merken
PLUS Dresden

Frischer Glanz für Kreuzkirche

Von Handwerkern in der Dresdner Kreuzkirche ist Fingerspitzengefühl gefragt. Schließlich soll das hintere Treppenhaus so schön wie früher werden.

Hinter dieser Fassade liegt das hintere Treppenhaus der Kreuzkirche, das derzeit saniert wird.
Hinter dieser Fassade liegt das hintere Treppenhaus der Kreuzkirche, das derzeit saniert wird. © Christian Juppe

Dresden. Sanft gleitet die Venezianerkelle von Conny Kohlsche über die Wand. Mit geübten Griffen bringt die 20-jährige Malerin mit diesem Spezialwerkzeug mit abgerundeten Ecken die nächste Spachtelschicht auf den Sockel im Treppenhaus auf. Sie hat einen hellen Ziegelfarbton. Schon seit Januar arbeitet die Schwepnitzerin in der Dresdner Kreuzkirche. Seitdem wird das hintere Treppenhaus D in Richtung Kreuzstraße saniert, das zwei Aufgänge hat. Die Handwerker setzen auch die beiden benachbarten Sakristeien instand, in denen die Gottesdienste vorbereitet werden.

Mit einer speziellen Spachtel bringt Malerin Conny Kohlsche die nächste Schicht im Treppenhaus der Kreuzkirche auf, die den typischen Farbton des Jugendstils hat.
Mit einer speziellen Spachtel bringt Malerin Conny Kohlsche die nächste Schicht im Treppenhaus der Kreuzkirche auf, die den typischen Farbton des Jugendstils hat. © Christian Juppe

Die Malerin der Großröhrsdorfer Firma Industrie und Raum arbeitet mit ihrer gleichaltrigen Kollegin Karina Bastron am oberen Ende des gewaltigen Treppenhauses. Die Handwerkerinnen und ihre Kollegen sind gut vorangekommen in dem altehrwürdigen Gotteshaus. 

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Die Kreuzkirche hat eine wechselvolle Geschichte. Die erste Kirche an dieser Stelle datiert vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Im Siebenjährigen Krieg, 1760, wurde die Kirche durch preußischen Artilleriebeschuss zerstört und 1765 abgerissen. Bis 1792 entstand der spätbarock-klassizistische Bau, dessen äußere Gestalt bis jetzt erhalten geblieben ist. 1897 brannte es abermals. Nur die Umfassungsmauern und der Turm wurden nicht zerstört. In einer Rekordzeit von drei Jahren wurde das Gebäude in den üppigen und blumigen Formen des Neubarocks und des Jugendstils im Inneren wiederhergestellt und 1900 geweiht.

Bis zur Decke misst dieses Treppenhaus rund 24 Meter. „Das ist so hoch wie ein siebenstöckiges Haus“ erklärt Stefan Jarmer. Der Dresdner Architekt hat die Sanierung geplant und leitet und überwacht die Arbeiten. Die Sanierung des bedeutenden Gotteshauses, das mit 3.500 Plätzen auch über den größten Konzertraum Dresdens verfügt, ist weit fortgeschritten.  

Zwischen 2000 und 2006 wurde der Innenraum der Kirche saniert, verweist der 54-jährige Bauexperte auf den ersten Schritt. Ab 2014 folgte das Treppenhaus F, das sich an der Seite Richtung Altmarkt befindet. „Dort wurde auch ein Stück Treppe ergänzt, sodass ein Turmaufgang geschaffen wurde“, sagt er. 2016 folgte noch das Treppenhaus B an der Seite zum Dr.-Külz-Ring. Insgesamt wurden für die Treppenhäuser über 1,1 Millionen Euro investiert. 

Typisch vom Jugendstil geprägt sind auch die Geländer und Sandsteinpfosten der oberen Empore dieses Treppenhauses.
Typisch vom Jugendstil geprägt sind auch die Geländer und Sandsteinpfosten der oberen Empore dieses Treppenhauses. © Christian Juppe

Weitere 1,1 Millionen Euro kostet das jetzige Projekt. In diesem Treppenhaus gab es bei den Bombenangriffen im Februar 1945 die geringsten Schäden. Das hänge auch damit zusammen, dass beim Wiederaufbau nach dem Brand 1897 nicht brennbare Materialien eingesetzt wurden, unter anderem bei den Stahlbetondecken und beim Stahltragwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kreuzkirche wieder instand gesetzt. 

