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"Für Kreativität gibt es keinen Lockdown"

Felix Räuber bringt neue Musik und alte Polarkreis-18-Songs mit zum Konzert auf der Kulturinsel am Dresdner Neumarkt - inklusive einer Botschaft.

Felix Räuber lebt seit acht Jahren in Berlin. Die alte Heimat Dresden mit Familie und Freunden zieht ihn aber immer wieder an.
Felix Räuber lebt seit acht Jahren in Berlin. Die alte Heimat Dresden mit Familie und Freunden zieht ihn aber immer wieder an. © Madlen Krippendorf / PR

Dresden. Er wird sehr allein sein. Wenn Felix Räuber, ehemaliger Frontmann der Dresdner Band Polarkreis 18, am Sonnabend auf der Kulturinsel Frauenkirche auftritt, kommt er ohne seine Musikerkollegen, die ihn sonst begleiten. Dass der 36-Jährige das Angebot der Stadt nutzt, liegt nicht an seiner wirtschaftlichen Schieflage. Er ist begeistert von der Idee: Zur Unterstützung der von Corona schwer getroffenen Kunstszene und um die Innenstadt zu beleben, haben die Initiatoren insgesamt zwölf kleine Open-Air-Bühnen aufbauen lassen. 

Dort bieten sie donnerstags bis sonnabends Musikern und Kleinkünstlern die Möglichkeit, aufzutreten. Dafür stellt die Landeshauptstadt eine halbe Million Euro zur Verfügung. Über seine eigenen Erfahrungen mit der Pandemie, Zukunftsängste, ein neues Denken und sein persönliches Engagement zur Rettung der Welt spricht Felix Räuber im Interview mit der SZ.

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Herr Räuber, für Ihre Branche herrscht noch immer Ausnahmezustand. Konzerte finden nur dezimiert statt. Wie geht es Ihnen damit?

Mit einem der letzten möglichen Flieger bin ich von einer Kuba-Reise zurückgekommen und dann herrschte im ganzen Land Stille. Es klingt vielleicht zynisch, aber ich mochte den Gedanken, dass ein so winziges Lebenwesen, wie es dieser Virus ist, unser ganzes System blockiert. Ein kleiner Wadenhieb, der uns zeigt: Wir sind nicht über alles erhaben, es gibt keine vollkommene Sicherheit! Diesen Vorboten müssen wir sehr ernst nehmen.

Aber Unternehmen, vor allem Künstler kämpfen um ihre Existenz. Sie nicht?

Besonders leid tun mir klein- und mittelständische Unternehmen. Die trifft es am härtesten. Natürlich haben auch wir sehr viele Konzerte nicht spielen können und müssen auf eine Menge Einnahmen verzichten. Die Kreativität läuft ja dennoch immer weiter. Da gibt es keinen Lockdown. Ich arbeite weiter an meinen Projekten.

Welche Projekte?

Zum Beispiel meine große Herzensangelegenheit: eine Kampagne mit dem Deutschen Naturschutzbund. Damit unterstützen wir unter anderem die Aktion Gewässerretter, bei der es darum geht, verschmutzte Gewässer zu melden und Müll einzusammeln. Aber das ist nur ein kleiner Baustein, gemessen an dem, was auf unserer Welt schiefgeht. Umweltschutz und Klimawandel sind die größten Themen des 21. Jahrhunderts. Daran kommt keiner vorbei, und ich will meinen Teil dazu beitragen.

Fridays for Future und dergleichen?

Die Fridays-for-Future-Bewegung setzt ein wichtiges Zeichen für unser ökologisches Bewusstsein. Über die Änderung unseres Konsumverhaltens können wir Einfluss nehmen und unser System steuern. Ich beschäftige mich inzwischen intensiv damit. Das spiegelt sich auch in meiner Musik wieder.

Ihr jüngstes Musikvideo zum Song "Road to Chaos" zeichnet düstere Bilder: Müllberge, Armut, Menschenmassen auf engstem Raum, urbane Ödnis. Ein Weltuntergangsszenario?

Der Klimawandel mit seinen kausalen Folgen geht ganz allein auf unsere Rechnung und dafür müssen wir lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das Bewusstsein, dass der Mensch der Natur nicht erhaben sein kann, sondern lernen muss ein Teil davon zu sein, wird ein elementarer Bestandteil bei der Schaffung neuer Gesellschaften werden. Darin wird sich zeigen, ob wir eine Zukunft haben oder nicht.

Wie hat Sie persönlich dieses Thema erfasst?

Ich bin von der Gruppendynamik eingeholt worden. Früher waren für mich Inlandflüge völlig selbstverständlich - bis mir meine Fans unmissverständlich sagten und schrieben, wie übel sie das finden. Diese Kritik hat mich zum Umdenken gebracht. Jetzt fliege ich deutlich weniger und schon gar nicht im Land. Die Gemeinschaft sorgt für Korrektur, indem sie deutlich macht: Wenn du dich so und so verhältst, ist das einfach nicht cool.

Was tun Sie außerdem für die Umwelt?

Gerade habe ich meine so genannte Räuber-Show auf meinen sozialen Medien gestartet. Damit gebe ich alltagstaugliche Tipps, wie man mit kleinen Schritten umweltbewusster lebt - gemäß dem Motto "Small Steps towards a better Future". Auf Verpackungen zu verzichten, weniger online einzukaufen, sich mehr Gedanken darüber zu machen, woher welches Produkt kommt und wie es produziert wurde, das sind alles nicht meine Erfindungen. Aber man kann nicht zu oft dazu anregen.

Diese Gedanken bringen Sie am Sonnabend mit ihrer Musik nach Dresden. Was erwartet ihr Publikum?

Normalerweise arbeite ich gern mit einem richtigen Ensemble, wie auf meiner nächsten Tour am 1. Mai 2021 im Beatpol. Auf der Kulturinsel aber trete ich solo auf. Auch darauf freue ich mich. Das hat etwas von Straßenmusik, das mag ich. Ich werde neben neuen Songs auch alte Songs meiner Band „Polarkreis 18“ spielen. Die Kulturinseln sind ein phänomenales Zeichen für kulturelle Vielfalt meiner Heimatstadt Dresden. Auch wenn die Bedeutung von Kultur für viele Menschen nicht sofort greifbar scheint, es ist und bleibt ein essentieller Bestandteil unseres Wertesystems, denn ohne Kultur gibt es auch kein gesellschaftliches Leben mehr.

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Felix Räuber tritt am Sonnabend, 13 bis 18 Uhr, zu jeder vollen Stunde auf der Kulturinsel Frauenkirche auf. Das gesamte Programm für dieses Wochenende finden sie hier.  

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