesen Zeiten über Kunden beschweren wollte: Letzte Woche blieben schon die Touristen weg. Diese Woche wurden viele Arbeitnehmer ins Homeoffice geschickt. Ein kurzer Mittagsbummel durch die Geschäfte? Fehlanzeige. Und sollte Mochs Angebot nicht noch in letzter Minute als Dienstleistung eingestuft werden, wird er seinen Laden ab Donnerstag nicht mehr öffnen dürften. Wer weiß, wie lange. 

Mehrere Dresdner, darunter Ältere, warteten am Mittwoch auf die Öffnung des Media Marktes im Kaufpark Nickern.
Mehrere Dresdner, darunter Ältere, warteten am Mittwoch auf die Öffnung des Media Marktes im Kaufpark Nickern. © SZ

Dennoch, Moch wundert sich über so viele Senioren. "Ich habe das Gefühl, viele Rentner können oder wollen nicht realisieren, was gerade auf der Welt los ist", sagt er. Nicht aus dem Kopf will ihm ein Gespräch mit einer älteren Kundin gehen. Ihre Tochter arbeite im öffentlichen Dienst und habe sie gewarnt, sich unter Leute zu begeben. "Warum sie trotzdem unterwegs sei, wollte ich von ihr wissen. Sie solle doch bitte auf ihre Tochter hören, riet ich ihr." Wie ernst sie es genommen hat, weiß der Ladeninhaber nicht. "Na, wenn sie das sagen", habe sie nur geantwortet.

„So sind die Regeln“

Im Kaufpark Dresden-Nickern geht es an diesem Mittwochvormittag ruhig zu, sehr ruhig. Die großen Filialisten wie H&M, Adler und C&A haben ihre Geschäfte bereits geschlossen, in den anderen Läden sind nur wenige Menschen unterwegs. Kurz vor zehn warten gut zehn Kunden vor dem Media Markt, sie kaufen allerdings nur kleinere Sachen wie Filme - für die Kinder daheim - und Kopierpapier. Von Hamsterkäufen angesichts der bevorstehenden Ladenschließungen ist nichts zu spüren. 

Auch nicht in der Müller-Drogerie. Hier landen Seifen, Duschbad und Shampoos in den Körben - Toilettenpapier ist ohnehin ausverkauft. Auch hier fällt auf: Es sind besonders ältere Menschen im Einkaufszentrum unterwegs. Hier und da sind Familien mit Kindern zu sehen, die eigentlich auch Zeit zum Shoppen hätten, denn Schulen und Kindergärten sind geschlossen.

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Job unter Anspannung

Viele Rentner sind auch in der großen Kaufland-Filiale anzutreffen. Und hier scheint es das begehrte Papier zu geben: Fast jeder kommt mit je einer Packung Toilettenpapier und Küchenrolle aus dem Supermarkt. Doch beim Blick ins Regal wird schnell klar: Viel ist nicht mehr da. Kurz nach zehn Uhr liegen noch etwa zehn Packungen auf der Palette, langsam sammeln sich mehr Kunden davor, einige überlegen sichtlich, ob sie nicht doch noch einmal zuschlagen sollten. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma achtet penibel darauf, dass jeder Kunde auch wirklich nur eine Packung nimmt, so wie es auf dem Schild über der Palette geschrieben steht. 

Eine ältere Dame probiert es trotzdem, schummelt sich mit zwei Paketen am Sicherheitsmann vorbei und schafft es bis zur Kasse. Doch auch dort wird noch einmal genau durchgezählt. Die Kassiererin legt das zweite Paket zur Seite - wortlos. Da hilft auch die nette Nachfrage der Kundin nichts. „So sind die Regeln“, lautet die knappe Antwort. 

Den Kassiererinnen ist anzumerken: Ihr Job macht ihnen in Zeiten der Corona-Krise alles andere als Spaß. Nach jeder Berührung mit einem Geldschein desinfiziert sich eine der Frauen hinter der Kasse die Hände. Eine Wahl haben sie nicht, sie müssen ihre Schicht hier ableisten. Auch sie werden sich manchmal fragen, warum so viele ältere Kunden die Verhaltensregeln in den Wind schlagen, soziale Kontakte zu vermeiden. Spätestens an der Kasse ist es kaum möglich, genug Abstand zu den anderen Kunden oder zur Kassiererin zu halten.

Nur eine Packung Klopapier pro Person. Im Kaufpark Nickern wurde am Mittwoch rationiert.
Nur eine Packung Klopapier pro Person. Im Kaufpark Nickern wurde am Mittwoch rationiert. © SZ

Einer, der sich eher über die Zukunft seines Geschäftes Gedanken macht, ist Schuhkönig Steffen Klunker. Seit gut 20 Jahren verkauft der Händler aus Bad Liebenwerda Schickes für die Füße, hat viele Stammkunden. Sein Stand befindet sich seit jeher draußen vor dem Eingang zum Obergeschoss. Auch für ihn ist heute wohl der letzte Tag im Kaufpark. Er rechnet damit, dass er am Abend mitgeteilt bekommt, dass er nun nicht mehr verkaufen darf. 

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Aber das Gros der Kundschaft würde ohnehin schon seit Tagen ausbleiben. „Nur die Älteren kommen noch“, bestätigt auch Klunker. Wie es für ihn nun weitergeht? „Ich hoffe, der Spuk ist nach Ostern vorbei.“ Bis dahin hält er sich mit Wochenmärkten über Wasser, die weiterhin geöffnet bleiben dürfen. Nun heißt es für den Schuhhändler erst einmal Abschied nehmen vom Kaufpark. 

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