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Dresden: Külz-Ring soll umbenannt werden

Wilhelm Külz wurde von den Nazis als Oberbürgermeister abgesetzt. Deshalb wurde die Straße am Rathaus nach ihm benannt. Das steht nun zur Debatte.

Die Straße am Dresdner Rathaus heißt Dr.-Külz-Ring. Ob das so bleibt, wird derzeit diskutiert.
Die Straße am Dresdner Rathaus heißt Dr.-Külz-Ring. Ob das so bleibt, wird derzeit diskutiert. © Sven Ellger

Dresden. Wilhelm Külz (1875 bis 1948) wurde vielfach ausgezeichnet. Der ehemalige Reichskanzler wurde 1931 zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt. Als die Nazis die Macht ergriffen, weigerte er sich 1933 die Hakenkreuzflagge am Rathaus zu hissen und Marxisten und Sozialdemokraten den Zugang zum Gebäude zu verwehren.

Deshalb enthob ihn Reichskommissar Manfred von Killinger des Amtes. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der liberale Politiker als Antifaschist geehrt und die Straße am Rathaus nach ihm benannt. Das könnte sich bald ändern.

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Unter Dresdens Grünen kursiert ein Antrag, eingebracht von Fraktionschefin Tina Siebeneicher und der Grünen Jugend. Der Titel: "#Blacklivesmatter –Straßennamen mit rassistischem und kolonialem Bezug in Dresden erkennen und umbenennen!"

Demnach soll der Stadtrat beschließen, rassistische und koloniale Bezüge bei Straßennamen in Dresden kritisch zu betrachten, diese Straßen umzubenennen, dies zu begründen und bei den neuen Straßennamen "Menschen mit Migrationshintergrund, die ein Teil der Dresdner Stadtgeschichte sind, zu würdigen".

In der Begründung kommt dann der direkte Bezug zu Külz. "Ein kritisches Beispiel: Wilhelm Külz wurde 1907 nach der Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama und am Ende des Völkermordes an den Herero und Nama zum Reichskommissar für Selbstverwaltung in Deutsch-Südwestafrika, heutiges Namibia, berufen. Er entwarf die Kommunalverwaltung für die deutsche Kolonie, welche 1909 eingeführt wurde. Während seiner Zeit in Deutsch-Südwestafrika begeisterte er sich für den deutschen Kolonialismus..."

Külz war tatsächlich ein Jahr in Afrika Reichskommissar für Selbstverwaltung. Ihm wurde allerdings im deutschen Kaiserreich Parteilichkeit zu Gunsten der Bewohner Südwestafrikas vorgeworfen, was belegen dürfte, dass er kein Rassist war.

In der in Dresden ansässigen und FDP-nahen Külz-Stiftung schüttelt man nur mit dem Kopf, wenn Külz als Beispiel für Rassismus genannt wird. Es wird auf einen echten Külz-Experten verwiesen, den Geschäftsführer der FDP-Stadtratsfraktion. Thomas Widra ist Historiker und hat seine Abschlussarbeit über Külz geschrieben.

„Wilhelm Külz, geboren wenige Jahre nach der Gründung des Kaiserreiches 1871, stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie, die gottestreu und monarchisch eingestellt war", so Widra. Külz sei weder Faschist noch Rassist gewesen, stellt Widra klar. "So abenteuerlich sich seine Lebenserinnerungen aus heutiger Sicht vielleicht lesen mögen, ihm lag das Wohl und die positive Entwicklung des Landes am Herzen." 

Widra verweist auch auf Aussagen, die Külz getroffen hat. Etwa im Jahr 1929 im Reichstag: „Dieser Antisemitismus ist die größte Schmach des Jahrhunderts!“ Dazu betont Widra: "Als Demokrat blieb Külz  standhaft, anders als beispielsweise seine Kollegen im Reichstag, die dem Ermächtigungsgesetz zustimmten.“ 

Doch die Grünen halten an ihrem Plan fest. "Dabei handelt es sich um einen Antragsentwurf", betont Siebeneicher. Dieser müsse noch in Details abgestimmt werden.

"Aber das Ansinnen liegt uns am Herzen. Wir müssen uns kritisch damit auseinandersetzen", sagt die Fraktionschefin. "Mir ist die Diskussion darum wichtig, weniger ob am Ende die eine oder andere Straße umbenannt wird."

Zuletzt wurde in Dresden der Platz vor dem Landgericht als "Marwa-El-Sherbini-Park" benannt. Zum Gedenken an den rassistischen Mord an der Ägypterin, die in Dresden lebte.

Allerdings ist hier der entscheidende Unterschied, dass dieser Platz zuvor keinen Namen hatte. Es wurde also keine Umbenennung vorgenommen. Über den Antrag der Grünen entscheidet später der komplette Stadtrat.

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