Die innere Klinke der Eingangstür ziert ein Engelskopf.
Die innere Klinke der Eingangstür ziert ein Engelskopf. © Christian Juppe

So ist heute noch die hölzerne Eingangstür zum Treppenhaus mit dem Messinggriff in Form einer Engelsfigur mit ganz zarten Flügelchen erhalten. „Das ist ganz früher Jugendstil“, erläutert Jarmer. Die Stuckelemente in der großen Halle des Eingangsbereiches mussten nur oberflächlich wieder hergerichtet werden. „Denn ihr Zustand ist noch gut“, sagt der Architekt. Währenddessen arbeitet Parkettleger-Azubi Tim Schäfer in der benachbarten Sakristei neben der Kreuzstraße mit seiner „Hummel“ am Fußboden. Das ist eine Parkettschleifmaschine. Damit für ihn und die anderen Handwerker der Weg frei ist, wurden die sonst dort lagernden Utensilien in die benachbarte Sakristei auf der anderen Seite des Treppenhauses geschafft, die bereits saniert ist. 

Mit seiner Schleifmaschine bearbeitet Tim Schäfer den Belag in der Sakristei neben dem Treppenhaus.
Mit seiner Schleifmaschine bearbeitet Tim Schäfer den Belag in der Sakristei neben dem Treppenhaus. © Christian Juppe

Die Holzfenster in den beiden Sakristeien waren noch so gut erhalten, dass sie saniert werden konnten. Bei den Metallfenstern im Treppenhaus sah es hingegen anders aus, sagt Jarmer. Sie waren so verrostet, dass sie durch neue Fenster mit doppelter Verglasung ersetzt werden mussten. Erneuert werden in dem Zuge auch die Haustechnik, die Elektrik, die Beleuchtung sowie die Heizungs- und Sicherheitsanlagen.

Restauriert wurden zudem die schmiedeeisernen Geländer, die noch zusätzliche Stahlstreben erhalten haben, die sie verstärken. Angebracht sind sie zwischen Sandsteinpfosten, die ebenfalls mit Jugendstil-Elementen gestaltet sind.

Architekt Stefan Jarmer überwacht die Sanierung des Treppenhauses. Er freut sich, dass die Arbeiten so zügig vorangegangen sind.
Architekt Stefan Jarmer überwacht die Sanierung des Treppenhauses. Er freut sich, dass die Arbeiten so zügig vorangegangen sind. © Christian Juppe

„An den Wänden wird jetzt auch die Jugendstil-Farbgestaltung wieder hergestellt“, erklärt Jarmer ein weiteres Detail. Denn bei der Instandsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie durchweg weiß gestrichen worden. Jetzt bringt Conny Kohlsche wieder mit ihrer Venezianerkelle die Spachtelmasse im hellen Ziegelton auf dem knapp 1,50 Meter hohen Wandsockel auf, der typisch für den Jugendstil sei. Vor einem Jahr hatte die junge Frau ausgelernt. Ihr Beruf mache ihr viel Spaß. „Die Arbeit in der Kreuzkirche ist etwas Ausgefallenes, was man selten hat“, sagt sie. „Es ist eine Herausforderung auf dieser ganz besonderen Baustelle.“ 

Der Untergrund an den Wänden im Treppenhaus hatte sich gelöst. „Wir mussten zuerst schleifen, spachteln und grundieren, bevor die Jugendstil-Farbfassung aufgebracht werden konnte“, sagt die Malerin. Geschaffen werden musste ein grober Untergrund, damit die Spachtelmasse auch richtig hält. Jetzt bringt sie die zweite von drei Schichten auf, die mit der Kelle ganz glattgezogen wird. Conny Kohlsche wird hier noch einige Wochen arbeiten.

Mit ihren 3.500 Plätzen hat die Kreuzkirche auch den größten Konzertraum Dresdens.
Mit ihren 3.500 Plätzen hat die Kreuzkirche auch den größten Konzertraum Dresdens. © Christian Juppe

„Wir wollen im Oktober fertig werden“, sagt Bauüberwacher Jarmer. „Denn Ende Oktober soll die Konzertsaison in der Kreuzkirche wieder beginnen.“

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden