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Sind Kopfnoten nötig?

Vor Gericht wird über die Zulässigkeit der Zensuren gestritten. Das sagen Dresdner Lehrer dazu.

So gut wie auf diesem Zeugnis fallen die Kopfnoten nicht bei jedem Schüler aus. Über deren Notwendigkeit wird derzeit hitzig diskutiert.
So gut wie auf diesem Zeugnis fallen die Kopfnoten nicht bei jedem Schüler aus. Über deren Notwendigkeit wird derzeit hitzig diskutiert. © Robert Michael

Der Streit um die Kopfnoten ist noch nicht beendet. Im Oktober hatte das Verwaltungsgericht Dresden entschieden, dass die Benotung von Fleiß, Mitarbeit und Betragen rechtswidrig sei, weil diese nicht im sächsischen Schulgesetz festgeschrieben ist. Das Landesamt für Bildung hat Berufung eingelegt. Nun hat sich der Sächsische Lehrerverband mit einer Petition für den Erhalt von Kopfnoten zu Wort gemeldet. Sie wurde bereits von fast 2.800 Unterstützern unterschrieben – darunter auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

„Ich halte die Bewertung der sozialen Kompetenz von Schülern weiterhin für wichtig. Die etablierten Kopfnoten sind dafür ein gutes Mittel. Daher habe ich gern die Petition des Sächsischen Lehrerverbandes unterschrieben“, schreibt er dazu auf Facebook. Auch die meisten Dresdner Lehrer haben zu dem Thema eine klare Meinung. „Die Schule hat einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag. Ebenso wie das erworbene Fachwissen einer Benotung unterliegt, muss auch die wachsende und sich entwickelnde Persönlichkeit eines Schülers bewertet werden“, sagt Anett Riemer, Schulleiterin der 30. Oberschule. 

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Für die Ausbilder seien die Kopfnoten mitunter wichtiger als die Zensuren. „Eltern sollten froh sein, dass sie so von der Schule über das Verhalten und Auftreten ihres Kindes eine Rückmeldung erfahren und gegebenenfalls ihre Erziehungsarbeit zu Hause diesbezüglich verstärken müssen“, sagt sie.

Auch am Romain-Rolland-Gymnasium steht das Kollegium hinter den Kopfnoten. Schulleiter Alfred Hoffmann hat eine kleine Umfrage unter seinen Lehrern gestartet. Demnach würden nur Kopfnoten ein gutes Bild von der Sozialkompetenz eines Schülers vermitteln. Besonders Schüler, die sozial und fleißig sind, aber keine guten Noten schreiben, würden davon profitieren. Hoffmann räumt ein, dass viele Schüler und Eltern sich über die Kopfnoten beklagen, weil sie zu subjektiv seien. Allerdings werden sie an allen öffentlichen Schulen in einem Kollegium von zehn bis 15 Lehrern vergeben und können auf Nachfrage begründet werden. Einige Lehrer wünschen sich aber, dass diese Begründung auch auf dem Zeugnis steht.

Um schriftliche Beurteilung ergänzen

Das bemängelt auch Thomas Lorenz, Leiter der 128. Oberschule. Er findet es grundsätzlich richtig und wichtig, dass Kopfnoten vergeben werden. Allerdings sollten sie um eine schriftliche Beurteilung ergänzt werden.

Beim Vorsitzenden des Kreiselternrats Dresden Martin Raschke kommt die Idee gut an. „Die Kopfnoten sind nur ein zu kurzer Blickwinkel“, sagt er und spricht damit stellvertretend für eine Mehrzahl von Dresdner Eltern. „Ich bin für eine Mischung aus Kopfnoten und schriftlicher Beurteilung.“ Daraus würde sich ein komplexeres Bild ergeben.

Landesschülersprecherin Joanna Kesicka wünscht sich, dass die Noten  durch eine schriftliche Beurteilung ergänzt werden. „Wir stehen nicht hinter den Kopfnoten, wie sie aktuell vergeben werden, da ist sehr subjektiv“, so die Schülersprecherin. In einer schriftlichen Beurteilung sei viel mehr Platz für eine Beschreibung der Stärken und Schwächen.

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Eine der wenigen Schulen, die das bereits so handhabt, ist die Freie Waldorfschule. Für deren Geschäftsführer Holger Kehler sind Kopfnoten unwichtig. Bis zur neunten Klasse werden an der Freien Schule noch nicht einmal Zensuren in den Schulfächern vergeben. „Kopfnoten gibt es gar nicht“, so Kehler. Dafür enthalten die schriftlichen Textzeugnisse zum Ende jeden Schuljahres auch immer eine Beschreibung des Lern- und Sozialverhaltens.

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