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Bekommt Dresden bald ein Länderspiel?

DFB-Präsident Keller hatte die Idee. Jetzt werben Stadionbetreiber und die Stadt Dresden um eine Partie. Unsere Umfrage dazu ist eindeutig.

Eigentlich galt das Dresdner Stadion immer als zu klein für Länderspiele. Das könnte sich nun ändern.
Eigentlich galt das Dresdner Stadion immer als zu klein für Länderspiele. Das könnte sich nun ändern. © Robert Michael

Zugegeben, in Zeiten von Coronavirus und Absagen von Großveranstaltungen mag diese Frage etwas deplatziert wirken, aber sie liegt dennoch auf der Hand. Erlebt Dresden bald wieder ein Fußball-Länderspiel?

Ausgerechnet der neue DFB-Präsident Fritz Keller hat dafür mit einem Vorschlag die Tür geöffnet, die für das Harbig-Stadion seit dem 14. Oktober 1992 als fest verschlossen galt. Damals fand gegen Mexiko das bisher letzte Spiel der A-Nationalmannschaft in Dresden statt. „Ich bin mir sicher, dass wir gegen kleinere Nationen auch mal in kleinere Stadien gehen“, hatte Keller auf einer Podiumsdiskussion anlässlich des 120. DFB-Geburtstages Ende Januar in Leipzig betont.

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„Bis Mai 2018 galt die Anforderung einer Mindestsitzplatzkapazität von 40.000 für Spiele der Nationalmannschaft, um möglichst vielen Zuschauern den Zugang zu einem Länderspiel zu ermöglichen“, erklärt der DFB in einem Schreiben auf SZ-Anfrage. Davon hat sich der Dachverband längst verabschiedet, unter anderem auch, weil die letzten Spiele des entthronten Weltmeisters nicht mehr ausverkauft waren – zuletzt beispielsweise in Mönchengladbach oder Frankfurt.

„Seit einem neuen Beschluss des DFB-Präsidiums vom Juni 2018 sind auch Stadien mit einer Sitzplatzkapazität von mindestens 25.000 als Austragungsorte eines Länderspiels möglich“, heißt es.

Die Auftritte der Jogi-Jungs im Vorjahr in Wolfsburg (26.101 Zuschauer) gegen Serbien und in Mainz (26.050) gegen Estland belegen das. Allerdings sind dafür entsprechende Vorgaben des europäischen Fußballverbandes Uefa zu berücksichtigen – unter anderem bei den Anforderungen der TV-Sender sowie in den Bereichen Hospitality, Sicherheit und Verkehrsinfrastruktur. 

Für das Testspiel am 31.März gegen Italien in Nürnberg hatte der Verband geplant auch wieder Stehplätze anzubieten. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus findet die Partie jedoch ohne Zuschauer statt.

Das alles, könnte man meinen, müsste auch die Chancen erhöhen, dass Test-Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft künftig auch in Dresden stattfinden könnten. Allerdings verfügt das Harbig-Stadion lediglich über 21.055 Sitzplätze – also knapp 4.000 weniger als die erwünschte Sitzplatzkapazität von 25.000.

Keine Mehrheit für Dresdner Stadionpläne

Pläne für eine Stadionerweiterung um insgesamt 10.000 Plätze gibt es. Allerdings sind diese im vergangenen Jahr zurückgestellt worden. Sicher würde das Aufstocken der Ränge mehrere Millionen Euro kosten. Und ebenso sicher würde die Rechnung nicht allein von privaten Mitteln bezahlt werden. Zudem scheint es in der Bevölkerung gegen einen Ausbau des Rudolf-Harbig-Stadions Vorbehalte zu geben. Eine Repräsentative Umfrage von Sächsische.de und Civey zeigt: Nur 37 Prozent der Menschen in Sachsen befürworten die Erweiterung des Dresdner Stadions, 22,9 Prozent sind dagegen. Der größte Teil der 2.014 Befragten zeigte sich unentschlossen (40,1 Prozent).

Der DFB bestätigt dennoch: „Nach dem Beschluss vom Juni 2018 sind im Osten Deutschlands neben den Stadien in Leipzig und Berlin auch die in Dresden und Rostock grundsätzlich als Austragungsorte eines Länderspiels möglich“.

Über die Standort-Vergabe von Länderspielen entscheidet das DFB-Präsidium „unter Berücksichtigung der verschiedenen Anforderungen der UEFA, der TV-Partner und auch der Sportlichen Leitung und des Teammanagements hinsichtlich Reisebewegungen der Nationalmannschaft“, teilt der DFB weiter mit.

Darüber hinaus hat der größte Sportverband der Welt einen Anforderungskatalog entwickelt, den die Stadien erfüllen müssen. „Dieser liegt bei etlichen Stadien bereits zur Bearbeitung“, erklärt der Verband in dem Schreiben an die SZ.

Stadt und Stadion in Dresden wollen ein Länderspiel

Von der Stadion Dresden Projektgesellschaft, die das Rudolf-Harbig-Stadion betreibt, wurde der Anforderungskatalog in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt bereits ausgefüllt. „Es geht hierbei um Kapazitäten, technische Details, Trainingsmöglichkeiten oder die grundsätzliche Verfügbarkeit des Stadions“, teilte Stadionmanager Ronald Tscherning mit. „Ein Länderspiel der DFB-Auswahl nach Dresden zu holen, wäre für das Stadion, für das Umfeld und die Landeshauptstadt Dresden ein riesiger Erfolg“, betont der kaufmännische Leiter der Arena.

„Die mediale Aufmerksamkeit für unsere wunderschöne Stadt und die Präsentation des Stadions auf einem internationalen Sektor sind unseres Erachtens absolut reizvoll“, sagt Tscherning und ergänzt: „Letztlich bieten wir den Dresdnern und den Fußballfans eine Möglichkeit, zwei Nationalmannschaften im einem der kompaktesten Stadions Deutschlands zu sehen“.

Grundsätzliches Interesse besteht also – auch seitens der Stadt. „Wir sind froh, dass der DFB offenbar von der Maxime – immer mehr, immer größer, immer teurer – abrückt. In puncto Logistik, Technik und vor allen Dingen Fußballbegeisterung wäre Dresden mit dem Rudolf-Harbig-Stadion ein ausgezeichneter Standort für die Austragung eines Fußball-Länderspiels“, betont Sportbürgermeister Peter Lames.

Der DFB macht insbesondere Ost-Standorten wie Dresden weiter Hoffnung. „Um möglichst vielen Anhängern der Nationalmannschaft den Besuch eines Länderspiels zu ermöglichen, ist es unsere Philosophie, Länderspiele nicht wie in England oder Frankreich immer am selben Ort und im selben Stadion auszutragen, sondern mit der Nationalmannschaft zu den Fans zu kommen“, erklärt die DFB-Pressestelle.

Mit dieser Philosophie scheint der DFB den Nerv der Fans auch zu treffen, wie eine weitere repräsentative Umfrage von Sächsische.de nahelegt. Der überwiegende Teil sportinteressierter Menschen in Deutschland ist dafür, dass Länderspiele zukünftig auch in kleineren Stadien ausgerichtet werden sollen - mit insgesamt 58,3 Prozent sogar deutlich mehr als die Hälfte. Nur 12,9 Prozent der 2.505 Befragten bewerten die DFB-Initiative negativ, die übrigen 28,8 Prozent zeigen sich in dieser Frage unentschieden.

Ob das Harbig-Stadion bereits als Auftragungsstätte für eines der drei Heimspiel der DFB-Elf in der Uefa Nations League infrage kommt, bleibt abzuwarten. Am 3. September spielt der Weltmeister von 2014 daheim gegen Spanien, am 13. Oktober gegen die Schweiz, am 13. November gegen Ukraine. „Die Standortvergabe obliegt dem DFB. Wir stehen jeglichen Anfragen immer positiv gegenüber, spekulieren aber nicht“, sagt Tscherning.

Ob die zunehmende Kritik am DFB von Erst- und Zweitligafans bei der Vergabe der Länderspiele eine Rolle spielt, ist fraglich, aber dennoch vorstellbar. Die Ultras von Dynamo Dresden zählen seit Jahren zu den schärfsten und lautesten Kritikern von vermeintlichen Fehlentwicklungen im Verband. „Die Meinungsverschiedenheiten sind unabhängig von der Bewerbung. Im Ergebnis kann jeder Fußballfan für sich selbst entscheiden, ob er gern ein Länderspiel besuchen möchte oder nicht“, unterstreicht Ronald Tscherning. 

Information zu den Umfragen mit Civey

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An der Umfrage zu den Ausbauplänen für das Dresdner Stadion wurde insgesamt 2.756 Mal teilgenommen und aus 2.014 Stimmen eine Stichprobe gezogen. Die Stichprobe entspricht der Grundgesamtheit der sächsischen Wahlbevölkerung. An der Umfrage zum Vorschlag des DFB-Präsidenten Keller wurde 3.994 Mal teilgenommen, aus 2.505 Stimmen ergab sich eine Stichprobe, die der bundesdeutschen Wahlbevölkerung entspricht. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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