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Bekommt der Neustädter Markt wieder einen Tunnel?

In Zukunft könnten Autos unterirdisch den Goldenen Reiter passieren. Was der Dresdner Stadtrat beschlossen hat.

Die Große Meißner Straße ist für Fußgänger und Radfahrer ein Hindernis. Ein Auto-Tunnel könnte Abhilfe schaffen.
Die Große Meißner Straße ist für Fußgänger und Radfahrer ein Hindernis. Ein Auto-Tunnel könnte Abhilfe schaffen. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Keine fünf Jahre ist es her, dass der Fußgängertunnel unter dem Neustädter Markt zugeschüttet wurde. Zwei Elbehochwasser fluteten die Unterführung und richteten erhebliche Schäden an. Noch einmal sollte das nicht passieren. Nun ist plötzlich wieder ein Tunnel im Gespräch. Diesmal könnte jedoch die komplette Straße zwischen Carolaplatz und Marienbrücke untertunnelt werden, um die Autos in den Untergrund zu verbannen und Fußgängern und Radfahrern an der Oberfläche Platz zu verschaffen. 

Was der Stadtrat zur Neugestaltung des Königsufers und des Neustädter Marktes am vergangenen Donnerstag beschlossen hat - die wichtigsten Entscheidungen im Überblick.

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Beschluss 1: Der Goldene Reiter wird nicht zugebaut

Der Goldene Reiter ist neben der Frauenkirche, der Semperoper und dem Zwinger ein Wahrzeichen Dresdens. Tatsächlich sah der Siegerentwurf für den Neustädter Markt vor, links und rechts des Reiters neue Häuser zu bauen. Dazu wird es aber nicht kommen. Der Stadtrat will den Platz-Charakter erhalten und stärken - als Freiraum und Veranstaltungsfläche mit hoher Aufenthaltsqualität. Das heißt: Die Brunnen bleiben an Ort und stelle, sie sollen instand gesetzt werden. Außerdem wünschen sich die Stadträte mehr Begrünung und eine Sanierung der Gehwegplatten. Die Stadtverwaltung soll dafür mehrere Varianten erarbeiten, die dann öffentlich zur Debatte gestellt werden.

Links und rechts des Goldenen Reiters sah der Siegerentwurf neue Häuser vor. Diese werden nun nicht gebaut. Stattdessen soll der Neustädter Markt als Freiraum aufgewertet werden, wo auch Veranstaltungen stattfinden können.
Links und rechts des Goldenen Reiters sah der Siegerentwurf neue Häuser vor. Diese werden nun nicht gebaut. Stattdessen soll der Neustädter Markt als Freiraum aufgewertet werden, wo auch Veranstaltungen stattfinden können. © Rene Meinig (Archiv)

Die Absage an die Neubauten ist auch ein Bekenntnis an die Plattenbauten. Sie seien ein funktionierendes Wohnquartier, es gebe so gut wie keinen Leerstand, sagte SPD-Stadtrat Vincent Drews. Natürlich könne man architektonisch geteilter Meinung sein, aber die Häuser gehörten zur Geschichte Dresdens.

Beschluss 2: Alte Bürgerhäuser werden wieder aufgebaut

Die im Krieg zerstörten barocken Bürgerhäuser zwischen dem Hotel Bellevue und dem Blockhaus werden soweit wie möglich nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Geplant ist außerdem, das Areal zwischen der Augustusbrücke und dem Finanzministerium zu bebauen. Hier spricht sich der Stadtrat für eine kleinteilige Fassadengestaltung aus - sowohl zur Straße als auch zum Ufer hin. Gesetzt ist bereits das Narrenhäusel an der Augustusbrücke, das von Investor Frank Wießner wieder aufgebaut wird.

Beschluss 3: Autoverkehr wird verlegt

In diesem Punkt zeigt sich der Stadtrat ungewohnt einig: Der Straßenverkehr zerschneidet den Boulevard zwischen dem Albertplatz auf Neustädter Seite und der Dresdner Altstadt. Hier muss etwas passieren. Aber was? Zunächst einmal soll die Straße zwischen Carolaplatz und Marienbrücke verengt werden. Zwei überbreite Spuren oder vier Fahrstreifen mit Mindestbreite sind im Gespräch. Wie genau die Straße gestaltet wird, darüber soll sich nun die Verwaltung Gedanken machen und ihre Vorschläge anschließend der Öffentlichkeit vorlegen. Sie soll außerdem prüfen, wie die Köpckestraße und die Große Meißner Straße Radwege bekommen könnten.

Perspektivisch wird auf Wunsch der CDU im Stadtrat auch ein Auto-Tunnel nicht mehr ausgeschlossen. Die Verwaltung soll jetzt die technischen Möglichkeiten, die Kosten und die Folgen von Hochwassern untersuchen. "Wir hätten damit am Neustädter Markt eine verkehrsberuhigte Zone und einen Platz der Aufenthaltsqualität bietet", so CDU-Stadtrat Mario Schmidt. Der gesamte Stadtteil würde unheimlich gewinnen, wenn der Verkehr weiterhin da ist, aber unterirdisch fährt, und der Freiraum oben für die Fußgänger gewonnen werden könnte, pflichtet FDP-Fraktionschef Holger Zastrow bei. Er spricht von gigantischen Entwicklungsmöglichkeiten für das Areal um den Neustädter Markt, sollte es der Tunnel kommen.

Im Herbst 2016 war damit begonnen worden, den Fußgängertunnel am Neustädter Markt zu beseitigen. Nun könnte ein Autotunnel entstehen.
Im Herbst 2016 war damit begonnen worden, den Fußgängertunnel am Neustädter Markt zu beseitigen. Nun könnte ein Autotunnel entstehen. © Archiv: Sven Ellger

Prüfen wird die Stadt auch, ob der Palaisplatz eine Tiefgarage erhalten kann. Dadurch könnte man die Parkplätze an der Königstraße abschaffen, so Zastrow, was den Restaurants dort neue Chancen für die Außengastronomie eröffnen würde. Man sehe anderswo, wie das die Stadt belebe.

Beschluss 4: Straßenbahn könnte neue Trasse erhalten

Grundsätzlich sollen die Straßenbahnen weiterhin zwischen Carolaplatz und Marienbrücke fahren. Allerdings wird darüber nachgedacht, die Gleise von der Straßenmitte an die Nordseite zu verlegen, also in Richtung Albertplatz. Für Fahrgäste hätte das den Charme, dass sie zumindest von der Hauptstraße her nicht erst die Straße überqueren müssten, um zur Bahn zu gelangen. Zum Elbufer hin würde im Zusammenspiel mit der Straßenverengung mehr Platz entstehen. Von einer Wiederbelebung des barocken Marktplatzes sprechen die Wettbewerbssieger, die Bernd Albert Architekten-Gesellschaft sowie der Berliner Landschaftsarchitekt Günther Vogt.

Beschluss 5: Pavillon für Neumarkt-Wächter wird geprüft

Eigentlich hat die Gesellschaft Historischer Neumarkt ihren Infopavillon am Pirnaischen Platz. Da sich die Neumarkt-Wächter nun auch der Neustädter Elbseite verschrieben haben, wollen sie eine Dependance. Der Verein hätte gern die Turmhaube des Neustädter Rathauses ab 2023 als Informationszentrum auf dem Neustädter Markt. Die Stadt soll es nachbilden und dem Verein das Objekt kostenfrei zur Verfügung stellen, so der Plan. 

So könnte der Info-Pavillon nach den Wünschen der Neumarkt-Gesellschaft aussehen.
So könnte der Info-Pavillon nach den Wünschen der Neumarkt-Gesellschaft aussehen. © Visualisierung: GHND e.V.

Ein strittiger Punkt, insbesondere für die SPD und die Grünen im Stadtrat. Man habe sich gegen eine Bebauung links und rechts des Goldenen Reiters ausgesprochen, so Vincent Drews. Die Pläne der Neumarkt-Gesellschaft widerspreche diesem Ansinnen. "Ich frage mich, warum es nicht möglich, ein Ladenlokal an Hauptstraße anzumieten." Prinzipiell habe man nichts dagegen, dass die Gesellschaft ihre Erfolge an prominenter Stelle darstellen wolle, fügte Grünen-Stadtrat Thomas Löser hinzu.

Eine Mehrheit erhielten Grüne und SPD allerdings nicht, sodass das Projekt nun ebenfalls geprüft wird.

Beschluss 6: Carolaplatz wird ausgeklammert

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Man habe mit dem städtebaulichen Wettbewerb zu viel mit einmal gewollt, indem man den Carolaplatz mit einbezog, so Zastrow. Carolaplatz und Neustädter Markt hätten unterschiedliche Identitäten. Der Stadtrat sprach sich daeshalb dafür aus, den Carolaplatzes extra in Angriff zu nehmen und einen weiteren städtebaulichen Wettbewerb mit dem Ziel der Umgestaltung zu planen. Für den Palaisplatz wird dies ebenso erwogen.

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