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Was Frühchen stark macht

Wie kann ich Gutes tun? Das hat sich die Krankenschwester Mandy Wunder gefragt - und Geld für winzige Babys gesammelt. Die brauchen ganz besondere Hilfe.

Prof. Mario Rüdiger und Kinderkrankenschwester Mandy Wunder helfen Frühchen dabei, nicht nur gesund, sondern auch stark ins Leben zu starten.
Prof. Mario Rüdiger und Kinderkrankenschwester Mandy Wunder helfen Frühchen dabei, nicht nur gesund, sondern auch stark ins Leben zu starten. © Marion Doering

Dresden. Wie wichtig die großen, berühmten Ereignisse sind, auf denen spendable Gäste Geld für gute Zwecke geben, weiß Professor Mario Rüdiger sehr genau. Er leitet ehrenamtlich die Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene (DSKN) und hat schon glamouröse Anlässe erlebt, auf denen teure Tombola-Lose zugunsten seiner Arbeit verkauft wurden. Beim Semperopernball etwa, wo die Stiftung Charitypartner war

Nun ist er bewegt von einem ganz anderen Engagement. Es kommt aus den eigenen Reihen, von einer Mitarbeiterin des Dresdner Universitätsklinikums. Ohne viel Aufhebens hat Mandy Wunder Geld für die Stiftungsarbeit gesammelt. Genauer gesagt, für die Neugeborenen und ihre Eltern, die sie in ihrer täglichen Arbeit erlebt und umsorgt. Seit zwei Jahren betreut sie als Kinderkrankenschwester Frühgeborene und kranke Neugeborene auf der Perinatalstation der Uniklinik. 

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"Das ist eine verhältnismäßig kleine und noch recht junge Station", sagt die 42-Jährige. Sie biete Platz für acht Mütter und ihre Kinder. Dabei sind Mehrlinge nicht selten. Mandy Wunder hat dort vor zwei Jahren zu arbeiten begonnen. Nach ihrer Ausbildung war sie zunächst Kinder-Intensivschwester geworden. Dann zog die Liebe sie nach Dresden. "Vor 18 Jahren war es viel schwerer als heute, eine neue Anstellung zu finden", erzählt sie. 

Gern hätte sie auch in Dresden als Kinderkrankenschwester angefangen. Doch man brauchte sie in der Hämatologie und Onkologie für erwachsene Patienten. "Das habe ich über 16 Jahre lang sehr gern gemacht, dann wollte ich mich noch einmal verändern." Schließlich klappte es: Mandy Wunder bekam die Chance, auf einer Station zu arbeiten, die nicht in allen Kliniken selbstverständlich ist.

"Ein Frühchen ist nicht automatsich krank"

Prof. Rüdiger klickt sich am Computer durch seine Notizen: "Heute vor sieben Jahren wurde die Perinatalstation eröffnet", sagt er. Das Besondere daran: Mütter, die nach der spontanen Geburt oder nach einem Kaiserschnitt selbst noch medizinische Versorgung brauchen, können mit ihren Babys zusammenbleiben. Die sind meist noch extrem klein oder ernsthaft krank. Wobei Professor Rüdiger erklärt: "Ein Frühchen ist nicht automatisch krank. Es lebt nur in der falschen Umgebung, und wir müssen es ihm so leicht wie möglich machen, sich an die neue Welt anzupassen." Das funktioniere am besten, wenn das Kind bei der Mutter bleibt und sie rasch lernt, sicher und angstfrei mit ihm umzugehen.

Der Leiter des Neonatologischen Zentrums erforscht schon lange die Bedürfnisse und die Entwicklung von Frühgeborenen. "Sie senden andere Signale als Neugeborene, die zur rechten Zeit zur Welt gekommen sind", sagt er. Babys teilen sich ihren Eltern durch Laute und Gesten mit. Sie zu verstehen, gehöre zu den elterlichen Kompetenzen, die Mütter und Väter grundsätzlich haben. Die besonderen Signale Frühgeborener hingegen müssen sie erlernen. Dafür hat die Stiftung extra Kurse und Lehrfilme auf den Weg gebracht, die auch bundesweit Kliniken nutzen können.

Die Idee findet Mandy Wunder großartig. Täglich ist sie mit verunsicherten Eltern konfrontiert. Sie haben viele Fragen und können nur schwer einordnen, was um sie herum geschieht. Allein die Zeit direkt nach der Geburt verstört Mütter wie Väter. Dann zählt jede Minute, Ärzte und Schwestern müssen den Gesundheitszustand des Neugeborenen überprüfen, meist sind Tests, Infusionen und Überwachungsgeräte nötig. Unterdessen fragen sich die Eltern: Was passiert mit unserem Kind? Wird es dann zurückgebracht, ist sein Anblick, mitunter voller Kabel und Schläuche, schwer zu verkraften. 

"Ich finde, so etwas könnte jeder tun"

Nun klärt ein neuer Animationsfilm des Uniklinkums darüber auf. "Er hilft, besser zu verstehen und nimmt viele Sorgen", sagt Mandy Wunder. Das erleichtert auch ihr die Arbeit, denn informierte Eltern sind bessere Partner für das medizinische Personal. "Wir wissen außerdem, dass aufgeklärte Mütter und Väter später souveräner mit ihren Kindern umgehen. Das fördert ihre Entwicklung", sagt Professor Rüdiger.

Mit Unterstützung der Trainer ihres Sportstudios Olympia Coswig hat Mandy Wunder 817 Euro gesammelt, die nun der Produktion des Filmes zugutekamen. Viel Lob will die Kinderkrankenschwester dafür nicht. "Ich finde, so etwas könnte jeder tun", sagt sie, "Für mich ist es am schönsten, wenn ich Eltern mit ihrem Baby zufrieden aus der Klinik verabschiede." Dazu hat sie beigetragen. Prof. Mario Rüdiger behält das letzte Wort: "Dieses Engagement ist beeindruckend und hilft uns sehr." 

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